4.105 Filsenberg

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet »Filsenberg« vom 18. Mai 1983 (GBl. v. 24.06.1983, S. 224)

Auf Grund von § 21 und § 58 Abs. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz-NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Mössingen, Landkreis Tübingen, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Filsenberg«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von 35,8 ha. Es umfaßt auf Gemarkung Öschingen die - entgegen dem Uhrzeigersinn beschriebenen - Flurstücke, Flurstücksteile und Wege 6011, 6012, Feldweg 67, 6013, Feldweg 68, 6015, 6014, Feldweg 70, 6018, 6019 und 6021 (nördlicher Teil), Feldweg Nr. 28/3, 6022 (südwestlicher Teil), 6023 (südwestlicher Teil), 6024 (nördlicher Teil), Feldweg Nr. 71 und 73, 6027, 6028, Feldweg Nr. 72, 6031, 6029, Feldweg Nr. 74, 6030, 6026, 6025, 6017, 6016.

 (2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 20. Dezember 1982 im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen als höhere Naturschutzbehörde in Tübingen verwahrt; eine Ausfertigung befindet sich beim Landratsamt Tübingen als untere Naturschutzbehörde in Tübingen. Die Verordnung mit Karte kann während der Dienststunden eingesehen werden.

 

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung der extensiv genutzten Hochwiesen mit einer Vielfalt seltener, gefährdeter und geschützter wärme- und trockenheitsliebender Pflanzenarten, der mit den Pflanzengesellschaften eng verbundenen Fauna und der kulturhistorischen Bedeutung der einmähdigen Magerwiesen als Rest früherer Bewirtschaftungsweise.

 

§ 4 Verbote

 (1) in dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, Sport-, Spiel- oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes entgegen dem Schutzzweck verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            Aufforstungen vorzunehmen oder sonstige Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtsstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        auf dem Schutzgebiet Starts oder Landungen mit Hängegleitern oder Modellflugzeugen durchzuführen sowie Sommerski zu fahren;

12.        das Schutzgebiet zu befahren;

13.        Treibjagden zu Pferde (Reitjagden oder Fuchsjagden) durchzuführen;

14.        das Schutzgebiet außerhalb der Wege und des Rastplatzes am Teufelsloch in der Zeit vom 1. April bis 15. Juli zu betreten sowie Massenveranstaltungen durchzuführen;

15.        außerhalb der zugelassenen Feuerstellen Feuer zu machen;

16.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

17.        Düngemittel oder Chemikalien einzubringen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd;

2.            für ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
2.1 auf den Parzellen 6012 (soweit bisher ungedüngt), 6017 (soweit bisher ungedüngt), 6018 (soweit bisher ungedüngt), 6025, 6027 und 6029 (soweit bisher ungedüngt) der Einsatz von Düngemittel untersagt ist,
2.2 auf den Parzellen 6012, 6013, 6014, 6015, 6017 (soweit bisher gedüngt), 6018, 6021 (beide soweit bisher gedüngt), 6025, 6026, 6027, 6029 und 6030 (soweit bisher gedüngt) eine einmalige Düngegabe von höchstens 10 kg Phosphor und 16 kg Kali je Hektar und Jahr und
2.3 auf den Parzellen 6013, 60151, 6016, 6022, 6024, 6028 und 6031 eine einmalige Düngegabe von höchstens 10 kg Stickstoff, 10 kg Phosphor und 16 kg Kali je Hektar und Jahr erlaubt ist und
2.4 die Wiesen nur einmal jährlich ab 10. Juli gemäht werden dürfen und die Schafbeweidung erst ab 15. August erfolgt.
Der Einsatz von Pflanzenschutzmittel bleibt verboten.

3.            für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang, einschließlich der bisher üblichen Lagerung von Holz entlang der Wege außerhalb der Vegetationszeit;

4.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle veranlaßt werden;

6.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Nr. 2, 3 und 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 8 Inkrafttreten

 (1) Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 (2) Gleichzeitig tritt die Verordnung des Landratsamts Tübingen über das Landschaftsschutzgebiet »Albrand« im Landkreis Tübingen vom 8. August 1969 (Schwäbisches Tagblatt vom 8.August 1969) außer Kraft, soweit sie sich auf den Geltungsbereich dieser Verordnung bezieht.

 

TÜBINGEN, den 18. Mai 1983

DR. GÖGLER