4.018 Schreckensee

 

Verordnung des Württembergischen Kultministers (Reg.-Anz. f. Württ. v. 03.06.1939, 10.08.1939 Berichtigung).

 

Auf Grund der §§ 4, 12 Abs. 2, 13 Abs. 2, 15 und 16 Abs. 2 des Reichsnaturschutzgesetzes vom 26.Juni 1935 (RGBl. I, S. 821) sowie des § 7 Abs. 1 und 5 der Durchführungsverordnung vom 31.Oktober 1935 (RGBl. I S.1275) wird mit Zustimmung der obersten Naturschutzbehörde folgendes verordnet:

 

§ 1

Der rund 3 km westlich von Wolpertswende in den Gemarkungen Fronhofen und Wolpertswende (Kreis Ravensburg) liegende "Schreckensee" wird mit seiner Umgebung in dem in § 2 Abs. 1 näher bezeichneten Umfange mit dem Tage der Bekanntgabe dieser Verordnung in das Reichsnaturschutzbuch eingetragen und damit unter den Schutz des Reichsnaturschutzgesetzes gestellt.

 

§ 2

 (1) Das Schutzgebiet hat eine Größe von 99,7936 ha und umfaßt:

·               a) in der Gemarkung Fronhofen die Parzellen Nr. 187 (Hühlenholz), 193 (Kleiner Schreckensee) und 194/1;

·               b) in der Gemarkung Wolpertswende die Parzellen Nr. 899, 905, 908, 909 (Schreckensee), 910, 911/1 bis /3, 912 und 913.

 (2) Die Grenzen des Schutzgebiets sind in eine Karte 1:25000 und eine Katasterhandzeichnung 1:10000 rot eingetragen, die bei der obersten Naturschutzbehörde in Berlin niedergelegt sind. Weitere Ausfertigungen dieser Karten befinden sich bei der Reichsstelle für Naturschutz in Berlin, bei der höheren Naturschutzbehörde in Ravensburg, der Württembergischen Forstdirektion in Stuttgart, der unteren Naturschutzbehörde in Waldsee, dem Forstamt in Mochenwangen und den Bürgermeistern in Fronhofen und Wolpertswende.

 

§ 3

Im Bereich des Schutzgebietes ist verboten:

·               a) Pflanzen zu beschädigen, auszureißen, auszugraben oder Teile davon abzupflücken, abzuschneiden oder abzureißen;

·               b) freibleibenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, zu ihrem Fang geeignete Vorrichtungen anzubringen, sie zu fangen oder zu töten, oder Puppen, Larven, Eier oder Nester und sonstige Brut- und Wohnstätten solcher Tiere fortzunehmen oder zu beschädigen, unbeschadet der berechtigten Abwehrmaßnahmen gegen Kulturschädlinge und sonst lästige oder blutsaugende Insekten;

·               c) Pflanzen oder Tiere einzubringen;

·               d) eine andere als die nach § 4 Abs. 1 zugelassene wirtschaftliche Nutzung auszuüben;

·               e) die Wege zu verlassen, zu lärmen, an anderen als an den von der unteren Naturschutzbehörde bezeichneten Stellen zu baden, Feuer anzumachen, Abfälle wegzuwerfen oder das Gelände auf andere Weise zu beeinträchtigen;

·               f) Bodenbestandteile abzubauen, Sprengungen oder Grabungen vorzunehmen, Schutt oder Bodenbestandteile einzubringen oder die Bodengestalt einschließlich der Wasserläufe und Wasserflächen auf andere Weise zu verändern oder zu beschädigen;

·               g) Bild- oder Schrifttafeln anzubringen, soweit sie nicht auf den Schutz des Gebietes hinweisen;

·               h) Hütten, Feldscheunen, Hochsitze, Stege, Entensitze, Starkstromleitungen und sonstige Bauten zu errichten oder, soweit vorhanden, zu ändern.

 

§ 4

 (1) Unberührt bleiben:

·               a) die rechtmäßige Ausübung der Jagd und der Fischerei;

·               b) die landwirtschaftliche Nutzung in dem bisherigen Umfange;

·               c) die forstliche Nutzung von abgängigem Holz.

 (2) In besonderen Fällen können Ausnahmen von den Vorschriften dieser Verordnung von mir genehmigt werden.

 

§ 5

Wer den Bestimmungen dieser Verordnung zuwiderhandelt, wird nach den §§ 21 und 22 des Reichsnaturschutzgesetzes und den §§ 15 und 16 der Durchführungsverordnung bestraft.

 

§ 6

Diese Verordnung tritt mit ihrer Bekanntgabe im ”Regierungs-Anzeiger für Württemberg” in Kraft.

 

Stuttgart, den 26. Mai 1939

gez. Mergenthaler

Berichtigung:

In der Verordnung über das Naturschutzgebiet „Schreckensee“ in den Gemarkungen Fronhofen und Wolpertswende, Kreis Ravensburg, vom 26. Mai 1939 (Regierungs-Anzeiger vom 3. Juni 1939, Nr. 61, S. 1-2) muß es im § 1 Buchstabe a) statt „und 193/1“ richtig heißen „und 194/1“.

Stuttgart, den 5. August 1939.

Der Kultminister: i.V. Mayding