4.038 Dolpenried

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Südwürttemberg‑Hohenzollern über das Naturschutzgebiet ”Dolpenried” auf den Gemarkungen Blönried und Wolpertswende, Landkreis Ravensburg vom 22.Juni 1966 (GBl. v. 29.07.1966, S. 139).

Auf Grund der §§ 4, 15 und 16 Abs. 2 des Reichsnaturschutzgesetzes vom 26. Juni 1935 (RGBl. 1 S. 821) in der Fassung des Gesetzes zur Ergänzung und Änderung des Reichsnaturschutzgesetzes vom 8. Juni 1959 (Ges.Bl. S. 53) sowie auf Grund des § 10 dieses Gesetzes in Verbindung mit §§ 3 und 4 Abs. 3 der Verordnung zur Durchführung des Reichsnaturschutzgesetzes und des Gesetzes zur Ergänzung und Änderung des Reichsnaturschutzgesetzes in der Fassung der Bekanntmachung des Kultusministeriums vom 17. Oktober 1962 (Ges.Bl. S. 203) wird mit Zustimmung des Kultusministeriums folgendes verordnet:

 

§ 1

Die in § 2 näher bezeichneten Grundstücke auf den Gemarkungen Blönried und Wolpertswende, Landkreis Ravensburg, werden mit dem Tage des Inkrafttretens dieser Verordnung in das Naturschutzbuch eingetragen und als Naturschutzgebiet unter den Schutz des Reichsnaturschutzgesetzes gestellt.

 

§ 2

 (1) Das Schutzgebiet hat eine Größe von ca. 57,4 ha und umfaßt

·               a) auf Gemarkung Wolpertswende die Parzellen 516 und 517;

·               b) auf Gemarkung Blönried die Forstabteilung 16 des Forstdistrikts X Blönriederholz im Forstrevier Blönried der Hofkammer‑Forstverwaltung Altshausen (Teile der Parzellen 1013 und 1009a und des Feldwegs 59).

 (2) Die Grenzen des Schutzgebiets sind in eine Karte 1:25000 und in einen Katasterplan 1:2500 rot eingetragen. Die Karten sind beim Regierungspräsidium Südwürttemberg‑Hohenzollern in Tübingen niedergelegt. Weitere Ausfertigungen dieser Karten befinden sich beim Kultusministerium Baden ‑Württemberg in Stuttgart, bei der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege in Tübingen, beim Landratsamt Ravensburg und bei den Bürgermeisterämtern Blönried. und Wolpertswende.

 

§ 3

 (1) im Schutzgebiet dürfen, unbeschadet der in § 4 genannten Ausnahmen, keine Veränderungen vorgenommen werden.

 (2) Insbesondere ist verboten:

·               a) Pflanzen zu beschädigen, auszureißen, auszugraben oder Teile davon abzupflücken, abzuschneiden oder abzureißen, Bäume aufzuasten oder zu roden,

·               b) freilebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, zu ihrem Fang geeignete Vorrichtung anzubringen, sie zu fangen oder zu töten, Puppen, Larven, Eier oder Nester und sonstige Brut‑ und Wohnstätten solcher Tiere fortzunehmen oder zu beschädigen, unbeschadet berechtigter Abwehrmaßnahmen gegen Kulturschädlinge oder lästige Insekten,

·               c) Tiere und Pflanzen einzubringen,

·               d) zu zelten, zu lagern, Wohnwagen aufzustellen, Feuer anzuzünden, Schutt, Müll oder Unrat abzulagern oder Abfälle wegzuwerfen oder das Gelände auf andere Weise zu beeinträchtigen,

·               e) Bodenbestandteile abzubauen, Sprengungen oder Grabungen vorzunehmen oder die Bodengestalt oder die natürlichen Wasserläufe zu verändern oder zu beschädigen,

·               f) Bild‑ oder Schrifttafeln anzubringen, sofern sie nicht ausschließlich auf den Schutz des Gebietes hinweisen oder der Abgrenzung der Forstabteilungen dienen,

·               g) Bauwerke jeder Art zu errichten, Straßen und Wege anzulegen, Drahtleitungen zu verlegen oder bestehende Anlagen dieser Art zu verändern.

 

§ 4

 (1) Die Bewirtschaftung ist nur insoweit zulässig, als sie der geschützten Art des Gebiets und den standortgemäßen Bestockungsverhältnissen Rechnung trägt; insbesondere sind

·               a) die Bergkiefernbestände im nördlichen und mittleren Teil des Schutzgebietes sowie am Blinden See von der Nutzung ganz auszunehmen, soweit dem nicht Gründe waldhygienischer Art entgegenstehen,

·               b) die Fichten‑, Birken‑, Kiefernbestände im Norden und das Birken‑, Kiefern‑, Aspenmoor im Süden des Schutzgebietes unter Beibehaltung des natürlichen Mischungsverhältnisses von 0,3 Birke, 0,3 Kiefern, 0,3 Fichte und 0,1 sonstige Holzarten (Aspe, Vogelbeere) einzelstammweise zu nutzen,

·               c) die Streuwiesen und die übrigen Flächen im südlichen Teil des Schutzgebiets in ihrer Art zu erhalten oder im Mischungsverhältnis wie oben b) aufzuforsten,

·               d) keine Kahlschläge zu führen und keine fremden Holzarten einzubringen.

 (2) Unberührt bleiben

·               a) die Nutzung als Torfstich im bisherigen Umfang, wobei die abgetorften Flächen dem natürlichen Regenerationsprozeß zu überlassen sind,

·               b) die ordnungsmäßige Jagd.

 

§ 5

In besonderen Fällen können vom Regierungspräsidium Südwürttemberg‑Hohenzollern Ausnahmen von den Vorschriften des § 3 zugelassen werden.

 

§ 6

Wer den Schutzbestimmungen dieser Verordnung zuwiderhandelt, wird nach § 21 des Reichsnaturschutzgesetzes bestraft oder nach § 13 des Gesetzes zur Ergänzung und Änderung des Reichsnaturschutzgesetzes mit Geldbuße belegt. Neben der Strafe kann auf Einziehung der beweglichen Gegenstände, die durch die Tat erlangt sind, erkannt werden, sofern sie dem Täter oder einem Teilnehmer gehören (§ 22 des Reichsnaturschutzgesetzes).

 

§ 7

Diese Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Verkündung im Gesetzblatt für Baden‑Württemberg in Kraft.

 

TÜBINGEN, den 22.Juni 1966

Birn