4.103 Gründlenried - Rötseemoos

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen als höhere Naturschutz- und obere Jagdbehörde über das Naturschutzgebiet »Gründlenried-Rötseemoos« und das ihm zugeordnete Landschaftsschutzgebiet »Bundwiesen-Holzwank« vom 21. April 1983 (GBl. v. 27.05.1983, S. 192).

Auf Grund von § 21, § 22 (in Verbindung mit § 21 Abs. 5) und § 58 Abs. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz-NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654) und von § 22 Abs. 2 Landesjagdgesetz in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Kißlegg, Landkreis Ravensburg, werden zum Natur- bzw. Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Gründlenried-Rötseemoos« und das Landschaftsschutzgebiet die Bezeichnung »Bundwiesen-Holzwank«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Die Größe des Naturschutzgebietes beträgt 348,56 ha, die des Landschaftsschutzgebietes 62,76 ha. Sie umfassen auf den Gemarkungen Immenried, Wiggenreute und Emmelhofen folgende Flurstücke, Flurstücksteile und Gewässer entsprechend der Darstellung in der Flurkarte:

1.            Das Naturschutzgebiet umfaßt die Flurstücke und Flurstücksteile
1.1 auf Gemarkung Immenried die Flurstücke 461 bis 463,
1.2 auf Gemarkung Kißlegg Flur 4 Wiggenreute die Fläche
a) östlich der im Schutzgebiet liegenden Gründlenach (Bach 3)
b) nördlich des im Schutzgebiet liegenden Moosbach (Bach 2), sowie nördlich der Flurstücke 398/1, 399/1, 400/1, /2, /3 und /4 und 401,
1.3 auf Gemarkung Kißlegg Flur 2 Emmelhofen die Fläche
a) nördlich der im Schutzgebiet liegenden Flurstücke und Flurstücksteile, Wege und Gewässer 156/2, 157/2, 155/3, 155/5 und /6, 155/9, Moosbach (Bach 1), 158/3, 158/ 6, 158/8, 160, 147, 141 (nördlicher Teil) Feldweg Nr. 7, 139 (nordwestlicher Teil), 140, 106/1 (K 7902), 136, 137,
b) westlich der im Schutzgebiet liegenden Flurstücke 134, 15, 16, 17, 18, 20 jeweils 30 m entlang der westlichen Flurstücksgrenze), Feldweg 28 soweit er an diese Flurstücksteile angrenzt, 25/2,
c) südlich der im Schutzgebiet liegenden Flurstücke 28/1, 9, 8/3, 3/4, 172/1 und /2, 171, 170, 169 und 168.

2.            Das Landschaftsschutzgebiet umfaßt die Flurstücke und Flurstücksteile
2.1 auf Gemarkung Immenried die Flurstücke 197 bis 200, Wassergraben Nr. 3, 228 (östlicher Teil), 201, 202/1, /2, 202/4, /5 und 202/3 (westlicher Teil),
2.2 auf Gemarkung Kißlegg Flur 4 Wiggenreute die Fläche
a) westlich der Gründlenach (Bach 3) und westlich der Flurstücke 397/2, 381 bis 383,
b) nördlich des Flurstücks 375/5,
c) östlich der Flurstücke 389, 391, 407/1 und /2, 409, 411/7 und /6, 422 (östlicher Teil), 421/8 und /9 östlicher Teil 421/1, 421/11 und 421/6, d) südlich des Flurstücks 4 20/4, sowie Bach 2 (Moosbach) und Bach 4 ( Immenrieder Ach) im umgrenzten Gebiet.

 (2) Die Grenzen des Natur- und Landschaftsschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 21. Februar 1983 im Maßstab 1:2500 und einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet wobei die Grenzen des Naturschutzgebietes rot und des Landschaftsschutzgebietes grün angelegt sind. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen als höhere Naturschutzbehörde verwahrt; eine Ausfertigung befindet sich beim Landratsamt Ravensburg als untere Naturschutzbehörde in Ravensburg. Die Verordnung mit Karte kann während der Dienststunden eingesehen werden.

 

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung der ursprünglichen Moorlandschaft mit offenen und bewaldeten Hochmoorflächen sowie Zwischen- und Niedermoorbereichen mit ausgeprägter Zonierung. Es ist ein weitgehend intakter Lebensraum von hohem ökologischen Wert in dem zahlreiche seltene Pflanzen- und Tierarten überleben konnten.

 

§ 4 Verbote

 (1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, Sport-, Spiel- oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes entgegen dem Schutzzweck verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            Neuaufforstungen vorzunehmen oder sonstige Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtsstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        das Schutzgebiet außerhalb der besonders bezeichneten Wege zu betreten oder zu befahren;

12.        den Rötsee mit Wasserfahrzeugen aller Art zu befahren;

13.        Feuer zu machen;

14.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

15.        Düngemittel oder Chemikalien einzubringen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

2.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

3.            für die ordnungsgemäße Ausübung der forstwirtschaftlichen Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß die Bewirtschaftung auf Mineralböden als Alterskllassenwald und auf Moorböden als Moorplenterwald erfolgt;

4.            für die ordnungsgemäße ortsübliche landwirtschaftliche Grünlandnutzung nach dem jeweiligen Stand der Technik, in dem nachstehend aufgeführten Umfang.
4.1 Die Nutzung der Streuwiesen (in der Flurkarte schraffiert dargestellte Flächen) auf Gemarkung Kißlegg Flur 2 Emmelhofen, die Flurstücke Nr. 15 nordöstlicher Teil, 17 westlicher Teil, 135 nordöstlicher Teil, 155/3 nordwestlicher Teil, 155/5 nordwestlicher Teil, 170 nordöstlicher Teil, 172/2 nördlicher Teil und auf Gemarkung Kißlegg Flur 4 Wiggenreute die Flurstücke Nr. 396 östlicher Teil, 400/1 südlicher Teil, 400/2 südlicher Teil, 400/3 südlicher Teil, 400/4 südlicher Teil, 403 südlicher und östlicher Teil, 404/2, 405, 406/1, 416 westlicher Teil, 417 östlich Bach 3 (Gründlenach) mit der Maßgabe, daß keine Düngung und der erste Schnitt nicht vor dem 1. September erfolgt.
4.2 Als ordnungsgemäße Bewirtschaftung des Wirtschaftsgrünlandes ist zulässig:
a) die mineralische Düngung und das Düngen mit Festmist von insgesamt höchstens 30 kg N (Stickstoff), 60 kg P2O5 (Phosphat) und 170 kg K2O (Kali) je Hektar und Jahr, auf den Flurstücken 167, 168, 169, 170, 171 und 173; 404/1, 413, 414, 400/5, /6, /7 und /8, 401, 402, 399/2, 399/1, 400/1 bis 400/4 soweit nicht Streuwiese, 155/3 soweit nicht Streuwiese, 155/5 und /6, 155/9, 156/2, 157/2, 158/3, /6 und /8, 161 soweit nicht Streuwiese, 134, 137, 15, 16, 17, 18 und 20 soweit diese im Schutzgebiet liegen, sowie Flurstück Nr. 12 und 28/1;
b) auf den Flurstücken 413 und 414 die Beweidung während der Vegetationszeit;
c) die von Hand oder maschinell vorgenommene Pflege und Unterhaltung der Vorfluter und offenen Gräben und die Unterhaltung der vorhandenen Drainagen sowie die Herbstweide;
d) die auf Mindestmaß beschränkte Bekämpfung einzelner Unkräuter wie Ampfer und Taubnessel;

5.            für die Torfentnahme im Handstichverfahren im Rötseemoos und im Gründlenmoos beschränkt auf die in der Flurkarte gekreuzt schraffiert dargestellte Fläche (zwischen den beiden bestehenden Schalten);

6.            6.1 für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;
6.2 für die Anlage weiterer Forstwirtschaftswege gemäß der Karte vom 18. Februar 1983 (Diese Karte ist Bestandteil der Verordnung);
6.3 für die zur Erhaltung des Rötsees notwendigen Maßnahmen mit Duldung durch den Grundstückseigentümer - eine Absenkung soll nur im Einvernehmen mit dem Grundstückseigentümer erfolgen;

7.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle - im Wald im Einvernehmen mit der zuständigen Forstverwaltung, auf landwirtschaftlicher Nutzfläche im Einvernehmen mit dem zuständigen Landwirtschaftsamt - veranlaßt werden;

8.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Schutzzweck des Landschaftsschutzgebietes

Schutzzweck ist die ungeschmälerte Erhaltung der mit dem Naturschutzgebiet naturräumlich zusammenhängenden randlichen Grünzone und die Verhinderung nachteiliger optischer und ökologischer Einflüsse auf das Naturschutzgebiet durch störende oder den Naturhaushalt beeinträchtigende Veränderungen der Umgebung.

 

§ 7 Verbote im Landschaftsschutzgebiet

Im Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Naturschutz- und Landschaftsschutzgebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere wenn dadurch

1.            der Naturhaushalt geschädigt,

2.            die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,

3.            eine geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert,

4.            das Landschaftsbild nachteilig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt oder

5.            der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.

6.            Es darf kein Umbruch der Wiesen in Ackerland erfolgen.

7.            Es dürfen keine neuen Entwässerungseinrichtungen eingerichtet werden.

 

§ 8 Erlaubnisvorbehalt im Landschaftsschutzgebiet

 (1) Handlungen, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis der höheren Naturschutzbehörde.

 (2) Der Erlaubnis bedürfen insbesondere die in § 4 Abs.2 Nr. 1 bis 14 dieser Verordnung genannten Handlungen.

 (3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlungen Wirkungen der in § 7 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, unter Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, daß die Wirkungen der Handlung dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen.

 

§ 9 Zulässige Handlungen im Landschaftsschutzgebiet

 (1) Die Nutzung der Streuwiesen (in der Flurkarte schraffiert dargestellte Flächen) Flurstücke Nr. 201 südlicher Teil, 202/1 südwestlicher Teil, 202/2, /4 und /5; 420/1 teilweise, 420/4 westlicher Teil, 421/1 östlicher Teil, 421/2 östlicher Teil, 421/3, 421/5 östlicher Teil, 421/6 teilweise, 421/9 teilweise, 411/1 teilweise, 411/3 nördlicher Teil, 411/6 nordöstlicher Teil und 418 nordwestlicher Teil hat mit der Maßgabe zu erfolgen, daß kein Dünger eingebracht und der erste Schnitt nicht vor dem 1. September durchgeführt wird.

 (2) Die § 7 Nr. 1 bis 5 und § 8 gelten nicht für die Nutzung im Rahmen einer ordnungsgemäßen Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Grundstücke sowie für die in § 5 Nr. 1, 2, 3, 5 und 6 genannten Handlungen.

 

§ 10 Befreiung

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 11 Ordnungswidrigkeiten

 (1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs.1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet

1.            vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Nr. 2, 3, 4, 5 und 6 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt;

2.            entgegen § 22 Abs. 3 des Naturschutzgesetzes in Verbindung mit § 7 dieser Verordnung Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen;

3.            entgegen § 8 dieser Verordnung ohne vorherige schriftliche Erlaubnis Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können.

 (2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 und § 5 Nr. 1 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 12 Inkrafttreten

 (1) Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 (2) Gleichzeitig tritt die Verordnung des Landratsamtes Ravensburg über das Landschaftsschutzgebiet »Rötsee« vom 26. Februar 1979 (GBl. 1980 S. 69) außer Kraft, soweit sie sich auf den Geltungsbereich dieser Verordnung bezieht.

 

TÜBINGEN, den 21. April 1983

DR. GÖGLER