4.084 Leimen

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen als höhere Naturschutz- und obere Jagdbehörde über das Naturschutzgebiet »Leimen« vom 24. November 1980 (GBl. v. 18.12.1980, S. 618).

Auf Grund von § 21 und § 58 Abs.2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz -NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654) und von § 22 Abs.2 Landesjagdgesetz in der Fassung vorn 20. Dezember 1978 (GBI. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Stadt Albstadt, Gemarkung Tailfingen und Truchtelfingen, Landkreis Zollernalbkreis, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Leimen«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von 25,33 ha. Es umfaßt

1.            auf Gemarkung Tailfingen das Flurstück 5311/2 soweit es südöstlich der Verbindungslinie zwischen dem südwestlichsten Grenzstein des Flurstücks 5311/1, Gewann »Unter Leimen«, dem Polygonpunkt 306 und der gemeinsamen Grenze der Flurstücke 5434/1 und 5433, Gewann »Leimen« liegt und die Flurstücke 5466 bis 5470;

2.            auf Gemarkung Truchtelfingen das Flurstück 2896 a, Gewann »Aisental«, soweit es nordöstlich der Verbindungslinie zwischen dem südlichsten Grenzstein von Flurstück 5466 (Gemarkung Tailfingen) und dem östlichsten Grenzstein des Flurstücks 2896 a liegt, die Flurstücke 2920 a/b, 2604 a; die nördlichen Teile der Flurstücke 2608 bis 2611, den Feldweg 2921, soweit er durch Flurstück 2920 a/b und 2604 a führt, die Flurstücke 2614, 2603, 2578, 2577, 2477, 2476, 2463, 2969/3 und die Feldwege 20/2 bis 20/7, soweit sie nördlich der Südgrenze von Flurstück 2463 liegen.

 (2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 28. Juli 1980 im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen als höhere Naturschutzbehörde in Tübingen verwahrt; eine Ausfertigung befindet sich beim Landratsamt Zollernalbkreis als untere Naturschutzbehörde in Balingen. Die Verordnung mit Karte kann während der üblichen Sprechzeiten eingesehen werden.

 

§ 3 Schutzzweck

Der Schutzzweck ist die Erhaltung des Felsbiotops von zwei Bergkuppen mit verschwammtem Kalkgestein sowie einem außerordentlich langen Wacholderheidegürtel mit achtundzwanzig geschützten Pflanzenarten. Im Norden und Süden befinden sich Quellhorizonte mit interessanter Vegetation.

 

§ 4 Verbote

 (1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, Sport‑, Spiel‑ oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes entgegen dem Schutzzweck verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild‑ oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            Aufforstungen vorzunehmen oder sonstige Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut‑, Wohn‑ oder Zufluchtsstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        das Schutzgebiet zu betreten oder zu befahren;

12.        Feuer zu machen;

13.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

14.        Düngstoffe oder Chemikalien einzubringen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 (1) § 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

2.            für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung als Sommerschafweide und die forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

3.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung,

4.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle veranlaßt werden;

5.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 (2) Im Schutzgebiet ist auf dem in der Karte braun angelegten und in § 2 Abs. 1 Nr. 2 genannten Feldwegen das Reiten und Fahren mit bespannten Fahrzeugen zulässig.

 

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 des Naturschutzgesetzes Befreiung erteilt erden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

 (1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Abs. 1 Nr. 2 und 3 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 (2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Abs. 1 Nr. 1 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 8 Inkrafttreten

 (1) Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 (2) Gleichzeitig tritt die Verordnung des Landratsamts in Balingen als untere Naturschutzbehörde zum Schutze der Sommerschafweiden als Landschaftsteile im Kreis vom 10. Februar 1939 (Amtsblatt »Der Wille« vom 14.Februar 1939) soweit sie die »Sommerschafweiden beim Waldteil Leimen südöstlich von Tailfingen« betrifft ganz und soweit sie die »Sommerschafweide beim Gewann Höldertal« betrifft insoweit außer Kraft, als durch sie das in § 2 beschriebene Naturschutzgebiet betroffen ist.

 

TÜBINGEN, den 24. November 1980

DR. GÖGLER