3.262 Kirchspielwald-Ibacher Moos

Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg und der Forstdirektion Freiburg über das Natur- und Waldschutzgebiet (Schonwald) "Kirchspielwald-Ibacher Moos" vom 27. November 2001

 

Aufgrund der §§ 21 und 58 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBI. S. 385) sowie des § 32 des Landeswaldgesetzes (LWaldG) in der Fassung vom 31. August 1995 (GBI. S. 685) wird verordnet:

Allgemeine Vorschriften

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 Abs. 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinden Ibach, Görwihl, Dachsberg. Herrischried und Todtmoos, Landkreis Waldshut, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Die in § 2 Abs. 3 näher bezeichneten Flächen im Forstbezirk Todtmoos auf dem Gebiet der Gemeinden Todtmoos und Ibach, Landkreis Waldshut, werden zum Waldschutzgebiet (Schonwald) erklärt. Das Natur- und Waldschutzgebiet führt die Bezeichnung „Kirchspielwald-Ibacher Moos“.

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 568 ha Das Waldschutzgebiet (Schonwald) hat eine Größe von rund 282 ha. Im Bereich "Brunnmättlemoos" sind rund 44,5 ha gleichzeitig Naturschutzgebiet und Schonwaid.

 

(2) Das Naturschutzgebiet liegt im Oberen Hotzenwald südöstlich von Todtmoos. Die Abgrenzung verläuft im Wesentlichen entlang der nachfolgend grob beschriebenen Bereiche. Das Naturschutzgebiet umfasst vor allem Teile des Schwarzenbächletals einschließlich "Lindauer Moos" und "Lindauer Berg". Hinzu kommen die Bereiche "Schwammmatt", "Moos", "Dukatenwald" und "Fohrenmoos" in Ibach. das "Brunnmättlemoos" in Herrischried-Wehrhalden, die Bereiche "Turbenmoos". "Geishaftermoos", "Silberbrunnen" und "Hirnimoos" in Görwihl-Strittmatt, "Leimenlöcher", "Spielmannswies" in Dachsberg-Wolpadingen sowie der Bereich westlich des "Lindauer Moos" in Todtmoos.

 

(3) Das Waldschutzgebiet (Schonwald) umfasst zwei Teilbereiche. Der Teilbereich "Althüttenmoos" liegt ca. 1,5 km südwestlich vom Ortsteil Oberibach der Gemeinde Ibach und umfasst die Abteilungen 4, 5, 8 und 9 des Distriktes III des Staatswaldes Todtmoos. Der Teilbereich "Brunnmättlemoos/Langmoos" liegt ca. 3 km südöstlich von der Gemeinde Todtmoos und umfasst die Abteilungen 2, 3, 41 und 42 des Distriktes II des Staatswaldes Todtmoos.

 

(4) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 sowie in einer Detailkarte im Maßstab 1:5000 mit durchgezogener roter Linie eingetragen. Die Grenzen des Waldschutzgebietes (Schonwald) sind mit durchgezogener blauer Linie eingetragen.

Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Freiburg, beim Landratsamt Waldshut, bei der Forstdirektion Freiburg und dem Staatlichen Forstamt Todtmoos auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach der Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch Jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(5) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Abs. 4 Satz 4 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch Jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

(1) Schutzzweck des Naturschutzgebietes ist die Erhaltung und Entwicklung des Gebiets

a) als landesweit bedeutsames Moorgebiet mit zahlreichen gefährdeten, zum Teil vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten;

b) als Mosaik aus unterschiedlichen Lebensräumen wie naturnahe Wälder. Moore. Borstgrasrasen, Magerwiesen und Fließgewässerabschnitte, die zum Teil von europaweiter Bedeutung sind (Richtlinie 92/43 EWG - FFH-Richtlinie -);

c) als Verkehrs- und siedlungsarmer, relativ wenig gestörter Bereich.

 

(2) Schutzzweck des Waldschutzgebietes (Schonwald) ist es,

a) die naturnahen Bergmischwaldgesellschaften aus Tanne, Fichte, Buche und Bergahorn sowie anderen standorttypischen Laubbaumarten, die naturnahen Fichtenwälder und die Spirkenwaldgesellschaften in den Hochmooren ("Brunnmättlemoos/Langmoos") zu erhalten und zu fördern, zu entwickeln und ggf. zu verjüngen;

b) eine vielschichtige Bestandesstruktur zu schaffen, zu erhalten und zu fördern insbesondere mit dem Ziel möglichst lichter Waldstrukturen;

c) das vorhandene Beerstrauchvorkommen zu erhalten und dessen Ausbreitung zu fördern;

d) durch geeignete waldbauliche Maßnahmen dauerhaft günstige Auerwildhabitatstrukturen zu erhalten bzw. zu schaffen.

§ 4 Verbote im Naturschutzgebiet / Waldschutzgebiet

(1) Im Naturschutzgebiet und im Waldschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Veränderung oder nachhaltigen Störung im Schutzgebiet oder seines Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen können. Insbesondere sind die in den Absätzen 2 bis 6 genannten Handlungen verboten.

 

(2) Zum Schutz von Pflanzen und Tieren ist es verboten:

1. Pflanzen- oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

2. Standorte besonders geschützter Pflanzen durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu beeinträchtigen oder zu zerstören;

3. Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn-, oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

4. wildlebende Tiere an ihren Nist-, Brut-. Wohn- oder Zufluchtstätten durch Aufsuchen, Fotografieren. Filmen oder ähnliche Handlungen zu stören;

5. Hunde frei laufen zu lassen.

 

(3) Verboten ist es, bauliche Maßnahmen durchzuführen und vergleichbare Eingriffe vorzunehmen, wie:

1 bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2. Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3. fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt verändern;

4. Plakate. Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen mit Ausnahme behördlich angeordneter oder zugelassener Beschilderungen.

 

(4) Bei der Nutzung der Grundstücke ist es verboten:

1. die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Abgrabungen und Aufschüttungen;

2. Art und Umfang der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

3. neu aufzuforsten oder Christbaum- und Schmuckreisigkulturen und Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen;

4. Dauergrünland oder Dauerbrache umzubrechen;

5. Pflanzenschutzmitte!, Düngemittel oder Chemikalien zu verwenden.

 

(5) Insbesondere bei Erholung, Freizeit und Sport ist es verboten:

1. das Gebiet außerhalb markierter Wanderwege und befestigter Fahrwege zu betreten;

2. das Gebiet außerhalb befestigter Fahrwege mit Fahrrädern zu befahren oder zu bereiten;

3. das Gebiet außerhalb öffentlicher Straßen mit motorisierten Fahrzeugen und Gespannen aller Art zu befahren, ausgenommen Krankenfahrstühle;

4. zu zelten, zu lagern, Wohnwagen oder Verkaufsstände aufzustellen oder Kraftfahrzeuge außerhalb ausgewiesener Parkplätze abzustellen;

5. Wasserflächen zu nutzen;

6. Luftfahrzeuge aller Art zu betreiben, insbesondere das Starten und Landen von Luftsportgeräten (z. B. Hängegleiter, Gleitsegel, Ultraleichtflugzeuge, Sprungfallschirme, Fallschirme) und Freiballonen sowie das Aufsteigenlassen von Flugmodellen;

7. Wintersporteinrichtungen wie z. B. Loipen neu anzulegen.

 

(6) Weiter ist es verboten:

1 Abfälle oder sonstige Gegenstände zu hinterlassen oder zu lagern;

2. außerhalb amtlich gekennzeichneter Feuerstellen Feuer zu machen oder zu unterhalten;

3. Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen.

§ 5 Zulässige Handlungen im Naturschutzgebiet / Waldschutzgebiet

(1) Für die forstwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß und in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang erfolgt.

Voraussetzung ist weiter, dass:

1. langfristige Naturverjüngungsmaßnahmen über femelschlag- oder plenterartige Eingriffe nach Möglichkeit ausgeschöpft werden;

2. Kahlhiebe die Fläche von 0,5 ha nicht übersteigen;

3. die Waldflächen nur mit standortgerechten Mischbeständen heimischer Baumarten verjüngt werden;

4. ein möglichst hoher Anteil von stehendem Totholz insbesondere im Umfeld der Moore angestrebt wird;

5. Forstwirtschaftswege nur im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde neu angelegt oder wesentlich geändert werden;

6. Meliorationskalkungen auf Moorflächen gar nicht vorgenommen werden, in den übrigen Fällen nur in Abstimmung mit der höheren Naturschutzbehörde erfolgen;

7. die offenen Flächen in den Moorwäldern nicht aufgeforstet werden;

8. auf die Standorte und Wohnstätten von Pflanzen und Tieren insbesondere gefährdeter und geschützter Arten größtmögliche Rücksicht genommen wird.

 

(2) Für die forstwirtschaftliche Bodennutzung im Waldschutzgebiet (Schonwald) sind außerdem die folgenden Pflegegrundsätze zu beachten:

1. Die vorhandene Arten- und Strukturvielfalt ist zu erhalten, zu fördern und ggf. zu vermehren;

2. Die Verjüngung soll nur kleinflächig erfolgen;

3. Lichte Bestandesstrukturen sind zu erhalten und ggf. durch Pflegeeingriffe zu schaffen;

4. Auf die vorhandene Beerstrauchvegetation ist im Rahmen der Bewirtschaftung besondere Rücksicht zu nehmen. Sie ist insbesondere durch entsprechende Lichtstellungen zu fördern;

5. Brutbäume von Höhlenbrütern sollen langfristig erhalten bleiben. Eine diesbezügliche Nachhaltigkeit ist sicherzustellen;

6. Totholz ist, soweit es die Verkehrssicherungspflicht zulässt, anzureichern;

7. Die Bewirtschaftung hat auf die Balz-, Brut- und Aufzuchtzeiten des Auerwildes besondere Rücksicht zu nehmen;

8. Die Nachhaltigkeit geeigneter Auerwildhabitate ist durch entsprechende Bewirtschaftungsmaßnahmen sicherzustellen.

(3) Für die landwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang und ordnungsgemäß erfolgt, dabei den Boden pflegt, Erosion und Humusabbau vermeidet, Gewässerrandstreifen und Ufer, oberirdische Gewässer und Grundwasser nicht in ihrer chemischen, physikalischen und biologischen Beschaffenheit beeinträchtigt und wildlebenden Tieren und Pflanzen ausreichenden Lebensraum erhält. Voraussetzung ist weiter, dass:

1. die Bodengestalt nicht verändert wird;

2. durch Entwässerungs- oder andere Maßnahmen der Wasserhaushalt nicht verändert wird;

3. Dauergrünland oder Dauerbrache nicht umgebrochen wird;

4. Pflanzenschutzmittel nicht verwendet werden:

5 auf bereits bislang gedüngten Flächen nicht mit Stickstoff in Form von Handelsdünger Flüssigmist oder Jauche, auf den übrigen Flächen gar nicht gedüngt wird;

6. eine Beweidung in Feuchtflächen und Magerweiden bei einem Viehbesatz von höchstens einer Großvieheinheit pro Hektar und Jahr durchgeführt wird;

7. Landwirtschaftswege nur im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde neu angelegt oder wesentlich verändert werden.

(4) Für die Ausübung der Jagd gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß und mit der Maßgabe erfolgt, dass der Schutzzweck nicht beeinträchtigt wird. Sie hat im Sinne des Schutzzwecks angepasste Wildbestände herzustellen, die insbesondere eine natürliche Verjüngung der vorkommenden Waldgesellschaften ohne besondere Schutzmaßnahmen ermöglichen. Auf die Belange des Auerwildschutzes ist bei der Ausübung der Jagd besondere Rücksicht zu nehmen.

Voraussetzung ist weiter, dass:

1. auf Biotopflächen (§ 24 a NatSchG) jagdliche Einrichtungen einschließlich Kirrungen nur in Abstimmung mit der höheren Naturschutzbehörde und

2. Hochsitze nur landschaftsgerecht und aus naturbelassenen Hölzern errichtet werden.

(5) Für die Ausübung der Fischerei gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß und mit der Maßgabe erfolgt, dass der Schutzzweck nicht beeinträchtigt wird.

(6) Unberührt bleibt auch die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke und Gewässer sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung.

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

(1) Schutz- und Pflegemaßnahmen im Naturschutzgebiet werden durch die höhere Naturschutzbehörde in einem Pflege- und Entwicklungsplan oder durch Einzelanordnung festgelegt.

(2) Im Schonwald werden die für die Umsetzung der Schutz- und Pflegegrundsätze erforderlichen Maßnahmen durch die Forsteinrichtung festgelegt und kontrolliert. § 4 dieser Verordnung ist insoweit nicht anzuwenden.

(3) Die wissenschaftliche Betreuung des Schonwaldes obliegt der forstlichen Versuchsund Forschungsanstalt Baden-Württemberg.

Schlussvorschriften

§ 7 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann im Bereich des Naturschutzgebietes durch die höhere Naturschutzbehörde nach § 63 NatSchG, im Bereich des Waldschutzgebietes durch die höhere Forstbehörde Befreiung erteilt werden. Wo sich Natur- und Waldschutzgebiet überschneiden, erteilt die höhere Naturschutzbehörde die Befreiung im Einvernehmen mit der höheren Forstbehörde.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig im Naturschutzgebiet nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt.

(2) Ordnungswidrig im Sinne des §83 Abs. 3 LWaldG handelt, wer in dem Waldschutzgebiet (Schonwald) vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

§ 9 In-Kraft-Treten

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Gleichzeitig treten die Verordnungen des Badischen Landeskulturamtes über das Naturschutzgebiet "Brunnmättlemoos" vom 05.06.1951 und über das Naturschutzgebiet "Fohrenmoos" vom 05.06.1951 sowie die Verordnung des Badischen Ministers des Kultus und Unterricht über das Naturschutzgebiet "Ibacher Moor" vom 29.12.1938 außer Kraft. Die Verordnung des Landratsamtes Säckingen über den Schutz von Landschaftsteilen auf den Gemarkungen der Gemeinden Dachsberg und Ibach (Landschaftsschutzgebiet "Dachsberg") vom 09.07.1971 tritt im Geltungsbereich dieser Verordnung außer Kraft. Ebenfalls treten außer Kraft die Schonwalderklärung "Brunnmättlemoos" des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Umwelt vom 28.02.1974 sowie die Schonwalderklärung "Langmoos" der Forstdirektion Freiburg vom 05.08.1986.

 

Freiburg im Breisgau, den 27. November 2001

Regierungspräsidium Freiburg

Dr. von Ungern-Sternberg

Forstdirektion Freiburg

Stübler