3.267         Dreherhofmoor

Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg über das Naturschutzgebiet "DREHERHOFMOOR" vom 10. Dezember 2003 (GBl. v. 12.01.2004, S. 30).

Aufgrund der §§ 21 und 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBI. S. 385) wird verordnet:

Allgemeine Vorschriften

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Breitnau, Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, Regierungsbezirk Freiburg, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Dreherhofmoor".

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 4,5 ha.

(2) Das Naturschutzgebiet liegt etwa 2 km nordwestlich von Hinterzarten im Breitnauer Ortsteil Oberhöllsteig, zwischen B 31 und Ravennaschlucht auf dem Gelände des Dreherhofs (Teil des Grundstücks Flst. Nr. 304) und des Löffelmacherhofs (Teil des Grundstücks Flst. Nr. 308).

(3) Die Abgrenzung des Naturschutzgebietes orientiert sich im wesentlichen an der in der Natur erkennbaren Nutzungsgrenze zwischen Moorbereich und normaler Grünlandnutzung. Die Grenze verläuft im Süden. oberhalb der Zufahrt zum Dreherhof zwischen Brandweiher und Wegegabelung, folgt im Osten etwa 250 m einem nach Nordosten führenden Wirtschaftsweg bis zu seinem Ende, schwenkt im Norden dann etwa 200 m nach Nordwesten bzw. Westen bis zum Wirtschaftsweg, der vom Löffelmacherweg zur Ravennaschlucht führt; im Westen führt sie dann in einem südwestlichen Bogen etwa 150 m weiter südwestlich wieder auf diesen Wirtschaftsweg zurück und von dort nach Süden bis zum Brandweiher.

(4) Die Grenze des Naturschutzgebietes ist in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 sowie in einer Detailkarte im Maßstab 1:1500 mit durchgezogener roter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Freiburg und beim Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald in Freiburg auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

(5) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 4 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck des Naturschutzgebietes ist die langfristige Erhaltung eines naturnahen Hochmoors sowie die Erhaltung und Entwicklung der angrenzenden Übergangs-, Niedermoor- und Grünlandflächen und eines Brandweihers einschließlich seiner Verlandungszone.

Die Moorbereiche sowie die Verlandungszonen sind schützenswert als

-Lebensraum für zahlreiche seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten,

-Bereich vielfältiger Lebensgemeinschaften,

-naturhistorisches Dokument von großer wissenschaftlicher Bedeutung.

§ 4 Verbote

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Veränderung oder nachhaltigen Störung im Schutzgebiet oder seines Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen können, insbesondere sind die in den Absätzen (2) bis (6) genannten Handlungen verboten.

(2) Zum Schutz von Tieren und Pflanzen ist es verboten,

1. Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

2. Standorte besonders geschützter Pflanzen durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu beeinträchtigen oder zu zerstören;

3. Tiere (insbesondere Fische) einzubringen, wild lebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

4. wild lebende Tiere an ihren Nist-, Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu stören;

5. Hunde frei laufen zu lassen.

(3) Es ist verboten, bauliche Maßnahmen durchzuführen und vergleichbare Eingriffe vorzunehmen, wie

1. bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder ihnen gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2. Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3. fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt verändern;

4. Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen.

(4) Bei der Nutzung der Grundstücke ist es verboten,

1. die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Abgrabungen und Aufschüttungen;

2. Art und Umfang der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

3. neu aufzuforsten oder Christbaum- und Schmuckreisigkulturen und Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen;

4. Grünland oder Dauerbrache umzubrechen;

5. Pflanzenschutzmittel, Düngemittel oder Chemikalien zu verwenden.

(5) Insbesondere bei Erholung, Freizeit und Sport ist es verboten,

1. die Wege zu verlassen;

2. das Gebiet außerhalb der befestigten Wege mit Fahrrädern zu befahren oder dort zu reiten;

3. das Gebiet mit motorisierten Fahrzeugen aller Art zu befahren, ausgenommen Krankenfahrstühle;

4. zu zelten. zu lagern. Wohnwagen oder Verkaufsstände aufzustellen oder Kraftfahrzeuge abzustellen;

5. Wasserflächen zu nutzen;

6. Luftfahrzeuge aller Art zu betreiben. insbesondere das Starten und Landen von Luftsportgeräten (z. B. Hängegleiter, Gleitsegel, Ultraleichtflugzeuge. Sprungfallschirme, Fallschirme) und Freiballonen sowie das Aufsteigenlassen von Flugmodellen.

(6) Weiter ist es verboten,

1. Abfälle oder sonstige Gegenstände zu hinterlassen oder zu lagern;

2. außerhalb amtlich gekennzeichneter Feuerstellen Feuer zu machen oder zu unterhalten;

3. Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen.

§ 5 Zulässige Handlungen

(1) Für die landwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang und ordnungsgemäß erfolgt, dabei den Boden pflegt, Erosion und Humusabbau vermeidet, Gewässerrandsteifen und Ufer, oberirdische Gewässer und Grundwasser nicht in ihrer chemischen, physikalischen und biologischen Beschaffenheit beeinträchtigt und wildlebenden Tieren und Pflanzen ausreichenden Lebensraum erhält. Voraussetzung ist weiter, dass

1. die Bodengestalt nicht verändert wird;

2. eine Beweidung nur außerhalb des eigentlichen Moorbereichs erfolgt und der Viehbesatz die Obergrenze von 1 GV/ha nicht überschreitet;

3. die im Gebiet vorhandenen Gräben nur in einer naturverträglichen Weise unterhalten werden (maximal Spatenbreite und Spatentiefe);

4. keine neuen Entwässerungsgräben angelegt werden;

5. Grünland nicht umgebrochen wird;

6. keine Pflanzenschutzmittel verwendet werden;

7. keine Düngung mit Stickstoff in Form von Handelsdünger, Flüssigmist oder Jauche erfolgt; zulässig ist außerhalb des eigentlichen Moorbereichs eine Erhaltungsdüngung (mit Festmist oder P-K-Dünger) des vorhandenen Grünlandes.

(2) Für die forstwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang und ordnungsgemäß erfolgt. Voraussetzung ist weiter, dass

1. die Baumartenzusammensetzung nicht wesentlich verändert wird, die Waldflächen nur mit standortgerechten, heimischen Baumarten verjüngt werden und Bäume nur einzelstammweise entnommen werden;

2. keine neuen Wege angelegt werden;

3. keine Entwässerungsmaßnahmen vorgenommen werden;

4. auf die Standorte und Wohnstätten von Pflanzen und Tieren insbesondere gefährdeter und geschützter Arten größtmögliche Rücksicht genommen wird.

(3) Für die Ausübung der Jagd gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang und ordnungsgemäß erfolgt. Voraussetzung ist weiter, dass

1. keine Wildäcker und keine Futterstellen, Ablenkungsfütterungen und Kirrungen angelegt werden;

2. keine Hochsitze oder Jagdkanzeln errichtet werden.

(4) Unberührt bleibt auch die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke und Gewässer sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung mit der Einschränkung, dass der Brandweiher nur höchstens alle 3 Jahre in der Zeit vom 1. September bis 31. Oktober abgelassen und schonend geräumt werden darf.

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden durch die höhere Naturschutzbehörde in einem Pflege- und Entwicklungsplan oder durch Einzelanordnung festgelegt, soweit sie nicht für Waldflächen im Forsteinrichtungswerk im Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde integriert sind. § 4 dieser Verordnung ist insoweit nicht anzuwenden.

Schlussvorschriften

§ 7 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann die höhere Naturschutzbehörde nach § 63 NatSchG Befreiung erteilen.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des §§ 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig im Naturschutzgebiet nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt.

§ 9 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft. Gleichzeitig tritt für den Geltungsbereich dieser Verordnung die Verordnung des Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald über das Landschaftsschutzgebiet "Breitnau-Hinterzarten" vom 20.06.1994 außer Kraft.

Freiburg i. Br., den 10. Dezember 2003

Dr. von Ungern-Sternberg