4.121 Pfaumoos, Niggelmoos und Bei der Schleife

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet» Pfaumoos, Niggelmoos und Bei der Schleife« vom 28. Dezember 1984 (GBl. v. 08.02.1985, S. 16).

Auf Grund von § § 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz-NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden-württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBl. S. 199) und von § 22 Abs. 2 Landesjagdgesetz in der Fassung vom 20.Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten fünf nicht zusammenhängenden Flächen auf dem Gebiet der Gemeinden Bodnegg und Waldburg, Landkreis Ravensburg, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Pfaumoos, Niggelmoos und Bei der Schleife«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von 36,61 ha. Es umfaßt auf Gemarkung Bodnegg die Flurstücke 2/1 (Bach), 32/5, /17, 36/6, 39, 40, 41/1, /2, /3, 42/1, /2, /3, /4, /5, 65 /1 ganz und Teile der Flurstücke 32/6, 36/1, 44, 65/3, 65/7, insbesondere das Ufergehölz auf dem fünf Meter breiten Streifen entlang der Grenze zwischen den Flurstücken 65/1 und 44 und südlich des Baches 2/1 sowie auf Gemarkung Waldburg die Flurstücke 962/4, /5, /7, /11, 968/2, /3, /5, 981/3, /4, 990/2, /3, /4, /6, 993 ganz und Teile der Flurstücke 966, 1013/1, /2, 1014/1, /5, /17, 1018, 51, 52/1 (FW), 7 (Bach).

 (2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in drei Flurkarten des Regierungspräsidiums Tübingen vom 10. Oktober 1984 im Maßstab 1:2500, sowie in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen und beim Landratsamt Ravensburg in Ravensburg auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung der Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 (3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

Der wesentliche Schutzzweck liegt in der Erhaltung von noch nährstoffarmen hochwertigen Quellmooren mit ihrer bedrohten Flora und Fauna.

 

§ 4 Verbote

 (1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, Sport‑, Spiel‑ oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs‑ oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes entgegen dem Schutzzweck verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild‑ oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            neu aufzuforsten oder sonstige Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut‑, Wohn‑ oder Zufluchtsstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        das Schutzgebiet außerhalb der Wege zu betreten oder zu befahren;

12.        Feuer zu machen;

13.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

14.        Düngemittel oder Chemikalien einzubringen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß die Errichtung von Ansitzleitern, Hochsitzen oder Jagdkanzeln mit der unteren Naturschutzbehörde vorher abgestimmt wird;

2.            für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Grünlandnutzung in der bisherigen Art und im' bisherigen Umfang. Hierzu gehört die Düngung und mehrmalige jährliche Maht der Flurstücke 962/5 und 962/11 der Gemarkung Waldburg sowie 42/3, 981/4 (Westteil), 65/2 (Südostteil) und 990/4 (Nordteil) der Gemarkung Bodnegg;

3.            für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

4.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle ‑ im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen staatlichen Forstamt, auf landwirtschaftlichen Flächen im Einvernehmen mit dem zuständigen Landwirtschaftsamt ‑ veranlaßt werden;

6.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

 (1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 (2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs.2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig nach § 4 und § 5 Nr. 1 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 8 Inkrafttreten

 (1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 (2) Gleichzeitig tritt die Verordnung des Landratsamts Ravensburg über das Landschaftsschutzgebiet »Lankrain« im Landkreis Ravensburg vom 9. August 1968 (Schwäbische Zeitung vom 16.August 1968) soweit sie sich auf den Geltungsbereich dieser Verordnung bezieht, außer Kraft.

 

TÜBINGEN, den 28. Dezember 1984 

DR. GÖGLER