3.270 Friedrich-August-Grube

 

VERORDNUNG des Regierungspräsidiums Freiburg über das

Naturschutzgebiet "Friedrich-August-Grube" Vom 11. April 2005

 

 

Auf der Grundlage der §§ 21 und 58 des Naturschutzgesetzes

(NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBI. S. 385) wird verordnet:

Allgemeine Vorschriften

§ 1

Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemarkung

Wittenschwand der Gemeinde Dachsberg, Landkreis Waldshut, Regierungsbezirk

Freiburg, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet ist zugleich ein

Gebiet von gemeinschaftlicher Bedeutung im Sinne der Richtlinie 92/43/EWG

des Rates vom 21. Mai 1992 über die Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie

der wild lebenden Tiere und Pflanzen(Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie, kurz:

FFH-Richtlinie). Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Friedrich-

August-Grube".

§ 2

Schutzgegenstand

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 9 ha.

 

(2) Das Naturschutzgebiet liegt östlich des Ortsteils Horbach auf Gemarkung

Wittenschwand der Gemeinde Dachsberg. Es umfasst den Verlandungsbereich

des Klosterweihers, die westlich angrenzenden Bereiche des ehemaligen

Nickel-Bergwerks sowie nördlich angrenzend einige freistehende Felsmassive.

(3) Die Grenzen des Naturschutzgebiets sind in einer Übersichtskarte im Maßstab

     1 :25000 mit durchgezogener roter Linie sowie in einer Detailkarte im

Maßstab 1 :1500 (mit Luftbildhinterlegung) mit durchgezogener roter, rot ange-

schummerter Linie eingetragen. Beide Karten sind auf einem Kartenblatt

zusammengefasst. Sie sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung

mit Karten wird beim Regierungspräsidium Freiburg sowie beim Landratsamt

Waldshut auf die Dauer von 2 Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung

dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch

Jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

(4) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Abs.

      3 Satz 4 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch Jedermann

während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3

Schutzzweck

(1) Wesentlicher Schutzzweck des Naturschutzgebietes ist die Erhaltung der

Abraumhalden sowie der sonstigen Strukturen des Bergwerks, der freiste-

henden Felsen sowie der Verlandungszone des Klosterweihers als

a)  Lebensraum für hochspezialisierte Flechtengemeinschaften auf

     schwermetallreichen Standorten;

b)  Lebensraum einer an seltenen Pflanzenarten reichen Felsvegetation;

c)  Lebensraum zahlreicher seltener und gefährdeter Tier- und Pflanzenarten;

d)  arten- und strukturreiches Mosaik aus Röhricht, Großseggenried,

     Kleinseggenried, Zwischenmoor und Magerrasen im Verlandungsbereich des

     Klosterweihers mit den daran gebundenen Pflanzen- und Tierarten.  

(2) Schutzzweck ist auch die Erhaltung der Lebensraumtypen und Lebens-

      stätten der Arten der FFH-Richtlinie, wie Silikatfelsen und ihre Felsspalten-

 vegetation, natürliche eutrophe Seen, distrophe Seen sowie die beiden

 Fledermausarten Großes Mausohr und Bechsteinfledermaus.

§ 4

Verbote

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer

Zerstörung, veränderung oder nachhaltigen Störung im Schutzgebiet oder seines

Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung

führen oder führen können. Insbesondere sind die in den Absätzen 2

bis 6 genannten Handlungen verboten.

(2) Zum Schutz von Tieren und Pflanzen ist es verboten,

1.  Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen

     oder zu zerstören;

2.  Standorte besonders geschützter Pflanzen durch Aufsuchen, Fotografieren,

      Filmen oder ähnliche Handlungen zu beeinträchtigen oder zu zerstören;

3.  Tiere einzubringen, wild lebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu

beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen,

Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtsstätten

dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

4.  wild lebende Tiere an ihren Nist-, Brut-, Wohn- oder Zufluchtsstätten durch

     Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu stören;

5.  Hunde frei laufen zu lassen.

(3) Verboten ist es, bauliche Maßnahmen durchzuführen oder vergleichbare

      Eingriffe vorzunehmen, wie

     1.   bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder ihnen

           gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

     2.   Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu

           verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

     3.   fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern

           sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den

          Wasserhaushalt verändern;  

     4.   Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen mit Ausnahme

           behördlich zugelassener Beschilderungen.

(4) Bei der Nutzung der Grundstücke ist es verboten,

     1.  die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Abgrabungen und Auf-

          schüttungen;

2.  Art und Umfang der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

3.  neu aufzuforsten oder Christbaum- und Schmuckreisigkulturen und Vorrats-

     pflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen;

4.  Dauergrünland oder Dauerbrache umzubrechen;

5.  Pflanzenschutzmittel, Düngemittel oder Chemikalien zu verwenden.

(5) Insbesondere bei Erholung, Freizeit und Sport ist es verboten,

1.  das Naturschutzgebiet außerhalb der gekennzeichneten Wege zu betreten;

2.  das Naturschutzgebiet mit Fahrrädern zu befahren;

3.  zu reiten;

4.  das Naturschutzgebiet mit motorisierten Fahrzeugen aller Art zu befahren,

     ausgenommen Krankenfahrstühle;

5.  zu zelten, zu lagern, Wohnwagen oder Verkaufsstände aufzustellen oder

     Kraftfahrzeuge abzustellen;

6.  Wasserflächen zu nutzen, insbesondere in dem nach dieser Verordnung

     geschützten Verlandungsbereich des Klosterweihers zu baden oder dorthin

     von der offenen Seite her mit Wasserfahrzeugen einzufahren;

7.  Luftfahrzeuge aller Art zu betreiben, insbesondere das Starten und

     Landen von Luftsportgeräten (z. B Hängegleiter, Gleitsegel, Ultraleicht-

     flugzeuge, Sprungfallschirme, Fallschirme) und Freiballonen sowie das

     Aufsteigen lassen von Flugmodellen;

8.  im Naturschutzgebiet die Fischerei auszuüben.

(6) Weiter ist es verboten,

1.  Abfälle oder sonstige Gegenstände zu hinterlassen oder zu lagern;

2.  Feuer zu machen oder zu unterhalten;

3.  Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen.

§ 5

Zulässige Handlungen

(1) Für die forstwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht,

     wenn sie ordnungsgemäß und in der bisherigen Art sowie im bisherigen Umfang

     erfolgt Voraussetzung ist weiter, dass

1.  die Bewirtschaftung mit der Maßgabe erfolgt, dass im Randbereich der Schutt-

     halden und der Felsmassive aufwachsende höhere Bäume regelmäßig zur

     Verbesserung der Lichtverhältnisse entnommen werden;

2.  der Bau von für die Bewirtschaftung des Waldes erforderlichen Wegen nur

      im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde erfolgt;

3.   auf den Felsen wachsende Eichen nicht entnommen werden;

 

4.   Tothölzer und Höhlenbäume soweit möglich bis zu ihrem natürlichen Verfall

      erhalten werden.

(2) Für die Ausübung der Jagd gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie

      ordnungsgemäß und mit der Maßgabe erfolgt, dass der Schutzzweck nicht

      beeinträchtigt wird. Voraussetzung ist weiter, dass jagdliche Einrichtungen

      wie Hochsitze, Fütterungen, Kirrungen nicht im Bereich der Bergwerkshalden

      und der Feuchtgebiete westlich des Klosterweihers eingerichtet werden.

(3) Unberührt bleibt auch die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte

      Nutzung der Grundstücke und Gewässer sowie der rechtmäßigerweise

bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und in bisherigem Umfang

sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung.

§ 6

Schutz- und Pflegemaßnahmen

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden unter besonderer Berücksichtigung

der sich aus den Anforderungen der FFH-Richtlinie ergebenden Erhaltungs- und

Entwicklungsziele durch die höhere Naturschutzbehörde in einem Pflege- und

Entwicklungsplan oder durch Einzelanordnung festgelegt soweit sie nicht für

Waldflächen im Forsteinrichtungswerk im Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde

integriert sind. § 4 dieser Verordnung ist insoweit nicht anzuwenden.

Schlussvorschriften

§ 7

Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann die höhere Naturschutzbehörde

nach § 63 Naturschutzgesetz Befreiung erteilen.

§ 8

Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 Naturschutzgesetz handelt,

wer vorsätzlich oder fahrlässig im Naturschutzgebiet nach § 4 dieser Verordnung

verbotene Handlungen vornimmt.

§ 9

In-Kraft- Treten

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

Freiburg i. Br., den 11. April 2005

Regierungspräsidium Freiburg

gez.                                      beglaubigt:

Dr. von Ungern-Sternberg

 

Verkündungshinweis:

Nach § 60a des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom

29. März 1995(GBI. S. 385) ist eine Verletzung der in § 59 Naturschutzgesetz

genannten Verfahrens- und Formvorschriften nur beachtlich, wenn sie innerhalb

eines Jahres nach Erlass der Verordnung schriftlich beim Regierungspräsidium

Freiburg geltend gemacht wird; der Sachverhalt, der die Verletzung begründen

soll, ist darzulegen.

Regierungspräsidium Freiburg