3.256 Linsenbergweiher

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg über das Naturschutzgebiet »Linsen­bergweiher« vom 31. Oktober 2000 (GBl. v. 30.11.2000, S. 720).

 

Auf Grund der §§ 21 und 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBl. S. 385) wird verordnet:

 

Allgemeine Vorschriften

§ 1

Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Stadt Rottweil, Gemarkungen Rottweil und Göllsdorf, Landkreis Rottweil, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Linsen-bergweiher«.

 

§ 2

Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rd. 30 ha. Es umfasst Röhricht-, Grünland- und Wasserflächen in den Gewannen »Unterer Weiher«, »Unter dem Weiherwehr«, »Breite Wiesen« und »Linsenberg« mit den in Anlage l aufgeführten Grundstücken nach dem Stand vom 16. September 1997.

 

(2) Die Grenze des Naturschutzgebietes ist in einer Übersichtskarte vom 10. September 1998 im Maßstab 1:25000 mit durchgezogener roter Linie sowie in einer Detailkarte vom 10. September 1998 im Maßstab 1:2500 mit durchgezogener roter, dunkel schattierter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungs­präsidium Freiburg und beim Landratsamt Rottweil auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3

Schutzzweck

 

Schutzzweck des Naturschutzgebietes ist:

- die Erhaltung und Entwicklung der Wasserflächen und Uferzonen mit Röhrichten als Lebensraum seltener und gefährdeter Vogelarten,

- die Erhaltung und Entwicklung von Großseggenrieden, Binsenrieden, feuchten und blumen­bunten Wirtschaftswiesen,

- die Erhaltung einer landschaftsprägenden Wacholderheide.

 

§ 4

Verbote im Naturschutzgebiet

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Veränderung oder nachhaltigen Störung im Schutzgebiet oder seines Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen können. Ins besondere sind die in den Absätzen 2 bis 6 genannten Handlungen verboten.

 

(2) Zum Schutz von Tieren und Pflanzen ist es verboten,

1. Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

2. Standorte besonders geschützter Pflanzen durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu beeinträchtigen oder zu zerstören;

3. Tiere einzubringen, wild lebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder die Brut-, Wohn- oder Zufluchtsstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

4. wild lebende Tiere an ihren Nist-, Brut-, Wohn- oder Zufluchtsstätten durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu stören;

5. Hunde frei laufen zu lassen.

 

(3) Verboten ist es, bauliche Maßnahmen durchzuführen und vergleichbare Eingriffe vorzunehmen, wie

1. bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2. Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3. fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt verändern, wobei das Stauziel des Linsen-bergweiher 575,75 m ü. NN beträgt;

4. Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder an zubringen mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen.

 

(4) Bei der Nutzung der Grundstücke ist es verboten,

1. die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Abgrabungen und Aufschüttungen;

2. Art und Umfang der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

3. Streu- und Feuchtwiesen sowie Schilf- und Röhrichtbestände zu beseitigen oder zu zerstören;

4. Schilf- und Röhrichtbestände mehr als einmal im Jahr zu mähen, wobei der Schnitt nur in der Zeit vom 1. Oktober bis 28. Februar erfolgen darf und das Mähgut entfernt werden muss;

5. neu aufzuforsten oder Christbaum- und Schmuckreisigkulturen und Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen;

6. Dauergrünland umzubrechen;

7. Pflanzenschutzmittel, Düngemittel oder Chemikalien zu verwenden.

 

(5) Insbesondere bei Erholung, Freizeit und Sport ist es verboten,

1. die in der Detailkarte im Maßstab 1:2500 dargestellten Wege und Pfade zu verlassen;

2. Wanderungen mit mehr als 50 Personen durchzuführen;

3. das Gebiet außerhalb befestigter Wege mit Fahrrädern zu befahren;

4. zu reiten;

5. das Gebiet mit motorisierten Fahrzeugen aller Art zu befahren, ausgenommen Krankenfahrstühle;

6. zu zelten, zu lagern, Wohnwagen oder Verkaufsstände aufzustellen oder Kraftfahrzeuge abzustellen;

7. Wasserflächen zu nutzen (z.B. Eislaufen im Winter);

8. Luftfahrzeuge aller Art zu betreiben, insbesondere das Starten und Landen von Luft­sportgeräten (z. B. Hängegleiter, Gleitsegler, Ultraleichtflugzeuge, Sprungfallschirme) und Freiballonen sowie das Aufsteigenlassen von Flugmodellen.

 

(6) Weiter ist es verboten:

1. Abfälle oder sonstige Gegenstände zu hinterlassen oder zu lagern;

2. außerhalb amtlich gekennzeichneter Feuerstellen Feuer anzumachen oder zu unterhalten;

3. Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen.

 

§ 5

Zulässige Handlungen

 

(1) Für die landwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang erfolgt, dabei den Boden pflegt, Erosion und Humusabbau vermeidet, Gewässerrandstreifen und Ufer, oberirdische Gewässer und Grundwasser nicht in ihrer chemischen, physikalischen und biologischen Beschaffenheit beeinträchtigt und wild lebenden Tieren und Pflanzen ausreichenden Lebensraum erhält.

Voraussetzung ist weiter, dass

1. die Bodengestalt nicht verändert wird;

2. durch Entwässerungs- oder andere Maßnahmen der Wasserhaushalt nicht verändert wird;

3. Dauergrünland nicht umgebrochen wird;

4. die Röhrichtbestände in den markierten Angelruhezonen (Detailkarte im Maßstab 1:2500) nicht gemäht, außerhalb dieser Zonen nur in der Zeit vom 1. Oktober bis 28. Februar gemäht und abgeräumt, und im Übrigen nicht in ihrem Bestand beeinträchtigt oder verändert werden dürfen;

5. auf der Wacholderheide am Linsenberg nur mit Schafen ohne Pferchen und Koppeln geweidet wird und keine Düngung erfolgt. Die Schafe können in einer Großkoppel, die die ganze Heide erfasst, 2-3 mal jährlich jeweils 7 Tage weiden und sind nachts auf ihren Pferchacker außerhalb des Naturschutzgebietes zu führen;

6. Feldraine, ungenutztes Gelände, Hecken, Gebüsche, Bäume nicht beeinträchtigt werden;

7. Pflanzenschutzmittel nicht verwendet werden;

8. keine landwirtschaftlichen Produkte gelagert werden.

 

(2) Für die Ausübung der Jagd gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß erfolgt. Voraussetzung ist weiter, dass

1. Hochsitze nur außerhalb von trittempfindlichen Bereichen und nur landschaftsgerecht aus naturbelassenen Rundhölzern errichtet werden;

2. keine Wildäcker und keine Futterstellen, Ablenkungsfütterungen und Kirrungen nur mit Zustimmung der Naturschutzbehörde angelegt werden;

3. keine Tiere eingebracht werden;

4. das Schutzgebiet im Zusammenhang mit der Ausübung der Jagd nur auf befestigten Wegen mit Kraftfahrzeugen befahren wird.

 

(3) Für die Ausübung der Fischerei im Linsenbergweiher gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang erfolgt. Voraussetzung ist weiter, dass

1. Besatzmaßnahmen nur mit standortgerechten Fischarten erfolgen;

2. das Füttern des Fischbesatzes unterbleibt;

3. die Angelfischerei in den markierten Angelruhezonen (Detailkarte im Maßstab 1:2500) ganzjährig unterbleibt;

4. in den Röhrichtbeständen auf dem Damm nach Bedarf maximal 6 Angelplätze eingerichtet und in einer Breite bis max. 1,5 m begehbar gehalten werden;

5. im Übrigen dem Fischereiausübungsberechtigten erlaubt ist, den Zugang zum Wasser zum Zwecke der Befischung frei zu halten.

 

(4) Unberührt bleibt auch die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke und Gewässer sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung. Zur Durchführung von Reparaturarbeiten am Mönch und der Uferbefestigung ist es erlaubt, den Weiher abzusenken oder abzulassen.

 

§ 6

Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden durch die höhere Naturschutzbehörde in einem Pflege- und Entwicklungsplan oder durch Einzelanordnung festgelegt. § 4 dieser Verordnung ist insoweit nicht anzuwenden.

 

Schlussvorschriften

§ 7

Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann die höhere Naturschutzbehörde nach § 63 NatSchG Befreiung erteilen.

 

§ 8

Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. l Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig im Naturschutzgebiet nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt.

 

§ 9

Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft. Gleichzeitig tritt die Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg vorn 6. Oktober 1981 über das Naturschutzgebiet »Linsenbergweiher« außer Kraft.

 

Freiburg i. Br., den 31. Oktober 2000

Dr. von Ungern-Sternberg