4.048 Vorsee-Wegenried

Verordnung des Regierungspräsidiums Südwürttemberg ‑ Hohenzollern als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet »Vorsee-Wegenried« auf Gemarkung Wolpertswende, Landkreis Ravensburg vom 6.August 1971 (GBl. v. 05.10.1971, S. 394).

Auf Grund der §§ 4, 15 Abs. 1 und 2 sowie 16 Abs. 2 des Reichsnaturschutzgesetzes vorn 26. Juni 1935 (RGBI. 1 S. 821) und des § 10 des Gesetzes zur Ergänzung und Änderung des Reichsnaturschutzgesetzes vom 8.Juni 1959 (Ges.Bl. S. 53), beide zuletzt geändert durch das Gesetz zur Änderung und Bereinigung von Straf‑ und Bußgeldvorschriften des Landes Baden‑Württemberg vom 6.April 1970 (Ges.Bl. S. 111), wird mit Zustimmung des Kultusministeriums Baden‑Württemberg folgendes verordnet:

 

§ 1

Das in § 2 näher bezeichnete Gebiet »Vorsee‑Wegenried« auf Gemarkung Wolpertswende, Landkreis Ravensburg, wird mit dem Tage des Inkrafttretens dieser Verordnung in das Naturschutzbuch eingetragen und als Naturschutzgebiet unter den Schutz des Reichsnaturschutzgesetzes gestellt.

 

§ 2

 (1) Das Schutzgebiet umfaßt die Flurstücke 694, 695, 696/2, 983, 984 und 986/2 sowie die Streuwiesenanteile der Flurstücke 693/1, 693/2, 693/3, 696/1, 756‑760, 762, 978 und 982 entsprechend den in der Flurkarte eingetragenen Kulturgrenzen. Es hat eine Größe von 46,40 ha.

 (2) Seine Grenzen sind in eine Flurkarte i.M. 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte i. M. 1:25000, rot eingetragen. Diese Karte ist beim Regierungspräsidium Südwürttemberg-Hohenzollern in Tübingen niedergelegt. Weitere Ausfertigungen dieser Karte befinden sich beim Kultusministerium Baden‑Württemberg in Stuttgart, bei der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege in Tübingen, beim Landratsamt in Ravensburg und beim Bürgermeisteramt in Wolpertswende. Sie kann beim Regierungspräsidium, beim Landratsamt und beim Bürgermeisteramt eingesehen werden.

 

§ 3

 (1) Im Schutzgebiet dürfen keine Veränderungen vorgenommen werden.

 (2) Insbesondere ist verboten:

·               a) Pflanzen zu beschädigen, auszureißen, auszugraben oder Teile davon abzupflücken, abzuschneiden oder abzureißen,

·               b) freilebende Tiere zu fangen oder zu töten, zu ihrem Fang geeignete Vorrichtungen anzubringen, Puppen, Larven, Eier oder Nester und sonstige Brut‑ und Wohnstätten solcher Tiere fortzunehmen oder zu beschädigen, unbeschadet berechtigter Abwehrmaßnahmen gegen Kulturschädlinge oder lästige Insekten,

·               c) Aufforstungen vorzunehmen oder sonstige Pflanzen oder Tiere einzubringen,

·               d) Wohnwagen, Zelte, Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen, Lager‑ oder Parkplätze anzulegen, Schutt, Müll oder Unrat abzulagern, Abfälle wegzuwerfen oder das Gelände auf andere Weise zu beeinträchtigen,

·               e) Bodenbestandteile abzubauen, Sprengungen oder Grabungen vorzunehmen, Rohrleitungen zu verlegen, Bodenbestandteile einzubringen oder die Bodengestalt zu verändern oder zu beschädigen,

·               f) Bauwerke jeder Art zu errichten, Straßen oder Wege anzulegen, Drahtleitungen zu verlegen oder bestehende Anlagen dieser Art zu verändern,

·               g) Einfriedungen, Stützmauern, Uferverbauungen, Bootsanlegestellen, Bade‑ oder Laufstege sowie Badeplätze anzulegen,

·               h) die Gewässer zu verändern oder zu beseitigen, Schmutz oder Düngestoffe in die Gewässer einzubringen oder Entwässerungsmaßnahmen durchzuführen,

·               i) Bild‑ oder Schrifttafeln anzubringen, sofern sie nicht ausschließlich auf den Schutz des Gebietes hinweisen, der Verkehrsregelung oder der Forsteinteilung dienen,

·               k) den Charakter des Gebiets in sonstiger Weise zu verändern; unter dieses Verbot fällt auch das Einbringen von Dung und Chemikalien.

 

§ 4

Zum Schutz und zur Erhaltung des Schutzgebiets ist weiter verboten:

1.            freilebenden Tieren nachzustellen oder sie mutwillig zu beunruhigen,

2.            die bezeichneten Wege zu verlassen,

3.            Feuer anzuzünden,

4.            von einer anderen als der von der höheren Naturschutzbehörde zugelassenen Stelle aus zu baden.

 

§ 5

Unberührt bleiben:

·               a) die land‑, jagd‑ und fischereiwirtschaftliche Nutzung im bisherigen Umfang,

·               b) die forstwirtschaftliche Nutzung und Pflegemaßnahmen, soweit sie zur Erhaltung des Naturschutzgebietes von der höheren Naturschutzbehörde angeordnet werden.

 

§ 6

In besonderen Fällen können vom Regierungspräsidium Südwürttemberg-Hohenzollern Ausnahmen von den Vorschriften der §§ 3 und 4 genehmigt werden.

 

§ 7

 (1) Wer in dem Schutzgebiet entgegen § 16 Abs.2 des Reichsnaturschutzgesetzes vorsätzlich Veränderungen vornimmt, wird nach § 21 Nr. 1 des Reichsnaturschutzgesetzes bestraft.

 (2) Wer in dem Schutzgebiet

1.            entgegen § 16 Abs. 2 des Reichsnaturschutzgesetzes fahrlässig Veränderungen vornimmt, handelt ordnungswidrig im Sinne des § 13 Abs. 1 Nr. 1 des Gesetzes zur Ergänzung und Änderung des Reichsnaturschutzgesetzes,

2.            vorsätzlich oder fahrlässig den Bestimmungen des § 4 zuwiderhandelt, handelt ordnungswidrig im Sinne des § 13 Abs. 2 Nr. 2 des Gesetzes zur Ergänzung und Änderung des Reichsnaturschutzgesetzes

und kann mit einer Geldbuße belegt werden.

 

§ 8

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung im Gesetzblatt für Baden‑Württemberg in Kraft.

 

TÜBINGEN, den 6.August 1971

BIRN