4.024 Vogelfreistätte Lindenweiher

 

Verordnung des Württ. Kultministers als höherer Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet Vogelfreistätte Lindenweiher in der Gemarkung Unteressendorf, Kreis Biberach (Reg.-Anz. f. Württ. v. 26.10.1939).

 

Auf Grund der §§ 4, 12 Abs. 2, 13 Abs. 2, 15 und 16 Abs. 2 des Reichsnaturschutzgesetzes vom 26.Juni 1935 (RGBl. I S. 821) sowie des § 7 Abs. 1 und 5 der Durchführungsverordnung vom 31. Oktober 1935 (RGBl. I S. 1275) wird mit Zustimmung der obersten Naturschutzbehörde folgendes verordnet:

 

§ 1

Das nördlich des Bahnhofs Essendorf gelegene Naturschutzgebiet Vogelfreistätte Lindenweiher in der Gemarkung Unteressendorf, Kreis Biberach, wird in dem im § 2 Abs. 1 näher bezeichneten Umfange mit dem Tage der Bekanntgabe dieser Verordnung in das Reichsnaturschutzbuch eingetragen und damit unter den Schutz des Reichsnaturschutzgesetzes gestellt.

 

§ 2

 (1) Das Schutzgebiet hat eine Größe von rund 47 ha und umfaßt in der Gemarkung Unteressendorf die Parzellen Nr. 597, 598/1, 598/2, 599/1, 600/10, 600/11, 600/12, 600/13, 698, 699, 726 bis 730, 731/1, 731/2, 733,734,735,753,756 bis 758.

 (2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in eine Karte 1:25000 und in eine Katasterhandzeichung 1:2500 rot eingetragen, die bei der obersten Naturschutzbehörde niedergelegt sind. Weitere Ausfertigungen dieser Karten befinden sich bei der Reichsstelle für Naturschutz in Berlin, bei der höheren Naturschutzbehörde in Stuttgart, der unteren Naturschutzbehörde in Biberach und dem Bürgermeister in Unteressendorf.

 

§ 3

Im Bereich des Schutzgebiets ist verboten:

·               a) Pflanzen zu beschädigen, auszureißen, auszugraben oder Teile davon abzupflücken, abzuschneiden oder abzureißen,

·               b) freilebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, zu ihrem Fang geeignete Vorrichtungen anzubringen, sie zu fangen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester und sonstige Brut- und Wohnstätten solcher Tiere fortzunehmen oder zu beschädigen, unbeschadet der berechtigten Abwehrmaßnahmen gegen lästige oder blutsaugende Insekten,

·               c) Pflanzen oder Tiere einzubringen,

·               d) eine andere als die nach § 4 Abs. 1 zugelassene wirtschaftliche Nutzung auszuüben,

·               e) die Wege zu verlassen, zu lärmen, Feuer anzumachen, außerhalb des abgesteckten Badeplatzes zu baden oder mit Booten zu fahren, Abfälle wegzuwerfen oder das Gelände auf andere Weise zu beeinträchtigen,

·               f)  Bodenbestandteile abzubauen, Sprengungen oder Grabungen vorzunehmen, Schutt oder Bodenbestandteile einzubringen oder die Bodengestalt - einschließlich der Quelltöpfe, Wasserläufe oder Wasserflächen - auf andere Weise zu verändern oder zu beschädigen, insbesondere die Stauhöhe des Wasserspiegels tiefer als 548,6 Meter üb. N.N. zu senken (maßgebend ist das eingemeißelte Kreuz auf der linken Oberkanalmauer bei der Auslaßfalle oder das an seiner Stelle zu setzende Eichzeichen),

·               g) Bild- oder Schrifttafeln anzubringen, soweit sie nicht auf den Schutz des Gebietes hinweisen,

·               h) Maßnahmen zur Vogelhege ohne Zustimmung der höheren Naturschutzbehörde durchzuführen.

 

§ 4

 (1) Unberührt bleiben:

·               a) die rechtmäßige Ausübung der Jagd,

·               b) die landwirtschaftliche Nutzung im bisherigen Umfange,

·               c) die Fischerei- und Schilfnutzung (einschl. der im Interesse der Fischerei erforderlichen Reinigung des Weihers in seiner bisherigen Größe von rund 15 ha) im bisherigen Umfang und in der bisherigen Art.

 (2) In besonderen Fällen, vornehmlich zur Abwehr von Kulturschädlingen oder Feinden der Vogelwelt, können Ausnahmen von den Vorschriften dieser Verordnung von mir genehmigt werden.

 

§ 5

Wer den Bestimmungen dieser Verordnung zuwiderhandelt, wird nach den §§ 21 und 22 des Reichsnaturschutzgesetzes und den §§ 15 und 16 der Durchführungsverordnung bestraft.

 

§ 6

Diese Verordnung tritt mit ihrer Bekanntgabe im ”Regierungs-Anzeiger für Württemberg” in Kraft.

 

Stuttgart, den 18. Oktober 1939.

Mergenthaler