4.013 Vogelfreistätte Rohrsee

 

Verordnung des Kultministers als höherer Naturschutzbehörde über das “Naturschutzgebiet Vogelfreistätte Rohrsee” in den Gemeinden Ziegelbach und Eintürnen, Kreis Waldsee (Württ.) (Reg.-Anz. f. Württ. v. 19.03.1938).

 

Auf Grund der §§ 4, 12 Abs. 2, 13 Abs. 2, 15 und 16 Abs. 2 des Reichsnaturschutzgesetzes vom 26.Juni 1935 (RGBl. I S. 821) sowie des § 7 Abs. 1 und 5 der Durchführungsverordnung vom 31.Oktober 1935 (RGBl. I S.1275) wird mit Zustimmung der obersten Naturschutzbehörde sowie mit Ermächtigung des Reichsjägermeisters auf Grund des § 36 Abs. 6 der Ausführungsverordnung vom 27. März 1935 (RGBl. I S. 431) zum Reichsjagdgesetz - in der Fassung vom 5. Februar 1937 (RGBl. I S. 179) folgendes verordnet:

 

§ 1

Der nördlich von Rohr in den Gemeinden Ziegelbach und Eintürnen, Kreis Waldsee, gelegene “Rohrsee” wird mit seinen Ufern in dem im § 2 Abs. 1 näher bezeichneten Umfange mit dem Tage der Bekanntgabe dieser Verordnung in das Reichsnaturschutzbuch eingetragen und damit unter den Schutz des Reichsnaturschutzgesetzes gestellt.

 

§ 2

(1) Das Schutzgebiet hat eine Größe von 101,253 Hektar und umfaßt

·               a) in der Gemeinde Ziegelbach, Markung Rohrbach, die Parzellen Nr. 46 bis 48 und

·               b) in der Gemeinde Eintürnen, Markung Rohr, die Parzellen Nr. 52 bis 57, 59 bis 62, 67 bis 76, 77/1, 77/2, 78 bis 89, 354 bis 357, 381 bis 392, 393/1, 393/2 und 394 bis 405.

 (2) Die genauen Grenzen des Schutzgebiets sind in eine Karte rot eingetragen, die bei der obersten Naturschutzbehörde niedergelegt ist. Weitere Ausfertigungen dieser Karte befinden sich bei der Reichsstelle für Naturschutz, bei der höheren Naturschutzbehörde in Stuttgart, der unteren Naturschutzbehörde in Waldsee und den Bürgermeistern in Eintürnen und Ziegelbach.

 

§ 3

Im Bereich des Schutzgebietes ist verboten:

·               a) Pflanzen zu beschädigen, auszureißen, auszugraben oder Teile davon abzupflücken, abzuschneiden oder abzureißen;

·               b)  freilebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, zu ihrem Fang geeignete Vorrichtungen anzubringen, sie zu fangen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester und sonstigen Brut- oder Wohnstätten solcher Tiere fortzunehmen oder zu beschädigen, unbeschadet der berechtigten Abwehrmaßnahmen gegen Kulturschädlinge und sonst lästige oder blutsaugende Insekten;

·               c) Pflanzen oder Tiere einzubringen;

·               d) die Wege zu verlassen, zu lagern, zu zelten, zu lärmen, Feuer anzumachen, Abfälle wegzuwerfen oder das Gelände auf andere Weise zu beeinträchtigen;

·               e) Bodenbestandteile abzubauen, Sprengungen oder Grabungen vorzunehmen, Schutt oder Bodenbestandteile einzubringen oder die Bodengestalt einschließlich der natürlichen Wasserläufe oder Wasserflächen auf andere Weise zu verändern oder zu beschädigen;

·               f) Bild- oder Schrifttafeln anzubringen, soweit sie nicht auf den Schutz des Gebietes hinweisen;

·               g) 1. während des ganzen Jahres auf den von den Möwen eingenommenen Plätzen zu landen oder vor denselben sich aufzuhalten, vom Ufer her in diese Brutstätten einzudringen oder die Möwen auf andere Weise zu beunruhigen;
 2. in der Zeit vom 1. Mai bis 1. Juli ohne schriftliche Genehmigung des Grundeigentümers Fürst Maximilian von Waldburg zu Wolfegg und Waldsee oder dessen Beauftragten den See zu befahren.

 

§ 4

 (1) Unberührt bleiben:

·               a) die landwirtschaftliche Nutzung in dem bisherigen Umfange, die Streunutzung in der Zeit vom 1. August bis zum 15. März und die ordentliche Rohr- und Schilfnutzung in der Zeit vom 1. Oktober bis zum 15. März;

·               b) die ordnungsgemäße Holznutzung mit Ausschluß der Nutzung auf den Inseln

·               c) die fischereiliche Bewirtschaftung des Rohrsees einschließlich des Einsetzens von Fischen mit der Auflage, daß hierbei das Beunruhigen der Vogelwelt zu vermeiden ist;

·               d) die rechtmäßige Ausübung der Jagd, jedoch mit der Einschränkung, daß die Jagd auf Federwild nur in der Zeit vom 20. Juli bis zu 31. Dezember ausgeübt werden darf.

 (2) In besonderen Fällen können Ausnahmen von den Vorschriften dieser Verordnung von mir - bei jagdbaren Tieren durch den Landesjägermeister - genehmigt werden.

 

§ 5

Wer den Bestimmungen dieser Verordnung zuwiderhandelt, wird nach den §§ 21 und 22 des Reichsnaturschutzgesetzes und den §§ 15 und 16 der Durchführungsverordnung bestraft.

 

§ 6

Diese Verordnung tritt mit ihrer Bekanntgabe im “Regierungs-Anzeiger für Württemberg” in Kraft.

 

Stuttgart, den 12. März 1938

gez. i. V.: Meyding.