4.037 Tannenhalde

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen als höhere Naturschutz‑ und obere Jagdbehörde über das Naturschutzgebiet »Tannenhalde« vom 2. Mai 1980 (GBl. v. 30.06.1980, S. 350).

Auf Grund von § 21 und § 58 Abs.2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz ‑NatSchG) vom 21.Oktober 1975 (GBl. S. 654) und von § 22 Abs. 2 des Landesjagdgesetzes in der Fassung vom 20.Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinden Langenenslingen (Landkreis Biberach) und Zwiefalten (Landkreis Reutlingen) sind Bannwald; sie werden unter Erweiterung des bisherigen Naturschutzgebietes »Tannenhalde« zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Tannenhalde«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von 33,2 ha. Es wird begrenzt:

1.            auf Gemarkung Dürrenwaldstetten durch die Südgrenze des Flurstücks 22, den Vicinalweg 2/2 und den Feldweg 8/1, die nördliche Grenze der Abteilung »Untere Tannenhalde« des Staatswalddistriktes 70 und die in die Flurkarte eingetragene nordwestliche Nutzungsgrenze der Talwiese;

2.            auf Gemarkung Upflamör durch die westliche Gemarkungsgrenze im Bereich der Feldwege 41 und 9, den Feldweg 36 sowie im Südosten durch eine in der Natur vorhandene und in der Flurkarte eingetragene Pfahlreihe.

 (2) Im Schutzgebiet liegen Teile der Flurstücke 22, Gemarkung Dürrenwaldstetten und 729 der Gemarkung Upflamör.

 (3) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 2. Juli 1979 im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen als höhere Naturschutzbehörde verwahrt; Ausfertigungen befinden sich bei den Landratsämtern Biberach und Reutlingen als untere Naturschutzbehörden. Die Verordnung mit Karte kann während der üblichen Sprechzeiten eingesehen werden.

 

§ 3 Schutzzweck

Schutzzweck ist die Erhaltung des durch natürliche Waldgesellschaften und durch teilweise freigehaltene Talbereiche geprägten Trockentales »Kohltal« und seiner umgebenden Hangbereiche als Lebensraum für vielfältige und seltene Pflanzen‑ und Tiergesellschaften sowie die Sicherung der Naturwaldforschung.

 

§ 4 Verbote

 (1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellter Maßnahmen durchzuführen, Sport‑, Spiel‑ oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs‑ oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes entgegen dem Schutzzweck verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild‑ oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut‑, Wohn‑ oder Zufluchtsstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

10.        Feuer zu machen;

11.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 (1) § 4 gilt nicht:

1.            für die bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Wege und der sonstigen bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

2.            für die bisher ausgeübte gelegentliche und vorübergehende Nutzung des Grundstücksteils von Flst. 22 zwischen Vicinalweg 2/2 und Flst. 693/2 als Holzlagerplatz;

3.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß keine zusätzlichen jagdlichen Einrichtungen erstellt werden dürfen;

4.            für die ordnungsgemäße Pflege (jährlich eine Mahd, keine Düngung) der am Feldweg 41 gelegenen Wiesenfläche;

5.            für Maßnahmen, die zur Abwendung einer akuten Gefahr für den Bannwald selbst oder der angrenzenden Waldgebiete erforderlich werden, insbesondere bei Befall von Schädlingen, Sturmwürfen, Waldbränden u. ä.;

6.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 (2) Im Schutzgebiet ist auf den in der Natur gekennzeichneten Feldwegen 10 und 41 das Reiten und Fahren mit bespannten Fahrzeugen zulässig.

 

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 des Naturschutzgesetzes Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Abs. 1 Nr. 3 dieser Verordnung, verbotene Handlung vornimmt.

 

§ 8 Inkrafttreten

 (1) Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 (2) Gleichzeitig tritt die Verordnung des Regierungspräsidiums Südwürttemberg‑Hohenzollern über das Naturschutzgebiet »Tannenhalde« auf Markung Dürrenwaldstetten, Landkreis Saulgau, vom 21.April 1964 (GBI. S. 264) außer Kraft.

 

TÜBINGEN, den 2. Mai 1980

DR. GÖGLER