4.054 Hödinger Tobel

Verordnung über das "Naturschutzgebiet Hödinger Tobel" in den Gemarkungen Hödingen und Sipplingen, Bezirksamt Überlingen (Amtsbl. Bad. Minist. Kultus u. Unterricht v. 02.11.1938).

Auf Grund der §§ 12 Abs. 2, 13 Abs. 2, 15 und 16 Abs. 2 des Reichsnaturschutzgesetzes vom 26. Juni 1935 (RGBl. 1 S. 821) sowie des § 7 Abs. 1 und 5 der Durchführungsverordnung vom 31. Oktober 1935 (RGBl. 1 S. 1275) wird mit Zustimmung der obersten Naturschutzbehörde folgendes verordnet:

 

§ 1

Der rund 300 m westlich von Hödingen in den Gemarkungen Hödingen und Sipplingen, Bezirksamt Überlingen liegende Hödinger Tobel wird in dem im § 2 Abs. 1 näher bezeichneten Umfange mit dem Tage der Bekanntgabe dieser Verordnung in das Reichsnaturschutzbuch eingetragen und damit unter den Schutz des Reichsnaturschutzgesetzes gestellt.

 

§ 2

 (1) Das Schutzgebiet hat eine Grösse von 27,71 ha und umfasst in der Gemarkung Hödingen die Grundstücke Lagerbuchnummer 89a, 93-95, 97-99, 100-102, 104-110, 112a, 113-115, 128, 129, 129/1, 130, 130/1, 131-133, 142-144, 150, 151, 541 z.T. und in der Gemarkung Sipplingen die Grundstücke Lagerbuchnummer 1259-1264, 1264/1, 1265-1267, 1267a, 1296, 1297, 1302, 2651 z.T.

(2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in eine Karte 1:25000 rot eingetragen die bei der obersten Naturschutzbehörde in Berlin niedergelegt ist. Weitere Ausfertigungen dieser Karte befinden sich bei der Reichsstelle für Naturschutz in Berlin, bei der höheren Naturschutzbehörde in Karlsruhe, der unteren Naturschutzbehörde in Überlingen, bei den Bürgermeistern in Hödingen und Sipplingen und dem Geschäftsführer der Landesnaturschutzstelle in Karlsruhe.

 

§ 3

Im Bereich des Schutzgebietes ist verboten:

·               a) Pflanzen zu beschädigen, auszureissen auszugraben oder Teile davon abzupflücken, abzuschneiden oder abzureissen,

·               b) freilebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, zu ihrem Fang geeignete Vorrichtungen anzubringen, sie zu fangen oder zu töten, oder Puppen, Larven, Eier oder Nester und sonstige Brut- und Wohnstätten solcher Tiere fortzunehmen oder zu beschädigen, unbeschadet der berechtigten Abwehrmassnahmen gegen Kulturschädlinge und sonst lästige oder blutsaugende Insekten,

·               c) Pflanzen oder Tiere einzubringen,

·               d) die Wege zu verlassen, zu lärmen, Feuer anzumachen, Abfälle wegzuwerfen oder das Gelände auf andere Weise zu beeinträchtigen,

·               d) Bodenbestandteile abzubauen, Sprengungen oder Grabungen vorzunehmen, Schutt oder Bodenbestandteile einzubringen oder die Bodengestalt einschliesslich der natürlichen Wasserläufe oder Wasserflächen auf andere Weise zu verändern oder zu beschädigen,

·               f) Bild- und Schrifttafeln anzubringen, soweit sie nicht auf den Schutz des Gebietes hinweisen.

 

§ 4

 (1) Unberührt bleiben:

·               a) die rechtmässige Ausübung der Jagd und Fischerei,

·               b) die landwirtschaftliche Nutzung der Wiesen unter Ausschluss jeder Kulturänderung,

·               c) die forstliche Bewirtschaftung und Nutzung unter Wahrung des Charakters als Schutzgebiet und bei Vermeidung von Kahlschlägen.

 (2) In besonderen Fällen können Ausnahmen von den Vorschriften dieser Verordnung von mir genehmigt werden.

 

§ 5

Wer den Bestimmungen dieser Verordnung zuwiderhandelte wird nach den §§ 21 und 22 des Reichsnaturschutzgesetzes und den §§ 15 und 16 der Durchführungsverordnung bestraft.

 

§ 6

Diese Verordnung tritt mit ihrer Bekanntgabe im Amtsblatt des Badischen Ministeriums des Kultus und Unterrichts in Kraft.

 

Karlsruhe, den 21. Oktober 1938,

Der Badische Minister des Kultus und Unterrichts 

- als höhere Naturschutzbehörde -

In Vertretung

Frank