4.092 Sulzeiche

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet »Sulzeiche«. vom 16.November 1981 (GBl. v. 29.12.1981, S. 621).

Auf Grund von § 21 und § 58 Abs.2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz-NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Walddorfhäslach, Landkreis Reutlingen, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Sulzeiche«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von 1,8468 ha. Es umfaßt auf Gemarkung Häslach das Flurstück 1238 und den südlichsten Teil des Flurstücks 1359 mit Ausnahme des durch die Verordnung des Landratsamtes Reutlingen als untere Naturschutzbehörde zum Schutz von Naturdenkmalen im Landkreis Reutlingen vom 19. Dezember 1979 (Reutlinger Generalanzeiger, Reutlinger Nachrichten ‑ Kreisausgabe ‑ und Reutlinger Amtsblatt jeweils vom 21. Dezember 1979) geschützten Naturdenkmals Nr.415.971 »Sulzeiche«.

Es wird wie folgt begrenzt:

1.            im Süden durch den Feldweg 263;

2.            im Westen durch die Gemarkungsgrenze;

3.            im Norden durch die 20 Meter nördlich des Feldwegs 14 verlaufende Nutzungsgrenze zwischen einem lichten Buchen-Eichenwald und einer Kiefer-Pflanzung;

4.            im Osten durch den Feldweg 20 und bei Flurstück 1408 durch den Verbindungsweg zwischen Feldweg 20 und 263.

 (2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 10. November 1981 im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen als höhere Naturschutzbehörde in Tübingen verwahrt; eine Ausfertigung befindet sich beim Landratsamt Reutlingen als untere Naturschutzbehörde in Reutlingen. Die Verordnung mit Karte kann während der üblichen Sprechzeiten eingesehen werden.

 

§ 3 Schutzzweck

Schutzzweck ist die Erhaltung eines typischen, im weiten Umkreis einzigartigen Waldsaumbiotops mit seinen offenen Bodenflächen, Magerrasen und einer angepaßten einzigartigen Insektenfauna.

 

§ 4 Verbote

 (1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, Sport‑, Spiel‑ oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs‑ oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes entgegen dem Schutzzweck verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild‑ oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            Neuaufforstungen vorzunehmen oder sonstige Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut‑, Wohn‑ oder Zufluchtsstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

11.        das Schutzgebiet außerhalb der Wege zu betreten oder zu befahren;

12.        außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen Feuer zu machen;

13.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

14.        den Feldweg 14 zu befestigen, einzuschottern oder in anderer Weise zu verändern;

15.        Düngemittel oder Chemikalien einzubringen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd;

2.            für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) die Wiesenfläche im westlichen Teil des Flurstücks 1238 (in der Flurkarte im Maßstab 1:2500 schraffiert dargestellt) nur einmal im Jahr ab 15. August und der Restteil des Flurstücks zweimal wie bisher gemäht werden darf;
b) die Wiesenfläche im westlichen Teil des Flurstücks 1238 (in der Flurkarte im Maßstab 1:2500 schraffiert dargestellt) nicht gedüngt und im Restteil des Flurstücks wie bisher gedüngt werden darf;
c) abgängige Obstbäume durch neue hochstämmige Obstbäume ersetzt werden dürfen;

3.            für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

4.            für das Lagern ‑ ausgenommen organisierte Großveranstaltungen ‑ außerhalb des Waldes und des Obstbaumbestandes im Bereich des Naturdenkmals »Sulzeiche«;

5.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

6.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle ‑ für die Waldteile im Einvernehmen mit dem zuständigen staatlichen Forstamt ‑ veranlaßt werden;

7.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 des Naturschutzgesetzes Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Nr. 2 und 3 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 8 Inkrafttreten

 (1) Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 (2) Gleichzeitig tritt die Verordnung des Landratsamtes Tübingen als untere Naturschutzbehörde zum Schutz des Landschaftsschutzgebietes »Schönbuch« im Landkreis Tübingen vom 30.August 1967 (Schwäbisches Tagblatt vom 4. September 1967) insoweit außer Kraft, als durch sie das in § 2 beschriebene Naturschutzgebiet betroffen ist.

 

TÜBINGEN, den 16. November 1981 

DR. GÖGLER