3.266         Blansinger Grien

Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg über das Naturschutzgebiet »Blansinger Grien« vom 21. Oktober 2003 (GBl. v. 07.11.2003, S 708).

Auf der Grundlage der §§ 21 und 58 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBl. S. 385) wird verordnet:

Allgemeine Vorschriften

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemarkungen Kleinkems und Huttingen der Gemeinde Efringen-Kirchen, Landkreis Lörrach, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet ist zugleich ein Vogelschutzgebiet im Sinne der Richtlinie 79/4091 EWG des Rates vom 2. April 1979 über die Erhaltung der wild lebenden Vogelarten (Vogelschutzrichtlinie).

Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Blansinger Grien«.

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 24 ha.

(2) Das Naturschutzgebiet liegt in der südlichen Oberrheinebene südlich von Kleinkerns zwischen der Autobahn A5 (Westen), der Autobahnausfahrt Efringen-Kirchen (Norden) und der L 137 (Osten). Die südliche Grenze erstreckt sich von der Autobahn A 5 zunächst auf rund 200 rn entlang der Gemarkungsgrenze Kleinkerns-Huttingen und verläuft anschließend auf rund 250 m entlang eines von Nord nach Süd verlaufenden Fahrwegs.

(3) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte irn Maßstab 1:25000 sowie in einer Detailkarte irn Maßstab 1:2500 mit durchgezogener roter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Freiburg sowie beim Landratsamt Lörrach auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach der Verkündung dieser Verordnung irn Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

(4) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 3 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

(1) Wesentlicher Schutzzweck des Naturschutzgebietes ist die Erhaltung und Entwicklung einer ehemaligen Kiesgrube und ihrer Umgebung als

a) Bereich mit wertvollen Lebensräumen unterschiedlicher Ausprägung wie dem Weißseggen-Eichen-

Lindenwald, Kiesrohböden mit Pionierfluren und lückiger Trockenvegetation sowie verschiedene Rasengesellschaften;

b) Lebensraum für eine Vielzahl zum Teil stark gefährdeter Pflanzen- und Tierarten, insbesondere Schmetterlingsarten;

c) Gebiet mit wichtiger Biotopvemetzungsfunktion.

(2) Schutzzweck ist auch die Erhaltung der Lebensstätten der Arten der Vogelschutzrichtlinie, insbesondere von Grauspecht, Mittelspecht, Wespenbussard und Schwarzmilan.

§ 4 Verbote

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Veränderung oder nachhaltigen Störung im Schutzgebiet oder seines Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen können. Insbesondere sind die in den Absätzen 2 bis 6 genannten Handlungen verboten.

(2) Zum Schutz von Tieren und Pflanzen ist verboten,

1. Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

2. Standorte besonders geschützter Pflanzen durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu beeinträchtigen oder zu zerstören;

3. Tiere einzubringen, wild lebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtsstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

4. wild lebende Tiere an ihren Nist-, Brut-, Wohn- oder Zufluchtsstätten durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu stören;

5. Hunde frei laufen zu lassen.

(3) Verboten ist es, bauliche Maßnahmen durchzuführen und vergleichbare Eingriffe vorzunehmen wie

1. bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder ihnen gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2. Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3. fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt verändern;

4. Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen.

(4) Bei der Nutzung der Grundstücke ist es verboten,

1. Die Bodengestalt zu verändern, inbesondere durch Abgrabungen und Aufschüttungen;

2. Art und Umfang der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

3. neu aufzuforsten oder Christbaum- und Schmuckreisigkulturen sowie Vorratspflanzungen von Sträuchern oder Bäumen anzulegen;

4. Dauergrünland oder Dauerbrache umzubrechen;

5. Pflanzenschutzmittel, Düngemittel oder Chemikalien zu verwenden.

(5) Insbesondere bei Erholung, Freizeit und Sport ist es verboten

1. das Naturschutzgebiet mit Fahrzeugenaller Art zu befahren oder zu reiten;

2. das Naturschutzgebiet außerhalb des im nördlichen Bereich des Naturschutzgebietes verlaufenden Weges zwischen der Landesstraße L 137 und der Trafostation »Pumpwerk Kleinkerns« zu betreten;

3. zuzelten, zu lagern, Wohnwagen oder Verkaufsstände aufzustellen oder Kraftfahrzeuge abzustellen;

4. Luftfahrzeuge aller Art zu betreiben, insbesondere das Starten und Landen von Luftsportgeräten (z. B. Hängegleiter, Gleitsegel, Ultraleicht-Flugzeuge, Fallschirme) und von Freiballonen sowie Aufsteigenlassen von Flugmodellen.

(6) Weiter ist es verboten,

1. Abfälle oder sonstige Gegenstände zu hinterlassen oder zu lagern;

2. Feuer zu machen oder zu unterhalten;

3. Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen.

§ 5 Zulässige Handlungen

(1) Für die landwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß und in der bisherigen Art sowie im bisherigen Umfang erfolgt.

Votraussetzung ist weiter, dass

1. die Bodengestalt nicht verändert wird, insbesondere durch Abgrabungen oder Aufschüttungen;

2. der Wasserhaushalt durch Entwässerungs- oder andere Maßnahmen nicht verändert wird;

3. Dauergrünland oder Dauerbrache nicht umgebrochen wird;

4. Pflanzenschutzmittel nicht verwendet werden;

5. Dünger nicht ausgebracht wird.

(2) Dieforstwirtschaftliche Bodennutzung erfolgt in Abstimmung mit der höheren Naturschutzbehörde in Form von Pflegemaßnahmen mit dem Ziel der Verbesserung der Mischungs- und Strukturverhältnisse in den Laubbaumbeständen, insbesondere zur Förderung der Baumarten Eiche und Linde.

(3) Für die Ausübung der Jagd gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie in der bisherigen Art und ordnungsgemäß erfolgt. Vorraussetzung ist weiter, dass

1. jagdliche Einrichtungen nur in Absprache mit der höheren Naturschutzbehörde errichtet werden;

2. das Befahren des Naturschutzgebiets nur ausnahmsweise auf den vorhandenen Wegen z. B. zum Transport von Futtermaterial oder geschossenem Wild zulässig ist;

3. Hunde außer im Rahmen der jagdlichen Nachsuche an der Leine zu führen sind.

(4) Unberührt bleibt auch die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung.

§ 6 Schutz und Pflegemaßnahmen

Schutz und Pflegemaßnahmen werden unter besonderer Berücksichtigung der sich aus der Vogelschutzrichtlinie ergebenden Erhaltungs- und Entwicklungsziele in einem Pflege- und Entwicklungsplan oder durch Einzelanordnung festgelegt. § 4 dieser Verordnung ist insoweit nicht anzuwenden.

Schlussvorschriften

§ 7 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann die höhere Naturschutzbehörde nach § 63 NatSchG Befreiung erteilen.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr.2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig im Naturschutzgebiet nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt.

§ 9 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am -Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

FREIBURG I. BR. den 21. Oktober 2003

DR. VON UNGERN-STERNBERG