3.271 Stiegelesfels-Oberes Donautal

 

VERORDNUNG des Regierungspräsidiums Freiburg

über das Naturschutzgebiet "Stiegelesfels-Oberes Donautal"

Vom 26. Juli 2005

 

Auf Grund der §§ 21 und 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der

Fassung vom 29. März 1995 (GBI. S. 385), zuletzt geändert durch Gesetz vom

19. November 2002 (BGI. S. 424), wird verordnet:

Allgemeine Vorschriften

§ 1

Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinden Buchheim

und Fridingen, Landkreis Tuttlingen, werden zum Naturschutzgebiet erklärt.

Das Naturschutzgebiet ist zugleich ein Gebiet von gemeinschaftlicher Bedeutung

im Sinne der Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 über die

Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wild lebenden Tiere und Pflanzen

(Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie, kurz: FFH-Richtlinie) sowie ein

Vogelschutzgebiet im Sinne der Richtlinie 79/409/EWG des Rates vom 2. April 1979

über die Erhaltung der wild lebenden Vogelarten (Vogelschutzrichtlinie). Das Natur-

schutzgebiet führt die Bezeichnung "Stiegelesfels-Oberes Donautal".

§ 2

Schutzgegenstand

(1)     Das Naturschutzgebiet besteht aus drei Teilflächen und hat eine Größe von

         rd. 342 ha.

(2)     Das Naturschutzgebiet umfasst felsenreiche und bewaldete Steilhänge des

         oberen Donautals bei Fridingen bis zur Gemarkungsgrenze Beuron sowie

         die Donau mit dem Talgrund und ein Wiesengebiet auf der Hochfläche. Die

         Schutzgebietsgrenze verläuft im Süden in den auf der Gemarkung Buchheim

         liegenden Gewannen und Walddistrikten "Schlosshalde“, "Glatterain“. und

         "Buttentäle“, im Osten entlang der Gewanne "Bachtal", "Eseltal", "Talwald",

         "Rockenbusch", und "Mühlsteige", im Norden im Gewann "Obernen" auf

         Gemarkung Buchheim sowie "Bronner Steigle“ und "Weiblesteich" auf

         Gemarkung Fridingen und im Westen in den auf Gemarkung Fridingen liegenden

         Gewannen "Burgerhalde“, "Viehtrieb", "Kirchberg", "Schlosshalde", "Steigle",

         "Burgsteige“, "Vogelsang", "An der Teck", "Laubloch" und "Ziegelhalde".      

(3)     Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Detailkarte mit Luftbild-

         hinterlegung im Maßstab 1 : 5.000 mit durchgezogener roter, rot ange-

         schummerter Linie sowie in einer eingeschalteten Übersichtskarte im Maßstab

         1 : 25.000 mit roter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil dieser

         Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium

         Freiburg und beim Landratsamt Tuttlingen auf die Dauer von 2 Wochen, begin-

         nend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kosten

         losen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

(4)     Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in

         Absatz 3 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann

         während der Sprechzeiten niedergelegt.      

§ 3

Schutzzweck

(1) Schutzzweck des Naturschutzgebietes ist die Erhaltung und Entwicklung eines

Teils der Kernzone des Durchbruchtals der Oberen Donau

-    als einzigartiges erd- und landschaftsgeschichtliches Dokument von außeror-

      dentlicher landschaftlicher Schönheit und Eigenart;

-    als Lebens- und Rückzugsraum für eine Vielzahl seltener, überwiegend alpigener,

 zum Teil stark gefährdeter Pflanzenarten, Pflanzengesellschaften und Tierarten;

-    als Gebiet von europaweiter Bedeutung (FFH- und Vogelschutzgebiet).

(2) Schutzzweck ist auch die Erhaltung der artenreichen Tierbestände (insbesondere

Fledermäuse, Vögel, Reptilien, Amphibien, Fische, Insekten, Spinnen und Schnecken)

und ihrer Lebensräume sowie solcher Arten und Lebensräume, die der FFH-Richtlinie

und der Vogelschutzrichtlinie in besonderem Maße entsprechen. Nach den dortigen

Anforderungen kommen im Schutzgebiet insbesondere folgende Arten und Lebens-

räume vor:

Vogelarten:

Eisvogel, Uhu, Hohltaube,. Wanderfalke, Neuntöter, Gänsesäger, Rotmilan, Schwarz-

milan, Berglaubsänger, Schwarzspecht.

Lebensräume und Arten nach der FFH-Richtlinie:

-     Fließgewässer mit flutender Wasservegetation, Wacholderheiden, Kalk-Pionier

      rasen, Kalk-Magerrasen, Feuchte Hochstaudenfluren, Flachland-Mähwiesen,

      Kalkschutthalden, Kalkfelsen, Höhlen, Waldmeister-Buchenwald, Orchideen-

      Buchenwald, Schlucht- und Hangmischwälder, Auenwälder mir Erle, Esche, Weide.

-     Alpenbock, Groppe, Spanische Flagge, Großes Mausohr, Grünes Besenmoos,

      Frauenschuh.

§ 4

Verbote

(1) Im Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung,

Veränderung oder nachhaltigen Störung im Schutzgebiet oder seines Naturhaushaltes

oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen

können. Insbesondere sind die in den Absätzen 2 bis 6 genannten Handlungen

verboten.

(2)  Zum Schutz von Tieren und Pflanzen ist es verboten,

      1.   Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen

            oder zu zerstören ;

       2.  Standorte besonders geschützter Pflanzen durch Aufsuchen, Fotografieren,

             Filmen oder ähnliche Handlungen zu beeinträchtigen oder zu zerstören;

       3.   Tiere einzubringen, wild lebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu

             beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen,

             Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten

             dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;   

       4.   wild lebende Tiere an ihren Nist-, Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten durch

             Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu stören;

       5.   Hunde frei laufen zu lassen.

(3)  Verboten ist es, bauliche Maßnahmen durchzuführen und vergleichbare Ein-

griffe vorzunehmen, wie

1.   bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der

      Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.   Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen

      zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.   fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu

      verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen,

      die den Wasserhaushalt verändern;

4.   Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen mit Ausnahme

      behördlich zugelassener Beschilderungen.

(4)   Bei der Nutzung der Grundstücke ist es verboten,

1.   die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Aufschüttungen oder

      Abgrabungen;

2.   Art und Umfang der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

3.   neu aufzuforsten oder Christbaum- und Schmuckreisigkulturen sowie

      Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen;

4.   Pflanzenschutzmittel, Düngemittel oder Chemikalien zu verwenden;

5.   Dauergrünland oder Dauerbrache umzubrechen.

(5)   Insbesondere bei Erholung, Freizeit und Sport ist es verboten,

1.   die Wege zu verlassen;

2.   an den Felsen zu klettern;

3.   das Gebiet im Wald außerhalb befestigter Wege von mindestens 2 m

      Breite, mit Fahrrädern zu befahren;

4.   das Gebiet außerhalb der öffentlichen Straße mit motorisierten Fahrzeugen

      aller Art zu befahren, ausgenommen Krankenfahrstühle;

5.   organisierte Veranstaltungen durchzuführen, die geeignet sind eine grö-

      ßere Anzahl von Menschen (ab 50 Personen) anzulocken oder Lärm in

     das Schutzgebiet zu tragen

6.   zu zelten, zu lagern, Wohnwagen oder Verkaufsstände aufzustellen oder

      Kraftfahrzeuge abzustellen

7.   die Donau mit Booten, Kajaks, Kanus, Flößen oder sonstigen Wasserfahr-

      zeugen aller Art zu befahren

8.   Luftfahrzeuge, insbesondere Luftsportgeräte und Flugmodelle zu starten

      oder zu landen sowie das Gebiet mit Luftsportgeräten oder Flugmodellen

      zu überfliegen;

9.   außerhalb befestigter Wege von mindestens 3 m Breite zu reiten.

        10.   in der Donau außerhalb der durch Wege erschlossenen Bereiche am Bronner

      Wehr und beim Jägerhaus zu baden.

(6) Weiter ist es verboten,

1.    Abfälle oder sonstige Gegenstände zu hinterlassen oder zu lagern;

2.    außerhalb von eingerichteten und amtlich gekennzeichneten Feuerstellen

       Feuer zu machen oder zu unterhalten;

3.    Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen.

§ 5

Zulässige Handlungen

(1) Für die landwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht,

wenn sie ordnungsgemäß in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang erfolgt-

Voraussetzung ist weiter, dass

        1.    die Bodengestalt nicht verändert wird;

        2.    das Dauergrünland oder Dauerbrache nicht umgebrochen wird;

        3.    die Wiesen weiterhin mit max. 3 Schnitten jährlich genutzt und kein

               Mineraldünger oder Schwemmmist ausgebracht werden; die beweideten

               Wiesen können auch weiterhin extensiv als Weide genutzt werden;

       4.     durch Entwässerungs- oder andere Maßnahmen der Wasserhaushalt

               nicht verändert wird.

(2) Für die forstwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht,

wenn sie ordnungsgemäß in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang

erfolgt. Voraussetzung ist weiter, dass

1.    die seltenen naturnahen Waldgesellschaften in ihrer typischen Baum-

       artenzusammensetzung als sehr lichte, ungleichaltrige, kraut- und gras-

       reiche Bestände flächenhaft erhalten bleiben;

2.    in den in der Schutzgebietskarte grün-schraffierten Flächen (es handelt

      sich überwiegend um Steilhangwälder in außer regelmäßigem Betrieb-

       Beständen mit Steppenheidewald, sommerlinden-reichem Waldkomplex,

      Reliktföhrenwald, Orchideen-BuchenwaId, Blaugras-Buchenwald und stein-

       schuttreichem Schluchtwald) nur Nutzungen im Rahmen von forstlichen

      Pflegemaßnahmen zur Erhaltung der auf diesen Standorten typischen

       Bestandsstrukturen und Baumartenzusammensetzungen durchgeführt

       werden. Bestandeslücken dürfen in diesen Steilhangwäldern nicht

      aufgeforstet werden;

3.    langfristig bei künftigen Durchforstungen Nadelbäume auf einen Anteil

       von max. 30 % zurückgedrängt werden.

4.    Nadelbaumbestände (außer Reliktkiefernwälder) langfristig in natur-

               nahe laubholzreiche Mischbestände überführt werden;

        5.   auf den Anbau von Lärche und Küstentanne verzichtet und der Nadel-

               baumanteil nicht erhöht wird;

        6.    die natürlich waldfreien Felswände, Felssimse, Felsköpfe und Schutthalden

               ungenutzt bleiben bzw. eindringender Baumbewuchs gelegentlich

               entfernt wird;

        7.    in allen Waldbeständen ein naturnaher Waldaufbau unter besonderer

               Berücksichtigung seltener, standorttypischer Baumarten gefördert wird;

        8.    Kahlhiebe eine Fläche von 0,5 ha nicht überschreiten;

        9.    bei der forstlichen Nutzung auf die Standorte und Wohnstätten von

               Pflanzen und Tieren Rücksicht genommen wird;

       10.   der Bau von für die Bewirtschaftung des Waldes erforderlichen Wegen

               im Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde erfolgt.

(3)  Für die Ausübung der Jagd gelten die Verbote des § 4 nicht, soweit sie

ordnungsgemäß in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang erfolgt. Voraus-

setzung ist weiter, dass

         1.  auf grasreichen, lichten und trockenen Rasenplätzen im Wald und auf

              den Felsen keine Fütterungsstellen und keine Kirrungen angelegt

              werden;

         2.   für die natürliche Verjüngung der vorkommenden Waldgesellschaften

               sowie zum Schutz der Felskopf-, Felsspalten- und Schutthaldenvegetation

               angepasste Wildbestände hergestellt werden.

         3.  das Schutzgebiet nur im Zusammenhang mit der Ausübung der Jagd und

               nur auf befestigten Wegen mit Kraftfahrzeugen befahren wird, soweit

               dies für Bewirtschaftungs- und Hegemaßnahmen erforderlich ist.

(4)          Für die Ausübung der Fischerei gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie

              ordnungsgemäß in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang erfolgt.

              Voraussetzung ist weiter, dass

         1.   Besatzmaßnahmen nur mit standortheimischen Fischarten mit Zustim-

               mung der Naturschutzbehörde erfolgen;

         2.   keine Pfade und Angelplätze neu geschaffen und keine Angelstege neu

              errichtet werden

3.  das Schutzgebiet nur im Zusammenhang mit der Ausübung der Fischerei

     und nur auf befestigten Wegen mit Kraftfahrzeugen befahren wird,

     soweit dies für Bewirtschaftungs- und Hegemaßnahmen erforderlich ist.

(5)    Unberührt bleibt auch die sonstige bisher rechtmäßiger Weise ausgeübte

         Nutzung der Grundstücke und Gewässer sowie der rechtmäßiger Weise beste-

         henden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie

         deren Unterhaltung und Instandsetzung.

§ 6

Schutz- und Pflegemaßnahmen

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden unter besonderer Berücksichtigung der sich

aus den Anforderungen der FFH- und der Vogelschutzrichtlinie ergebenden Erhaltungs-

und Entwicklungsziele durch die höhere Naturschutzbehörde in einem Pflege- und

Entwicklungsplan oder durch Einzelanordnung festgelegt, soweit sie nicht für Waldflächen

im Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde im Forsteinrichtungswerk bzw. entspre-

chenden Planungen integriert sind. § 4 dieser Verordnung ist insoweit nicht anzuwenden.

Schlussvorschriften

§ 7

Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG durch die höhere

Naturschutzbehörde Befreiung erteilt werden. Es wird darauf hingewiesen, dass ggf.

auch eine Verträglichkeitsprüfung bzw. Ausnahme nach § 26c NatSchG erforderlich ist.

§ 8

Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder

fahrlässig im Naturschutzgebiet eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen

Handlungen vornimmt.

§ 9

In-Kraft- Treten

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft. Gleichzeitig

tritt außer Kraft die Verordnung über das Naturschutzgebiet "Stiegelesfels"

vom 05.04.1938.

Die Verordnung über das Naturschutzgebiet "Stiegelesfels" vom 05.04.1938 wird

aufgehoben.

Die Verordnung über das Befahren der Donau mit Wasserfahrzeugen aller Art vom

16.04.1987 wird aufgehoben, soweit sie sich auf den Geltungsbereich dieser Verord-

nung bezieht.

Die Vorordnung über das Landschaftsschutzgebiet "Donautal mit Bära- und

Lippachtal" des Landratsamtes Tuttlingen vom 12.11.2004 wird aufgehoben,

soweit sie sich auf den Geltungsbereich dieser Verordnung bezieht.

Die Verordnung zum Schutze von Grünbeständen des Landratsamtes Tuttlingen vom

30.04.1991 wird aufgehoben, soweit sie sich auf den Geltungsbereich dieser

Verordnung bezieht.

Freiburg i. Br., den 26. Juli 2005

Regierungspräsidium Freiburg

gez. beglaubigt

Dr. von Ungern-Sternberg

 

Verkündunshinweis:

Nach § 60 a des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995

(GBI. S. 385) ist eine Verletzung der in § 59 NatSchG genannten Verfahrens- und

Formvorschriften nur beachtlich, wenn sie innerhalb eines Jahres nach Erlass der

Verordnung schriftlich beim Regierungspräsidium Freiburg geltend gemacht wird;

der Sachverhalt, der die Verletzung begründen soll, ist darzulegen.

Regierungspräsidium Freiburg