4.027 Ummendorfer Ried

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Ummendorfer Ried« vom 8. Dezember 1988 (GBl. v. 31.01.1989, S. 17).

 

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz
- NatSchG -) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden-württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBI. S. 199), und von § 22 Abs. 2 und § 33 Abs. 2 Nr. 4 Landesjagdgesetz in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBI. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Biberach an der Riß und der Gemeinden Hochdorf und Ummendorf im Landkreis Biberach werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Ummendorfer Ried«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von insgesamt ca. 121,50 ha. Es umfaßt mit Stand vom 15.November 1988 folgende Flurstücke, Wege und Gewässer:

1.            auf Gemarkung Rißegg, Stadt Biberach an der Riß, Flurstücke Nummer 316 teilweise (Riß), 297/1,298/2, Wasser Nr.2 teilweise, 299/1, 299/2, 30011, 300/3, 300/4, 301/1, 302 bis 306, 307/1, 307/2, 308, 309, 310, 311/2, 312/2, 313/2, 314/2, 315/2, 316/2, 316/4, 316/5, 316/6, 316/8, 316/9, 317,318/1, 318/2, 318/3, 319 bis 336, 337/1, 337/2, 337/3, 337/4, 337/5, 337/6, 338 bis 341, 342/1, 342/2, 343 bis 348 sowie Feldweg Nr. 27;

2.            auf Gemarkung Schweinhausen, Gemeinde Hochdorf, Flurstücke Nummer 171/2, 171/3, 172, 173, 174/ 1, 174/2, 175 bis 178, 179/1, 179/2, 180 bis 184, 184/1 (Wassergraben), 185, 186, 187, 191, 191/1, 192, 193, 194/1, 195, 196, 196/1, 197/1, 197/2, 198/1, 198/2, 198/3, 198/4, 199, 200, 200/1, 201, 201/1, 202, 202/2, 202/3, 202/4, 203/1,203/2, 203/3, 203/4, 203/5, 203/ 8, 203/9, 203/10, 203/11, 204/1, 204/2, Fluß Nr. 1 (Riß) teilweise sowie Feldweg Nr. 188 teilweise;

3.            auf Gemarkung der Gemeinde Ummendorf die Flurstücke Nummer 681 bis 684,684/1, 684/2, 685/2, 696, 774 bis 780, 781/1, 782 bis 785, 786/1, 786/2, 786/3, 786/4, 786/5, 786/6, 786/7, 787, 788, 789/1, 789/2, 790, 791/1, 791/2, 791/3, 792, 793, 794/1, 794/2, 795/2, 796/2, 797, 798/2, 799, 800, 800/2, 801/2, 802, 803, 807/2, 808/2, 810, 811, 812, 1758, 1760 bis 1765, 1766/ 1, l~66/2, 1767/1, 1767/2, 1768 bis 1774, 1774/1, 1775, 1775/1, 1776, 1776/1, 1777, 1777/1, 1778, 1778/ 1, 1779, 1779/1, 1780, 1780/1, 1781, 1781/1, 1782, 1782/1, 1783, 1783/1, 1784, 1784/1, 1785, 1785/1, 1786,1786/1,1787,1787/1,1788,1788/1,1789,1789/ 1, 1790, 1790/1, 1791/1, 1791/4, 1792, 1792/1, 1793, 1793/1, 1794, 1794/1, 1795, 1795/1, 1796, 1796/1, 1797, 1797/1, 1798/2, 1800 bis 1830, 1831/1, 1831/2, 1832 bis 1843, 1844/1, 1844/2, 1845, 1846/1, 1846/2, 1847, 1848, 1849 teilweise, 1850 teilweise, 1851 teilweise, 1852 teilweise, 1853 teilweise, 1854 bis 1859, 1860/1, 1860/2, 1861 bis 1868, 1869/1, 1869/2, 1870 bis 1896, 1897/1, 1898, 2004, 2005, 2006, 2008, 2008/1, 2010, 2011/1, 2011/3, Fluß Nr. 1 (Riß) teilweise, Feldwege Nr. 62, 63/2 teilweise, 73, 1791 und 1803/1.

 (2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 15. November 1988 im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen, beim Landratsamt Biberach in Biberach und beim Bürgermeisteramt Biberach auf die Dauer von drei Wochen beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 (3) Die Verordnung mit Karte ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

Schutzzweck ist vor allem die Erhaltung, Beruhigung, Pflege und Weiterentwicklung des Niedermoores mit seinen kleinen Hochmoorresten, offenen Wasserflächen und abgetorften Teilen in den unterschiedlichsten Entwicklungsstadien. Geschützt und beruhigt werden sollen insbesondere die durch die enge Verzahnung von unterschiedlichen Lebensbereichen vorhandenen Brut- und Nahrungsbiotope für eine Vielzahl von besonders geschützten und zum Teil vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten. Ebenso soll das Ummendorfer Ried in seiner Bedeutung als wichtiger Ruhe-, Rast- und Mauserplatz, insbesondere für eine Vielzahl von Zugvögeln, erhalten und nach Möglichkeit verbessert werden.

Erhalten und gepflegt werden soll das Naturschutzgebiet auch als ideales Anschauungsobjekt für die moorkundliche Forschung sowie für die Heimatkunde.

 

§ 4 Verbote

 (1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, Sport-, Spiel- oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes entgegen dem Schutzzweck verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder

7.            neu aufzuforsten oder auf andere Weise Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsgegenstände aufzustellen;

11.        das Schutzgebiet außerhalb der Wege zu betreten;

12.        das Schutzgebiet mit Fahrzeugen jeder Art zu befahren;

13.        im Schutzgebiet Hunde frei laufen zu lassen;

14.        Feuer zu machen;

15.        zu baden;

16.        die Wasserflächen mit Booten ohne eigene Triebkraft, mit Flößen, Luftmatratzen und dergleichen oder mit Modellbooten zu befahren;

17.        das Starten und Landen von Luftfahrzeugen aller Art einschließlich Modellflugzeugen;

18.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

19.        Düngemittel oder Chemikalien einzubringen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd, mit der Maßgabe, daß der Schutzzweck nicht beeinträchtigt wird.
Hierzu ist insbesondere zu beachten, daß
a) Jagdarten, durch die Zugvögel bei ihrer Rast gestört werden können (z. B. Gesellschaftsjagd, Suchjagd mit dem Hund) erst ab dem 1. November eines jeden Jahres zulässig sind,
b) die Jagd auf Wasservögel - mit Ausnahme auf Stockenten ab dem 1. November eines jeden Jagdjahres - verboten ist;
c) jagdliche Einrichtungen nur in einfacher Form und nur dort zulässig sind, wo weder Lebensräume gefährdeter Tier- und Pflanzenarten noch das Landschaftsbild beeinträchtigt werden;

2.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei mit der Maßgabe, daß der Schutzzweck der Verordnung nicht beeinträchtigt wird.
Insbesondere ist bei der Fischereiausübung Rücksicht auf die Vogelwelt zu nehmen. Zur Schonung der Vegetation der Uferbereiche dürfen keine neuen Trampelpfade entstehen;

3.            für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß die durch femelschlagartige Bewirtschaftung und natürliche Sukzession entstandene Waldstruktur gefördert wird. Maßnahmen, die diese naturnahe Waldstruktur stören, sind zu unterlassen;

4.            für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Grünlandnutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

5.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren ordnungsgemäße Unterhaltung und Instandsetzung. Das Räumen von rechtmäßigerweise bestehenden Gräben ist nach Rücksprache mit der höheren Naturschutzbehörde von Hand zulässig, wobei eine Sohlvertiefung nicht erfolgen darf;

6.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle für den Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen staatlichen Forstamt - veranlaßt werden;

7.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

Schutz-, Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen zum Erreichen des Schutzzweckes können von der höheren Naturschutzbehörde - für den Wald im Einvernehmen mit der zuständigen Forstverwaltung - durch Einzelanordnungen oder in einem Pflegeplan festgelegt werden.

 

§ 7 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG und nach jagdrechtlichen Vorschriften Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 (1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dein Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Nr. 2 bis 5 verbotenen Handlungen vornimmt.

 (2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs.2 Nr.4 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 5 Nr. 1 die Jagd ausübt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 (1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 (2) Gleichzeitig treten außer Kraft:

·               a) die Verordnung des Württembergischen Kultministers als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet »Ummendorfer Ried« auf der Gemarkung Ummendorf, Landkreis Biberach, vom 28. Juni 1941 (Regierungsanzeiger für Württemberg Nr. 50 vom 9. Juli 1941),

·               b) die Verordnung des Landratsamtes Biberach als untere Naturschutzbehörde über das Landschaftsschutzgebiet »Oberes Rißtal« vom 10.November 1975 (Schwäbische Zeitung, Ausgabe Biberach, Riedlingen und Laupheim vom 21. November 1975) insoweit, als der räumliche Geltungsbereich durch diese Naturschutzgebietsverordnung betroffen ist.

 

TÜBINGEN, den 8. Dezember 1988

DR. GÖGLER