4.112 Rutschen

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Rutschen« vom 15. Oktober 1983 (GBl. v. 29.11.1983, S. 677), Berichtigung (GBl. v. 30.04.1985, S. 104).

Auf Grund von § 21 und § 58 Abs. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz ‑ NatSchG) vom 21.Oktober 1975 (GBl. S. 654) und von § 22 Abs. 2 Landesjagdgesetz in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinden Dettingen an der Erms, St. Johann, und der Stadt Bad Urach, Landkreis Reutlingen, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Rutschen «.

 

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von 350,96 ha (231,64 ha, nach Änderung). Es besteht im wesentlichen aus der oberen Hälfte des Albtraufs, dem Runden Berg und den Vorderen und Hinteren Brühl und umfaßt

·               a) auf Gemarkung Dettingen an der Erms den westlichen Teil von Flurstück 12108 (Gewann Roßberg mit Sonnenfels, Höllenlöcher und Gelber Fels);

·               b) auf Gemarkung St. Johann-Bleichstetten das Flurstück 736/1 (Gewann Felsenäcker);

·               c) auf Gemarkung Bad Urach die westlichen Teile der Flurstücke 2716/2 (Gewann Galgenberg, Kuhteich und Essenteich) und 2715 (Gewann Brunnenhäldle ohne Gütersteiner Wasserfall), Teile der Flurstücke 2702 (Gewann Fohlensteig und Der Runde Berg), 2699/1, 1792 (Gewann Hennensteig) und den Bach 2886 (Brühlbach mit Uracher Wasserfall) sowie ganz die Flurstücke 2701 (Gewann Runder Berg mit Rutschenfelsen), 2700/1 bis /6,2703, 1919 (Gewann Hinterer und Vorderer Brühl), 2704, 1790/2 (Gewann Hennensteig).

(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in 8 Flurkarten und 8 Höhenflurkarten des Regierungspräsidiums Tübingen vom 7. Oktober 1983 im Maßstab 1:2500 und in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung und die Karten werden beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen und beim Landratsamt Reutlingen in Reutlingen auf die Dauer von drei Wochen beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach ihrer Verkündung bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

Schutzzweck ist die Erhaltung von Lebensräumen, deren Nutzung wegen der hohen Reliefenergie erschwert ist und die daher naturnah geblieben sind:

1.            landschaftsprägende geologische Bildungen wie Felspartien und Kalktuffbildungen (Wasserfälle);

2.            trockenwarme bis humide Laubmischwaldgesellschaften, Felsstandorte mit Trockenrasen und Mauerfugengesellschaften sowie reliktische feuchtigkeitsgebundene Pflanzengesellschaften;

3.            Lebensräume zum Teil ausgesprochen seltener Insekten und Amphibien sowie engere Lebensräume insbesondere durch menschliche Störungen gefährdeter Fledermausarten und sehr seltener, zum Teil felsbewohnender Vogelarten;

4.            Grünland zur Vervollständigung der Lebensraumeinheit Wald/Wiese wegen der bestehenden und für die Erhaltung der faunistischen Lebensgemeinschaften notwendigen Wechselbeziehungen.

 

§ 4 Verbote

 (1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, Sport‑, Spiel‑ oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs‑ oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes entgegen dem Schutzzweck verändern, Quellen zu fassen;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild‑ oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            Neuaufforstungen vorzunehmen oder sonstige Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut‑, Wohn‑ oder Zufluchtsstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        Feuer zu machen;

12.        Höhlen zu betreten, durch Rauch zu beeinträchtigen;

13.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

14.        durch Beschilderung oder andere tatsächliche Hindernisse gesperrte Bereiche außerhalb der gekennzeichneten Wege und Pfade zu betreten oder zu befahren;

15.        im Schutzgebiet an den Felsen zu klettern;

16.        Düngemittel oder Chemikalien einzubringen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß zusätzliche jagdliche Einrichtungen (Hochsitze, Futterstellen) nur im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde errichtet bzw. angelegt werden dürfen;

2.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

3.            für ordnungsgemäße land‑ und forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß keine Herbizide verwendet werden dürfen;

4.            für das Reiten und Fahren mit bespannten Fahrzeugen auf den hierfür zugelassenen Wegen;

5.            für das Klettern an den Rutschenfelsen vom 15. Juni bis 15. September auf den acht gekennzeichneten Routen;

6.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

7.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle ‑ im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen staatlichen Forstamt ‑ veranlaßt werden;

8.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

 (1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Nr. 2 bis 7 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 (2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 und § 5 Nr. 1 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 8 Inkrafttreten

 (1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 (2) Gleichzeitig treten die Verordnung des Landratsamtes Reutlingen über das Landschaftsschutzgebiet »Reutlinger/Uracher Alb« vom 4.Januar 1974 (Münsinger Kreiszeitung Alb‑Bote vom 9. Januar 1974) insoweit außer Kraft, als sie von dem in § 2 beschriebenen Naturschutzgebiet umfaßt wird, und die Verordnung des Landratsamtes Reutlingen als untere Naturschutzbehörde zum Schutz von Naturdenkmalen im Landkreis Reutlingen vom 19.Dezember 1979 (Reutlinger Generalanzeiger, Reutlinger Amtsblatt ‑Amtsblatt der Stadt Reutlingen und des Landkreises Reutlingen, Reutlinger Nachrichten ‑ Kreisausgabe ‑ vom 21. Dezember 1979) insoweit außer Kraft, als sie auf Gemarkung Dettingen an der Erms, Gewann Roßberg, die Naturdenkmale Idf. Nr. 415.122 »Gönningers Höhle« und lfd. Nr.415.125 »Höllenlöcher«, Flurstück 12108 und auf Gemarkung Urach das Naturdenkmal lfd. Nr.415.914 »Gelber Fels«, Flurstück 2716/2, betreffen.

 

TÜBINGEN, den 15. Oktober 1983 

DR. GÖGLER

 

Berichtigung

Berichtigung der Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Rutschen« vom 15. Oktober 1983 [(GBl. S. 677) GBl. v.30.04.1985, s. 104).

 

In § 2 Abs. 1 Satz 1 ist die angegebene Größe von »350,96 ha« in »231,64 ha« zu ändern.

 

Änderungsverordnung

Änderungsverordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Rutschen« vom 9. Dezember 1997 (GBl. 21.01 1998, s. 24).

 

Auf Grund der §§ 21 und 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBl. S. 385) wird verordnet:

 

§ 1

 

Die Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Rutschen« vom 15.Oktober 1983 (GBl. S. 677) wird wie folgt geändert:

 

§ 5 (Zulässige Handlungen)

 

Ziff. 5 erhält folgende Fassung:

·               »a) für das Klettern ohne Kletterkursbetrieb an den Rutschenfelsen vom 15. Juli bis 30. September ausschließlich auf den acht markierten Routen und nur durch Zugang von oben und Abstieg durch die »Saugasse«,

·               b) für das Klettern am Dettinger Nägelesfelsen ganzjährig unter Verwendung von Umlenkhaken, wobei das Betreten des Felskopfs nur auf der markierten Route zulässig ist;«

 

§ 2

 (1) Die in § 5 Ziff, 5 a) neuer Fassung genannten Kletterrouten sind in vier Routenskizzen des Regierungspräsidiums Tübingen vom 13. November 1997 gekennzeichnet. Die Routenskizzen sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung und die Routenskizzen werden beim Regierungspräsidium Tübingen und beim Landratsamt Reutlingen auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 (2) Die Verordnung mit den Routenskizzen ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in § 2 Abs. 1 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

TÜBINGEN, den 9. Dezember 1997

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