4.053 Langenauer Ried

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen als höhere Naturschutz- und obere Jagdbehörde über das Naturschutzgebiet »Langenauer Ried« vom 10.November 1981 (GBl. v. 29.12.1981, S. 619).

Auf Grund von § 21 und § 58 Abs. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz-NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654) und von § 22 Abs. 2 Landesjagdgesetz in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBI. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinden Langenau und Rammingen, Landkreis Alb‑Donau‑Kreis, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Langenauer Ried«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von 79,63 ha. Es besteht aus drei nicht unmittelbar zusammenhängenden Teilgebieten, die folgende Flurstücke, Flurstücksteile, Wege und Gewässer entsprechend der Darstellung in der Flurkarte umfassen:

1.            Teilgebiet I
a) auf Gemarkung Langenau den Teil des Flurstückes 7438/1h südlich der Verbindungsgeraden zwischen den Polygonpunkten 486 und 483 und östlich des von Polygonpunkt 486 nach Südosten führenden nicht in die Flurkarte eingetragenen Feldweges ohne Nummer, den Teil des Flurstücks 7442 südlich der Verbindungsgeraden zwischen Polygonpunkt 484 und der nördlichen Grenze des Flurstückes 8467, die Flurstücke 8462, 8463/1 und /2, 8464, 8467, ein Teil des Flurstückes 8466 ohne die nördliche Grundstücksspitze, die Teile der Feldwege 143 und 160 soweit sie Flurstück 8467 angrenzen, den Bach 15, soweit er an den unter Schutz stehenden Teil des Flurstückes 2079 angrenzt, den Bach 16, soweit er an unter Schutz stehende Flurstücke angrenzt sowie den Teil des Flurstückes 7438/1i, der an den unter Schutz stehenden Teil des Baches 16 angrenzt ‑ 48,12 ha ‑;
b) auf der Gemarkung Rammingen den Teil des Flurstückes 2079 südlich der durch die Vermessungspunkte 1 bis 8 abgegrenzten Fläche sowie den Bach 3, soweit er durch das Flurstück 2079 verläuft ‑ 26,48 ha ‑;

2.            Teilgebiet II
auf der Gemarkung Rammingen den Teil des Flurstückes 2079 der durch die Vermessungspunkte 9 bis 12 abgegrenzt ist ‑ 1,80 ha ‑;

3.            Teilgebiet III
auf der Gemarkung Rammingen den Teil des Flurstückes 2079, der durch die Vermessungspunkte 13 bis 18 abgegrenzt ist ‑ 3,23 ha ‑.

 (2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in sechs Flurkarten im Maßstab 1: 2500 und einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 2.November 1981 im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen als höhere Naturschutzbehörde in Tübingen verwahrt; eine Ausfertigung befindet sich beim Landratsamt Alb-Donau-Kreis als untere Naturschutzbehörde in Ulm. Die Verordnung mit Karte kann während der üblichen Sprechzeiten eingesehen werden.

 

§ 3 Schutzzweck

Schutzzweck ist die Erhaltung des Restes einer Flachmoorformation unterschiedlichster hydrologischer Verhältnisse mit Quellkalkhügeln, Pfeifengraswiesen und Bult-Schlenken-Komplexen als Lebensraum der an Feuchtgebiete gebundenen Pflanzen- und Tierarten, besonders von Vögeln.

 

§ 4 Verbote

 (1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, Sport‑, Spiel‑ oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs‑ oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes entgegen dem Schutzzweck verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild‑ oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            Aufforstungen vorzunehmen oder sonstige Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut‑, Wohn‑ oder Zufluchtsstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        das Schutzgebiet zu betreten oder zu befahren;

12.        Feuer zu machen;

13.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

14.        Düngemittel oder Chemikalien einzubringen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß nur einmal jährlich eine Treibjagd in der Zeit zwischen dem 15. und 30.November durchgeführt werden darf;

2.            für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß die Schafbeweidung im Teilgebiet I wie folgt eingeschränkt bzw. geregelt ist:
a) die Schafbeweidung ist ganzjährig erlaubt auf einem 10 m breiten in den Flurkarten eingetragenen Durchtriebsstreifen entlang Graben 2 (Grenzgraben zu Asselfingen), Bach 3 (Landesgrenzgraben) und Bach 15 (Ramminger Grenzgraben) ‑ Gemarkung Rammingen;
b) die Schafbeweidung ist ganzjährig verboten
aa) auf den zwischen Feldweg 143 und Bach 15 liegenden Teilen der Flurstücke 8466 und 8467, welche südlich des ehemaligen Brunnens 227 der Landeswasserversorgung und des von Feldweg 143 nach Osten abzweigenden nicht in die Flurkarte eingetragenen Dammwegs liegen ‑Gemarkung Langenau – und
bb) westlich der nach Süden verlängerten Verbindungslinie zwischen den Polygonpunkten 2 und 3 einschließlich der vorhandenen Wirtschaftswiesen mit Ausnahme des Durchtriebsstreifens ‑ Gemarkung Rammingen;
c) die Schafbeweidung ist ab dem 1. Juni erlaubt auf den übrigen Flächen der Gemarkung Langenau und Rammingen;

3.            für die Grundwasserentnahme des Zweckverbandes Landeswasserversorgung im wasserrechtlich genehmigten Umfang, die Beobachtung des Wasservorkommens sowie die Überwachung der Entwicklung und der Schutzvorschriften in den Fassungsbereichen und der engeren Schutzzone;

4.            für die rechtmäßige ordnungsgemäße Benutzung der bestehenden Fernmeldeanlagen, des Feldweges 143, des Baches 15 und des Landesgrenzgrabens (Bach 16 und 3) sowie der nach § 4 Abs.2 Ziff.4 zulässigen Bewässerungseinrichtungen und deren Unterhaltung und Instandsetzung im Einvernehmen mit der unteren Naturschutzbehörde;

5.            für das Betreten des Schutzgebietes auf Feldweg 143, auf dem nicht in der Flurkarte eingetragenen, auf Flurstück 2079 liegenden Feldweg östlich des Baches 15, sowie auf dem nicht in der Flurkarte eingetragenen Feldweg südlich des Landesgrenzgrabens (Bach 16 und 3), der sich auf Gemarkung Langenau mit Flurstück 8464, 8463/1, /2 und einem Teil von 7438/1i und auf Gemarkung Rammingen mit einem Teil von Flurstück 2079 deckt;

6.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle veranlaßt werden;

7.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 des NatSchG Befreiung erteilt
werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

 (1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Nr. 2 bis 5 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 (2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig nach § 4 und § 5 Nr. 1 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 8 Inkrafttreten

 (1) Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 (2) Gleichzeitig treten die Verordnung des Regierungspräsidiums Nordwürttemberg über das Naturschutzgebiet »Donauried« auf Markung Langenau, Landkreis Ulm, vom 22. Juli 1966 (GBI. S. 162) ganz und die Verordnung des Landratsamtes Ulm über das Landschaftsschutzgebiet »Donauried« auf den Markungen Langenau, Rammingen und Asselfingen vom 10.November 1960 (Amtsblatt des Stadt- und Landkreises Ulm vom 10. November 1960) insoweit außer Kraft, als durch sie das in § 2 beschriebene Naturschutzgebiet betroffen ist.

 

TÜBINGEN, den 10. November 1981

DR. GÖGLER