4.080 Hochberg

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Hochberg« vom 20.November 1995 (GBl. v. 02.01.1996 S. 18)

Auf Grund von § § 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29.März 1995 (GBl. S. 385) und von § 22 Abs. 2 und § 33 Abs. 2 Nr. 4 Landesjagdgesetz (LJagdG) in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Stadt Albstadt, Gemarkung Tailfingen, Zollernalbkreis, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Hochberg«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von 17,6 ha. Es umfaßt auf Gemarkung Tailfingen die Flurstücke Nrn. 3843/1 teilweise, 3844-3857, 3858/1, 3858/2, 3859-3863, 3864/1, 3865-3868, 3869/1, 3869/2, 3870, 3871, 3872/1-/3, 3873-3880, 3882, 3884 /2, 3885-3892, 3893 teilweise, 3907-3932, 3933/1, 3933/2, 3934-3937, 3938/1, 3938/2, 3939/1, 3939/2, 3940, 3941, 4030-4035, 4036/1 und 4036/2.

 (2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 21. April 1993 im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Im Falle des Widerspruchs zwischen der textlichen Beschreibung und der zeichnerischen Darstellung gelten die in der Karte getroffenen Festlegungen. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen, beim Landratsamt Zollernalbkreis in Balingen und beim Bürgermeisteramt Albstadt in Albstadt auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 (3) Die Verordnung mit Karte ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 4 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung, Pflege und Verbesserung eines vielfältig strukturierten Landschaftsteils mit der daran gebundenen extensiven land- und forstwirtschaftlichen Nutzung als Lebensraum für gefährdete und geschützte Pflanzen- und Tierarten sowie als kulturhistorisches Relikt.

Von besonderer ökologischer Bedeutung sind hierbei

·               die Magerrasen,

·               die Feuchtflächen,

·               die Einzelbäume und Baumgruppen,

·               die Heckenbestände,

·               die Saumgesellschaften,

·               die Nadelwaldbestände mit der daran gebundenen Bodenvegetation,

·               der naturnahe Buchenwald.

Auf Grund der außergewöhnlich großen Vielfalt an verzahnten und miteinander vernetzten Biotopstrukturen stellt das Gebiet in seiner Gesamtheit einen bedeutenden Lebensraum für Kleintiere und Pflanzen dar. Es weist insbesondere seltene Schmetterlings-, Käfer-, Spinnen- und Orchideenarten auf.

 

§ 4 Verbote

 (1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 (2) Zum Schutz von Tieren und Pflanzen ist es verboten:

1.            Pflanzen oder Pflanzenteile einschließlich Totholz einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

2.            Gesteinsteile zu entnehmen;

3.            Standorte besonders geschützter Pflanzen durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu beeinträchtigen oder zu zerstören;

4.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

5.            wildlebende Tiere an ihren Nist-, Brut- und Wohn- oder Zufluchtstätten durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu stören;

6.            Hunde frei laufen zu lassen.

 (3) Verboten ist es, bauliche Maßnahmen durchzuführen und vergleichbare Eingriffe vorzunehmen, wie:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, Sport-, Spiel- oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten;

2.            Wege oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern;

4.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen, mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen.

 (4) Bei der Nutzung der Grundstücke ist es verboten:

1.            die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Auffüllungen oder Abgrabungen;

2.            Art und Umfang der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

3.            neu aufzuforsten oder Christbaum- und Schmuckreisigkulturen und Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen;

4.            Grünland in Acker- oder Gartenland umzuwandeln;

5.            das Schutzgebiet zu beweiden;

6.            chemische oder biologische Mittel zur Bekämpfung von Schad(stoff)organismen und Pflanzenkrankheiten sowie Wirkstoffe, die den Entwicklungsablauf von Pflanzen beeinflussen, anzuwenden;

7.            Düngemittel auszubringen oder zu lagern.

 (5) Insbesondere bei Erholung, Freizeit und Sport ist es verboten:

1.            die zugelassenen Wege zu verlassen;

2.            zu reiten;

3.            das Gebiet mit Fahrzeugen aller Art, ausgenommen Krankenfahrstühle, zu befahren;

4.            zu zelten, zu lagern, Feuer zu machen, Wohnwagen oder Verkaufsstände aufzustellen oder Kraftfahrzeuge abzustellen;

5.            Luftfahrzeuge, insbesondere Luftsportgeräte und Flugmodelle, zu starten oder zu landen.

 (6) Weiter ist es verboten:

1.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu hinterlassen oder zu lagern;

2.            Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen.

 

§ 5Zulässige Handlungen

 (1) Für die landwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß und in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und in bisheriger Intensität erfolgt. Voraussetzung ist weiter, daß:

1.            die Bodengestalt nicht verändert wird;

2.            durch Entwässerungs- oder andere Maßnahmen der Wasserhaushalt nicht verändert wird;

3.            Grünland nicht umgebrochen wird;

4.            Mittel im Sinne von § 4 Abs. 4 Nr. 6, insbesondere Pflanzenschutzmittel nicht verwendet werden;

5.            landwirtschaftliche Produkte und Düngemittel nicht gelagert werden;

6.            auf den Mähflächen der erste Schnitt nach dem 15. Juli erfolgt.

 (2) Für die forstwirtschaftliche Nutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß und in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und in bisheriger Intensität erfolgt. Voraussetzung ist weiter, daß:

1.            die Kiefern- und Fichtenbestände auf den Grundstücken des Bunds Naturschutz Neckar-Alb, soweit sie Moderorchideen enthalten, erhalten bleiben;

2.            auf Flst. 3843/1 eine standortgemäße, an der natürlichen Waldgesellschaft orientierte dauerwaldartige und ausschließlich auf Naturverjüngung basierende plenter- bis femelartige Bewirtschaftung erfolgt.

 (3) Für die Ausübung der Jagd gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß erfolgt, der Schutzzweck gefördert wird und für die natürliche Wiederverjüngung des Walds tragbare Wildbestände angestrebt werden.

Voraussetzung ist weiter, daß:

1.            keine Wildäcker, Futterstellen und Salzlecken eingerichtet werden;

2.            Kirrungen nur zurückhaltend erfolgen und vom Wild nicht angenommene Ausbringungen beseitigt werden;

3.            neue Hochsitze nur als einfache Ansitzleitern aus naturbelassenen Rundhölzern errichtet werden. Die Zahl der Hochsitze im Schutzgebiet darf nicht erhöht werden;

4.            das Schutzgebiet im Zusammenhang mit der Ausübung der Jagd nur bei unabweisbarem Bedarf und nur auf Wegen mit Kraftfahrzeugen befahren wird.

 (4) Unberührt bleibt die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke einschließlich der jährlichen militärischen Sicherungsübung sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung.

 (5) Unberührt bleibt auch die bestimmungsgemäße Nutzung, Unterhaltung und Instandsetzung der öffentlichen Straßen, Gewässer und Wege, sonstiger Ver- und Entsorgungsanlagen sowie Fernmeldeanlagen.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden durch die höhere Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung - im Wald im Einvernehmen mit dem Forstamt - festgelegt. § 4 der Verordnung ist insoweit nicht anzuwenden.

 

§ 7 Gestaltungsmaßnahmen

Bauliche Anlagen, die ohne die erforderliche behördliche Genehmigung errichtet wurden, sind zu beseitigen. Gelagerte Substanzen im Sinne von § 4 Abs. 4 Nr. 7 sind zu entfernen.

 

§ 8 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 9 Ordnungswidrigkeiten

 (1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 verbotenen Handlungen vornimmt.

 (2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 und § 5 Abs. 3 die Jagd ausübt.

 

§ 10 Inkrafttreten

 (1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 (2) Gleichzeitig tritt die bisherige Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen vom 24.November 1980 über das Naturschutzgebiet »Hochberg« außer Kraft. Dies gilt auch für die Verordnung des Landratsamts Zollernalbkreis über das Landschaftsschutzgebiet »Albstadt-Bitz« vom 7. September 1983, soweit sie sich auf den Geltungsbereich dieser Verordnung bezieht.

 

TÜBINGEN, den 20. November 1995

DR. GÖGLER