4.132 Gnagen

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Gnagen« vom 23. Dezember 1985 (GBl. v. 24.01.1986, S. 17).

Auf Grund von § § 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz ‑NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden‑württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBl. S. 199) und von § 22 Abs. 2 Landesjagdgesetz in der Fassung vom 20.Dezernber 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Stadt Geislingen im Zollernalbkreis wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Gnagen«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von 8,8 ha. Es umfaßt auf Gemarkung Geislingen die Flurstücke 5089 bis 5093, 5095, 5097, 5098, 5099, 5100/1, /2, 5259/1, /2, 5267 bis 5273, 5275, 5276, 5277/1, 5278, 5280 bis 5287, 5288/1, /2, 5289 bis 5294, 5296 bis 5299, 5300/1, /2, 5301 bis 5305, 5313 bis 5316 ganz und die Flurstücke 5306, 5308, 5310, 5312, 5324 und 5325 teilweise.

 (2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 22. Juli 1985 im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen und beim Landratsamt Zollernalbkreis in Balingen auf die Dauer von drei Wochen beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 (3) Die Verordnung mit Karte ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

Erhaltung eines Feuchtgebietes mit kleinräumigen Mosaikstrukturen von Halbtrockenrasen zu überwiegend wechselfeuchten bis nassen Standorten innerhalb eines Bachtales in Verbindung mit Einzelbäumen, Hecken und einer Streuobstwiese als ökologisch herausragender Brutplatz zahlreicher, vom Aussterben bedrohter Vogelarten der Roten Liste. Besonders schützenswert ist die Feuchtgebietsflora in ihren typischen Ausbildungen und die Vielfalt an von Wasser abhängigen Spinnen, Schmetterlingen, Libellen, Amphibien, Vögeln und Kleinsäugern.

 

§ 4 Verbote

 (1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, Sport‑, Spiel‑ oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs‑ oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes entgegen dem Schutzzweck verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild‑ oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            aufzuforsten oder auf andere Weise Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Fluppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut‑, Wohn‑ oder Zufluchtsstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        das Schutzgebiet außerhalb der Wege zu betreten oder zu befahren;

12.        Feuer zu machen;

13.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

14.        auf den landeseigenen Flurstücken Düngemittel oder Chemikalien einzubringen oder Koppelschafhaltung zu betreiben;

15.        feste (nicht mobile) Weidezäune zu errichten;

16.        mit Großvieh oder Pferden zu beweiden;

17.        Wiese in Ackerland umzuwandeln.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

Die Verbote des § 4 gelten nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß keine weiteren jagdlichen Einrichtungen errichtet werden dürfen;

2.            für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang.
Der vorhandene extensiv genutzte Obstbaumbestand ist zu pflegen und zu erhalten und soll möglichst erweitert werden. Abgängige Obstbäume dürfen nur durch neue Obstbaumhochstämme (möglichst ortsüblich alte Obstsorten) ersetzt werden.
Die Gebüschsäume und die bachbegleitende Vegetation ist zu pflegen und zu erhalten.
Bei Koppelschafhaltung dürfen nur mobile Weidezäune nach Rücksprache mit der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Tübingen verwendet werden, wobei mit den Weidezäunen entlang der Bachläufe und Gebüschsäume ein Abstand von mindestens 1,50 m eingehalten werden muß.
§ 4 Abs. 2 Nr. 4 und 14 bis 17 bleibt hiervon unberührt;

3.            für die sonstige, nicht in den Nummern 1 bis 3 genannte, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

4.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle veranlaßt werden;

5.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

 (1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Nr. 2 und 3 verbotenen Handlungen vornimmt.

 (2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 und § 5 Nr. 1 die Jagd ausübt.

 

§ 8 Inkrafttreten '

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

TÜBINGEN, den 23. Dezember 1985

DR. GÖGLER