4.118 Fehlatal

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Fehlatal« vom 5. April 1984 (GBl. v. 22.05.1984, S. 313).

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz -NatSchG) vom 21.Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden-württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBl. S. 199), und von § 22 Abs. 2 Landesjagdgesetz in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Gammertingen sowie der Gemeinden Hettingen und Neufra werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung » Fehlatal «.

 

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von 55,1982 ha. Es wird begrenzt auf

1.            Gemarkung Neufra von den im Naturschutzgebiet liegenden Flurstücken: 604, 606, 5212/6 (Fehla), 667, Feldweg 5266, die Gemarkungsgrenze und Feldweg 5260/1;

2.            Gemarkung Gammertingen von den im Naturschutzgebiet liegenden Flurstücken: 2916/4, /1 und /2, 2910/1, 2909, 2902, 2901, 2900, 2893/1, 2892/1, 2869/1, 2868, 2865/1, 2865, 2864, 2863/2, 2862, Weg Nr. 3392, 2867, 3437 (Fehla), 2859/1, 2858, 2857, 2856, 2847/2, 2840/1, 2936/1, 2837/1, 2813, 2812, 2811/1, Weg Nr.3435, 2807, Weg Nr.3434, 2808, 2809, 2817, 2818/1, 2822, 2823, 2827, 2828, 2843, Weg Nr.3420, 2848/2, 2848/1, Weg Nr.3392, 2875, 2879, 2880, 2881, 2886, 2888, 2889/l, 2907, 2912/1 und /2, 2917/1 und /5;

3.            Gemarkung Hettingen von den im Naturschutzgebiet liegenden Flurstücken:
1932/1, 1933/3, 1937, 1938, 1939/1, 1944/1, 1949/2, 2151/3, 2558 (Fehla), 2152, 2158/1, 2164, 2248 teilweise, 2169, 2167, 2166, 2161/2, 2161/1, 2160 /1, 2144 bis 2149, 1949 /1, 1945 und 1936/1.

(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in zwei Flurkarten des Regierungspräsidiums Tübingen vom 18. Dezember 1981 im Maßstab 1:2500 und in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen und beim Landratsamt Sigmaringen in Sigmaringen auf die Dauer von drei Wochen beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

Der wesentliche Schutzzweck ist die Erhaltung des landschaftlich reizvollen Wiesentales. Es stellt zwischen bewaldeten Talhängen einen ungestörten Lebensraum dar, der in seiner Gesamtheit erhalten werden muß. Außerdem ist die Erhaltung und Wiederherstellung der historischen Wässerwiesenwirtschaft von landeskultureller Bedeutung.

 

§ 4 Verbote

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, Sport‑, Spiel‑ oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs‑ oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes entgegen dem Schutzzweck verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild‑ oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            Aufforstungen vorzunehmen oder sonstige Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut‑, Wohn‑ oder Zufluchtsstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern, insbesondere Grünlandflächen einer ackerbaulichen Nutzung zuzuführen;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        das Schutzgebiet außerhalb der Wege zu betreten oder zu befahren;

12.        Feuer zu machen;

13.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

14.        Düngemittel oder Chemikalien einzubringen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd;

2.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei;

3.            für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Grünlandnutzung nach dem jeweiligen Stand der Technik mit der Maßgabe, daß keine Düngung auf gefrorenem Boden und diese nur mittels Festmist (100 dt je Hektar und Jahr) oder entsprechend Mineraldünger (50 kg Stickstoff N, 25 kg Phosphat P2O5 und 65 kg Kali K2O je Hektar und Jahr) erfolgt.
Die Umwandlung von Grünland in Ackerland im Sinne einer Wechselwirtschaft zur Verbesserung der Grünlandnutzung ist zulässig. Innerhalb des Überschwemmungsbereiches der Fehla ist eine Abstimmung mit dem zuständigen Landwirtschaftsamt erforderlich.
Auf den Flurstücken 626, 627, 628, 629, 667 und 2917/ 5 auf Gemarkung Neufra und auf den Flurstücken 2161/1 und /2, 2162, 2163/1 ‑ bis Nutzungsgrenze, 2163/2, 2166, 2167, 2168, 2169, 2248 und 2558 auf Gemarkung Hettingen ist
Ackernutzung zulässig. Die in Nr. 3 Abs. 1 Satz 1 angegebenen Düngebeschränkungen gelten nicht.
Der auf ein Mindestmaß beschränkte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist nach Abstimmung mit dem zuständigen Landwirtschaftsamt zulässig, wobei der flächenmäßige Einsatz ausgeschlossen bleibt;

4.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle veranlaßt werden;

6.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

7.            für die Lagerung und Bringung von Holz in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang.

 

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Nr. 1 bis 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 und § 5 Nr. 1 die Jagd ausübt.

 

§ 8 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

TÜBINGEN, den 5. April 1984

Dr. Gögler