4.117 Hülenbuchwiesen

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Hülenbuchwiesen« vom 12. März 1984 (GBl. v. 13.04.1984, S. 277).

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz -NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden‑württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBl. S. 199) und von § 22 Abs.2 Landesjagdgesetz in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Meßstetten im Zollernalbkreis werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Hülenbuchwiesen«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von 41,8964 ha. Es umfaßt auf Gemarkung Tieringen die Fläche, die von den im Naturschutzgebiet gelegenen ‑im Uhrzeigersinn‑ beschriebenen Flurstücke und Flurstücksteile umgrenzt wird:

·               2384 (nördlicher Teil), 2385 (nördlicher Teil), 2388/1 (nördlicher Teil), 2389, 2391 (nördlicher Teil), 2392, 2393, 2396/6, 2401, 2404, 2405, 2406/1 und /2, 2407 bis 2410, 2330, 2329, 2306, 2520, 2521, 2527/1 und /2, 2528, 2529/1 und /2, 2530, 2531, 2511/2 und /1, 2492, 2490, 2479, 2478/2 und /1, 2474, 2473, 2472, 2471, 2470, 2469, 2468, 2467, 2466, 2465, 2464, 2463, 2460, 2445, 2444, 2443, 2442, 2441, 2440, 2439/2 und/1, 2438, 2437, 2436, 2435, 2434, 2433, 2432, 2431, 2430, 2429/2 und /1, 2428, 2427, 2426, 2425, 2424, 2421, 2420, 2419, 2418/2 und/1.

(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 30.Juni 1982 im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen und beim Landratsamt Zollernalbkreis in Balingen auf die Dauer von drei Wochen beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

(3) Die Verordnung mit Karte ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

Der Schutzzweck ist die Erhaltung der einmähdigen Holzwiesen als kulturhistorisches Relikt einer extensiven Landnutzung mit ihrer charakteristischen Flora und Fauna. Von besonderer ökologischer und landschaftsästhetischer Bedeutung sind hierbei die malerischen Einzelbäume und Buschgruppen mit ihren floristisch hochwertigen Saumgesellschaften.

 

§ 4 Verbote

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, Sport‑, Spiel‑ oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs‑ oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes entgegen dem Schutzzweck verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild‑ oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            Aufforstungen vorzunehmen oder sonstige Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut‑, Wohn‑ oder Zufluchtsstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        das Schutzgebiet außerhalb der gekennzeichneten Wege zu betreten;

12.        im Schutzgebiet mit Gespannen zu fahren und zu reiten;

13.        Feuer zu machen;

14.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

15.        Düngemittel oder Chemikalien einzubringen;

16.        Weidezäune aufzustellen, Koppeln oder Pferche einzurichten;

17.        die Wiesen zu beweiden.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß keine weiteren jagdliche Einrichtungen errichtet werden;

2.            für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung, mit der Maßgabe, daß
- in Zone 1:
nördlicher Teil des Naturschutzgebietes, abgegrenzt durch die südlichen Grenzen der Flurstücke 2492, 2493, 2495, 2496, westliche Grenze des Flurstücks 2497, südliche Grenzen der Flurstücke 2497, 2486/1, 2485, 2484, östliche Grenze des Flurstücks 2483, südliche Grenze der Flurstücke 2462, 2461, 2460 und die östliche Grenze des Flurstücks 2460 nur einmal im Jahr gemäht und abgeräumt wird. Die Herbstweide mit Schafen in Hütehaltung ist zulässig;
- in Zone 2:
südwestlicher Teil des Naturschutzgebietes, abgegrenzt durch die nördlichen Grenzen der Flurstücke 2511/1, 2510, 2509, östliche Grenze des Flurstücks 2509 soweit sie an Flurstück 2497 grenzt, nördliche Grenzen der Flurstücke 2508, 2507, 2499, 2500 und die östlichen Grenzen der Flurstücke 2500, 2503, 2519, die südliche Grenze der Flurstücke 2519, 2518 und 2517 und die östliche Grenze von Flurstück 2521 die Nutzung als mehrschürige Wiese einschließlich der notwendigen Düngungsmaßnahmen und die Herbstweide mit Schafen in Hütehaltung zulässig ist;
- in Zone 3:
südöstlicher Teil des Naturschutzgebietes, abgegrenzt durch die Zone 1 und 2 das Düngen, die mehrmalige Mahd sowie das Beweiden mit mobilen Weidezäunen zulässig ist. Bei der Beweidung sind jedoch Gebüschgruppen durch mobile Weidezäune zu schützen. Mit den Weidezäunen muß entlang der Gebüschsäume ein 1,50 m breiter Abstand eingehalten werden. Die Festlegung der Gruppen soll im Einvernehmen mit dem Landwirtschaftsamt erfolgen;

3.            für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung einschließlich der Holzbringung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß die Feldgehölze (Einzelbäume und Buschgruppen) nur im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde in schonender, im einzelnen festzulegender Art und Weise gepflegt und genutzt werden;

4.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle ‑im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen staatlichen Forstamt ‑ veranlaßt werden;

6.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Nr. 2, 3 und 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 und § 5 Nr. 1 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 8 Inkrafttreten

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

(2) Gleichzeitig tritt die Verordnung des Landratsamtes Balingen zum Schutze des Landschaftsteils »Heuberg« im Kreis Balingen vom 24.Mai 1961 (Amtsblatt des Kreises Balingen vom 26.5. 1961) außer Kraft, soweit sie sich auf den Geltungsbereich dieser Verordnung bezieht.

 

TÜBINGEN, den 12. März 1984

DR. GÖGLER