4.104 Kapfhalde

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet »Kapfhalde« vom 9. Mai 1983 (GBl. v. 16.06.1983, S. 205).

Auf Grund von § 21 und § 58 Abs. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz -NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Rottenburg a.N., der Gemeinden Hirrlingen und Starzach, Landkreis Tübingen und der Gemeinde Rangendingen, Zollernalbkreis werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Kapfhalde«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca. 11,8 ha. Es umfaßt

1.            Im Landkreis Tübingen:
a) auf dem Gebiet der Stadt Rottenburg a.N., Gemarkung Frommenhausen die Flurstücke 1815/1 bis /10, und die Starzel (Bach 1), soweit sie an diese Flurstücke angrenzt;
b) auf dem Gebiet der Gemeinde Starzach, Gemarkung Wachendorf den Teil der Starzel, der an die zum Naturschutzgebiet gehörende Starzel der Gemarkung Frommenhausen angrenzt;
c) auf dem Gebiet der Gemeinde und Gemarkung Hirrlingen das Flurstück 478;

2.            im Zollernalbkreis:
auf dem Gebiet der Gemeinde Rangendingen, Gemarkung Bietenhausen die Flurstücke 218 bis 221, 223/1 und /2, 224 bis 231, 233, 235, 13168 bis 1379, die Teile der Flurstücke 217 und 1359, die nördlich der Verbindungsgeraden zwischen dem östlichen Eckpunkt des Flurstücks 134 und dem im Südosten nächstliegenden Eckpunkt des Flurstücks 1359 liegen, sowie die Starzel (Flurstück 1341), soweit sie an diese Flurstücke angrenzt.

 (2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 23. Februar 1981 im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen als höhere Naturschutzbehörde in Tübingen verwahrt; eine Ausfertigung befindet sich beim Landratsamt Tübingen und Zollernalbkreis als untere Naturschutzbehörde in Tübingen und Balingen. Die Verordnung mit Karte kann während der Dienststunden eingesehen werden.

 

§ 3 Schutzzweck

Schutzzweck ist die Erhaltung des naturhaften und landschaftlich reizvollen rechten Prallhanges der Starzel mit seiner begleitenden Vegetation und entsprechender Fauna, die Erhaltung und Förderung dieser hier in zahlreichen Arten vorkommenden Pflanzen- und Tiergesellschaften.

 

§ 4 Verbote

 (1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, Sport-, Spiel- oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes entgegen dem Schutzzweck verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            Neuaufforstungen vorzunehmen oder sonstige Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtsstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        das Schutzgebiet außerhalb der Wege zu betreten oder zu befahren;

12.        außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen Feuer zu machen;

13.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

14.        Felsen zu verändern oder zu zerstören.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd;

2.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei;

3.            für die ordnungsgemäße land- und forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

4.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle
-für die Waldteile im Einvernehmen mit dem zuständigen staatlichen Forstamt - veranlaßt werden;

6.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Nr. 1, 2, 3 und 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 8 Inkrafttreten

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 

TÜBINGEN, den 9. Mai 1983

DR. GÖGLER