4.028 Pfrunger-Burgweiler Ried

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen als höhere Naturschutz- und obere Jagdbehörde über das Naturschutzgebiet »Pfrunger-Burgweiler Ried« vom 20. November 1980 (GBl. v. 18.12.1980, S. 608).

Auf Grund von § 21 und § 58 Abs.2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz-NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654) und von § 22 Abs.2 Landesjagdgesetz in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBI. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinden Königseggwald, Riedhausen und Wilhelmsdorf, Landkreis Ravensburg sowie der Gemeinde Ostrach, Landkreis Sigmaringen, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Pfrunger-Burgweiler Ried«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von 779,3387 ha, davon im Landkreis Ravensburg 161,3862 ha und im Landkreis Sigmaringen 617,9525 ha.

Es umfaßt folgende Flurstücke, Flurstückteile, Wege und Gewässer:

1.            Auf Gemarkung Spöck im Gewann Fohrenwiesen und Fohren, die Flächen südlich der nicht im Schutzgebiet liegenden Flurstücke 224, 225, 226, 227, 228, 229 und den Spöckgraben, soweit er an die unter Schutz stehenden Flurstücke angrenzt; - 18,3550 ha

2.            auf Gemarkung Ostrach die südlich des Weges liegenden Teile der Flurstücke 1201, 1204, 1205, 1208, 1209, 1212, die Flurstücke 1225, 1224, 1227, die davon südlich liegenden Flächen und die Flächen westlich der Ostrach von Flurstück 1227 im Norden bis 1246 im Süden; - 15,9450 ha

3.            von Gemarkung Magenbuch das Flurstück 533; - 23,0075 ha

4.            von Gemarkung Königseggwald die westlich der Ostrach liegenden Flächen; - 6,9000 ha

5.            auf Gemarkung Riedhausen die westlich der Ostrach und der Vicinalstraße 3/2 (Kreisstraße 7964) liegenden Flächen; - 28,7300 ha

6.            auf Gemarkung Pfrungen die Flächen
a) westlich der Riedstraße 58/1 (Kreisstraße 7964),
b) nördlich des nicht im Schutzgebiet liegenden Feld weges 40 mit Ausnahme des Flurstücks 392/2 und
c) nördlich der Verbindungsgeraden von der Westgrenze des nicht im Schutzgebiet liegenden Flurstücks 394/1 über die Flurstücke Riedhof 392, 394/ 2, 418, 419/1 entlang der Südgrenze von Flurstück 393 zur Landkreisgrenze Ravensburg/Sigmaringen; - 125,7562 ha

7.            auf Gemarkung Burgweiler die Flächen nördlich bzw. östlich folgender im Schutzgebiet liegender Flurstücke: 1226, 1223, 1221/1, 1220, 1219, 1218, 1267/3, 1266, 1271, 1275, 1276, 1279, 1280, 1281, 2366, 2378, 2379, 2380, 2381, 2382, 2383, 2398, 2399, 2401, 2402, 2409, 2410, 2414, 2416, 2417, 2415, 2434, 2436, 2437, 570, 569, 568/2, 568/1, 567, 549, 548, 547, 546, 700 (soweit es östlich der Verbindungsgeraden zwischen dem östlichsten Grenzstein des außerhalb des Schutzgebietes liegenden Flurstücks 117 und dem südwestlichen Grenzstein von Flurstück 698 liegt), 698, 701, 699, den Hornbach und Tiefenbach, soweit diese Gewässer im Schutzgebiet liegen oder an das Schutzgebiet angrenzen. - 560,6450 ha

Die Ostrach liegt nicht im Schutzgebiet.

 (2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 7.November 1980 im Maßstab 1:5000, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen als höhere Naturschutzbehörde in Tübingen verwahrt; je eine Ausfertigung befindet sich beim Landratsamt Ravensburg als untere Naturschutzbehörde in Ravensburg und beim Landratsamt Sigmaringen als untere Naturschutzbehörde in Sigmaringen. Die Verordnung mit Karte kann während der üblichen Sprechzeiten eingesehen werden.

 

§ 3 Schutzzweck

Schutzzweck ist die Erhaltung des einzigartigen ausgedehnten Moorkomplexes aus Hoch-, Zwischen- und Niedermooren als Lebensraum einer artenreichen Pflanzen- und Tierwelt. Die Vielfalt der von Natur und Kultur geprägten Landschaftselemente soll für künftige Generationen bewahrt und weiterentwickelt werden.

 

§ 4 Verbote

 (1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, Sport-, Spiel- oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes entgegen dem Schutzzweck verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            Neuaufforstungen vorzunehmen oder sonstige Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entge(yen dem Schutzzweck zu ändern;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        das Schutzgebiet außerhalb der öffentlichen Straße und Wege zu betreten oder zu befahren;

12.        Feuer zu machen;

13.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

14.        Düngstoffe oder Chemikalien einzubringen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 (1) § 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß die Jagd auf Federwild mit Ausnahme der Jagd auf die Stockente und Ringeltaube untersagt ist;

2.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

3.            für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung nach dem jeweiligen Stand der Technik sowie für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen, Wege und Zufahrten sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen, deren Unterhaltung und Instandsetzung;

4.            für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß Wiederaufforstungen in der bisherigen Artenzusammenstellung erfolgen und daß im Bereich des Bannwaldes (§ 32 Absätze 1 und 2 Waldgesetz für Baden-Württemberg vom 10.Februar 1976 - GBI. S. 99 -) nur Maßnahmen zulässig sind, die zur Abwehr einer akuten Gefahr für den Bannwald selbst oder der angrenzenden Waldgebiete erforderlich werden;

5.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle veranlaßt werden;

6.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 (2) Als ordnungsgemäße Nutzung im Sinne von Absatz 1 Nr. 3 gelten:

1.            die von Hand oder maschinell vorgenommene Pflege und Unterhaltung der Gewässer (Vorfluter) Ostrach, Tiefenbach, Ulzhauser Kanal, Hornungsgraben, Erlenbach, Krebsbach, Luckengraben, des Grabens entlang der Straße Pfrungen-Riedhausen sowie aller sonstigen nicht genannten öffentlichen und privaten Fließgewässer (besonders der Grundstücksgrenzgräben) und die damit verbundene Flächeninanspruchnahme;

2.            die rücksichtsvolle Pflege der Ufervegetation außerhalb der Vegetationszeit mit der Maßgabe, daß dabei die Gehölze nur jeweils an einer Uferseite (nicht an beiden Ufern gleichzeitig) auf den Stock gesetzt werden dürfen;

3.            die jährliche Pflege, Unterhaltung und gründliche Reinigung der Vorfluter;

4.            die beidseitige maschinelle Räumung des Hornbaches oberhalb des Flurstücks 1224 der Gemarkung Burgweiler und die einseitige maschinelle Räumung im Bereich der Flurstücke 419/1 und 364 der Gemarkung Pfrungen (jetziger Verlauf des Hornbaches);

5.            die Räumung des jetzigen Hornbaches im Bereich der Torfstiche im Gewann Aachwiesen auf Gemarkung Pfrungen und Riedhausen von Hand oder mit Spezialmaschinen;

6.            die Unterhaltung, Wiederherstellung oder Verbesserung der vorhandenen Dränagen.

 (3) Als ordnungsgemäße Bewirtschaftung des Wirtschaftsgrünlandes im Schutzgebiet ist zulässig;

1.            eine mineralische Düngung von jeweils höchstens 150 kg N (Stickstoff), 150 kg P2O5 (Phosphat) und 200 kg K20 (Kali) je Hektar und Jahr aufzubringen;

2.            eine organische Düngung von höchstens 50 cbm Gülle je Hektar und Jahr auf nicht gefrorenen Boden aufzubringen;

3.            der auf ein Mindestmaß beschränkte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und soweit erforderlich die Bekämpfung einzelner. Unkräuter wie Ampfer und Taubnessel;

4.            die Neuerstellung von Weidezäunen;

5.            der Umbruch des Grünlandes in Acker nur im Sinne einer Wechselwirtschaft.

 

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 des Naturschutzgesetzes Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

 (1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Abs. 1 Nr. 2,3 und 4, Abs.2 und 3 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 (2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs.2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Abs. 1 Nr. 1 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 8 Inkrafttreten

 (1) Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 (2) Gleichzeitig treten die Verordnung des Badischen Ministers des Kultus und Unterrichts als höhere Naturschutzbehörde über das »Naturschutzgebiet Große Trauben« in der Gemarkung Burgweiler, Landkreis Überlingen, vom 10.Februar 1939 (Amtsblatt des Badischen Ministeriums des Kultus und Unterrichts Nr.4 vom 3.März 1939) und die Verordnung des Württembergischen Kultusministers als höhere Naturschutzbehörde über das »Naturschutzgebiet Pfrunger Ried« in der Gemarkung Pfrungen, Landkreis Ravensburg, vom 18. Juli 1941 (Reg.-Anz. f. Württ. Nr. 54 vom 1. August 194 1) außer Kraft.

 

TÜBINGEN, den 20. November 1980

DR. GÖGLER