4.086 Blauer Steinbruch

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen als höhere Naturschutz- und obere Jagdbehörde über das Naturschutzgebiet »Blauer Steinbruch« vom 12. Dezember 1980 (GBl. v. 13.02.1981, S. 70).

Auf Grund von § 21 und § 58 Abs. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz-NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654) und von § 22 Abs. 2 des Landesjagdgesetzes vom 15. März 1954 in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Ehingen, Alb-Donau-Kreis, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Blauer Steinbruch«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von 5,1981 ha. Innerhalb des Naturschutzgebietes liegen Teile der Flurstücke 2490/1 und 2496/1 der Gemarkung Ehingen.

 (2) Das Schutzgebiet wird wie folgt begrenzt:

1.            im Nordosten durch die nordöstliche Grenze der Flurstücke 2496/1 und 2490/1;

2.            im Süden durch die Grenze zwischen den Flurstücken 2378 und 2490/1 bis zur Südwestecke von Flurstück 2378, weiter entlang der in die Flurkarte eingetragenen Nutzungsgrenze nach Westen bis zum Knickpunkt des Weges ohne Nummer;

3.            im Südwesten entlang der Nordostseite des Weges ohne Nummer und in dessen Verlängerung bis zur Südecke des Flurstückes 2496/1, entlang der Südgrenze dieses Flurstückes nach Osten bis zur Böschungsoberkante des Steinbruches und dieser folgend bis zu dessen Nordwestecke;

4.            im Norden entlang der Böschungsoberkante des Steinbruches von dessen Nordwestecke bis zur Nordostgrenze des Flurstückes 2496/1.

 (3) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 17. Juni 1979 im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen als höhere Naturschutzbehörde in Tübingen verwahrt; eine Ausfertigung befindet sich beim Landratsamt Alb-Donau-Kreis als untere Naturschutzbehörde in Ulm. Die Verordnung mit Karte kann während der üblichen Sprechzeiten eingesehen werden.

 

§ 3 Schutzzweck

Schutzzweck ist die Erhaltung eines Lebensraumes zahlreicher geschützter Pflanzen‑ und Tierarten, vor allem von Amphibien und Reptilien sowie von Insekten.

 

§ 4 Verbote

 (1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs‑ oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes entgegen dem Schutzzweck verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild‑ oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut‑, Wohn‑ oder Zufluchtsstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.        zu zelten, zu baden, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        das Schutzgebiet zu befahren oder außerhalb der Wege zu betreten;

12.        Feuer zu machen;

13.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß keine jagdlichen Einrichtungen erstellt werden dürfen;

2.            für die Schafbeweidung der Halbtrockenrasen im Westen und Süden des Schutzgebietes mit der Maßgabe, daß keine Pferche verwendet werden dürfen und die Tiere von den Wasserflächen fernzuhalten sind;

3.            für im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde im Umfang begrenzte Auffüllungen mit Bauaushub der Stadt Ehingen an der Ostseite des Naturschutzgebietes;

4.            für die Unterhaltung der 110‑kV‑Leitung Schmiechen-Munderkingen;

5.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle veranlaßt werden;

6.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 des Naturschutzgesetzes Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

 (1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Nr. 2 und 3 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 (2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Nr. 1 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 8 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 

TÜBINGEN, den 12.Dezember 1980

DR. GÖGLER