4.133 Waltere Moor

Verordnung des Regierungspräsidiums Freiburg als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet »Waltere Moor« vom 22. April 1986 (GBl. v. 16.05.1986, S. 170).

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und 4 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz) vom 21.Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz über die Verkündung von Rechtsverordnungen (Verkündungsgesetz) vom 11.April 1983 (GBl. S. 131) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf den Gemarkungen Mindersdorf der Gemeinde Hohenfels, Landkreis Konstanz und Sauldorf der Gemeinde Sauldorf, Landkreis Sigmaringen wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Waltere Moor«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca. 97 ha. Es wird begrenzt:

·               im Norden durch die in das Schutzgebiet einbezogenen Entwässerungsgräben, die das Moor vom Wirtschaftsgrünland trennen und gleichzeitig die Nordgrenze des Grundstücks Flst.Nr. 619, Gemarkung Sauldorf bilden und durch die Nordgrenze des in das Schutzgebiet einbezogenen Grundstücks Flst. Nr. 829, Gemarkung Sauldorf;

·               im Osten durch den Westrand des Wirtschaftsweges, der das Grundstück Flst. Nr. 828, Gemarkung Sauldorf durchschneidet (Fortsetzung des Wirtschaftsweges Flst.Nr. 809, Gemarkung Sauldorf in südlicher Richtung) bis zur Kreisgrenze;

·               im Südosten ab der Kreisgrenze durch die Südostgrenze des in das Schutzgebiet einbezogenen Grundstücks Flst. Nr. 417/7, Gemarkung Mindersdorf;

·               im Süden durch die natürliche Grenze zwischen Moorgebiet und dem Wirtschaftswald der Fürstl. Hohenzoller'schen Forstverwaltung; die Schutzgebietsgrenze durchschneidet hierbei das Grundstück Flst. Nr. 417/5, Gemarkung Mindersdorf zuerst in westlicher Richtung, um dann langsam nach Norden abzubiegen. Dann richtet sich die Grenzlinie wiederum ca. 150 m nach Westen und fällt dann in einem rechten Winkel fast direkt nach Süden ab bis auf den Waldweg (Fortsetzung des Weges Flst. Nr. 417/22, Gemarkung Mindersdorf), der über das Grundstück Flst.Nr. 417/5, Gemarkung Mindersdorf führt; am nördlichen Rand dieses Waldweges entlang verläuft die Schutzgebietsgrenze nach Westen bis sich der Weg gabelt und folgt dann dem nach Nordnordwest führenden Weg, der die Westgrenze des Grundstücks Flst. Nr. 417/5 bildet, etwa 125 m. Dann weicht die Grenze von dem Waldweg nach Nordwesten ab und durchschneidet den Nordteil des teilweise in das Schutzgebiet einbezogenen Grundstücks Flst. Nr. 417/2, Gemarkung Mindersdorf;

·               im Westen durch den Ostrand des nach Nordosten führenden Entwässerungsgrabens bis zu dessen Mündung in den Göbelgraben; die Schutzgebietsgrenze verläuft dann über das Grundstück Flst. Nr. 663/2, Gemarkung Sauldorf; zuerst parallel zu dessen Westgrenze, um dann von der Kreisgrenze ab im spitzen Winkel auf den Waldgrenzestein Nr. 59 zuzulaufen.

 (2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in zwei Karten des Regierungspräsidiums Freiburg (Maßstab 1:25000 und 1:5000) rot eingetragen. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Freiburg und bei den Landratsämtern Konstanz und Sigmaringen auf die Dauer von drei Wochen, beginnend vom achten Tage nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 (3) Die Verordnung mit Karten ist nach ihrer Verkündung bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung des »Waltere Moor« als Moorlandschaft von besonderer Eigenart und Schönheit. Die hohe Schutzwürdigkeit ergibt sich insbesondere auf Grund

·               a) der Lage des vielfältig gegliederten Feuchtgebiets an der klimatisch bedingten nordwestlichen Grenze Oberschwäbischer Hochmoorvorkommen

·               b) der großen Biotopvielfalt, die u. a. Hoch‑ und Übergangsmoorflächen mit Moorwäldern und Bruchwaldgebüsch, Naß-, Feucht- und Magerwiesen enthält;

·               c) des Vorkommens zahlreicher seltener und zum Teil vom Aussterben bedrohter Tier‑ und Pflanzenarten.

 

§ 4 Verbote

 (1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebiets oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen könnte.

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs‑ oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild‑ oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut‑, Wohn‑ oder Zufluchtsstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern oder zu intensivieren;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen Feuer anzumachen;

12.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.        Biozide oder andere Wirkstoffe auszubringen, die den natürlichen Entwicklungsablauf von Pflanzen oder Tieren beeinflussen;

14.        das Gebiet außerhalb von Wegen zu betreten;

15.        die Wege und das Gelände mit Fahrzeugen aller Art zu befahren;

16.        zu reiten;

17.        das Gebiet in einer Höhe unter 300 m zu überfliegen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd;

2.            für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung des Grundstücks Flst. Nr. 828 (teilweise im Schutzgebiet) auf Gemarkung Sauldorf in der bisherigen Art, in der bisherigen Intensität und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß nur die Nutzung als Dauergrünland zulässig ist;

3.            für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, in der bisherigen Intensität und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) nur absterbendes oder abgestorbenes Holz entnommen werden darf;
b) die Nutzung der im Schutzgebiet liegenden Fichtenhorste bis zu deren natürlichem Abgang frei ist;
kein Waldwegebau durchgeführt werden darf;

4.            für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

6.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

7.            für notwendige Handlungen in Ausübung einer amtlichen oder ehrenamtlichen
Überwachungstätigkeit.

 

§ 6 Schutz‑ und Pflegemaßnahmen

Zur Verwirklichung des Schutzzwecks sind folgende Maßnahmen erforderlich und durchzuführen:

1.            Entfernen von Gehölzanflug auf den waldfreien Flächen in ca. fünfjährigem Turnus;

2.            abschnittsweise Pflege vorhandener Streuwiesen (Mahd mit Abräumen des Mähgutes im Spätjahr).

 

§ 7 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

FREIBURG I. BR., den 22. April 1986

DR. NOTHHELFER