4.137 Westerberg

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Westerberg« vom 19.März 1987 (GBl. v. 14.04.1987, S. 132).

Auf Grund von § § 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz ‑NatSchG) vom 21.Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden‑württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6.Juni 1983 (GBl. S. 199) und von § 22 Abs. 2 Landesjagdgesetz in der Fassung vom 20.Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Nusplingen, Zollernalbkreis, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Westerberg«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Naturschutzgebiet besteht aus zwei Teilen und hat eine Größe von rund 42,8 ha. Es umfaßt auf Gemarkung Nusplingen in den Gewannen Tannenfelsen, Hofwiese und Mauzenhalde die Flurstücke Nummern:

·               5760, 5761, 5762 teilweise, 5764 teilweise, 5765 teilweise, 5768 teilweise, 5776/2 teilweise, 5777 teilweise, 5790 bis 5793, 5794/1, 5794/2, 5795 teilweise, 5796 bis 5799, 5801, 5803 bis 5816, 5819/1, 5819/2, 5820 bis 5828, 5829/1, 5829/2, 5830, 5833, 5834, 5836 bis 5840,5843bis5849,5850/1,5850/2, 5850/3. 5851, 5879/1, 5880/1, 5880/2, 5881 bis 5885, 5886/2, 5888, 5889, 5891, 5892, 5893/1, 5893/2, 5894, 5895, 5896/1, 5896/2, 5897, 5899, 5900/1, 5900/2, 5901 bis 5906, 5907/1, 5907/2, 5908 bis 5913, 5915 bis 5919, 5921 bis 5926, 5929 bis 5931, 5943, 5951, 5953 bis 5959, 5960/1, 5960/2, 5961 bis 5963, 5964/1, 5964/2, 5965/1, 5965/2, 5966, 5967, 5970/1, 5970/2, 5971 bis 5978, 5986, 5987/1, 5987/2, 5988 bis 5992, 6254, 6255, 6257 bis 6263, 6264/1, 6264/2, 6265 bis 6271, 6272/1, 6272/2, 6273 bis 6275, 6276/1, 6276/2, 6277 bis 6283, 6286/1, 6286/ 2, 6287 bis 6295, 6297, 6298/1 teilweise, 6299 teilweise, 6300 teilweise, 6301 bis 6303,6304/1,6304/2, 6305/1, 6305/2, 6306, 6308/1, 6308/2, 6309/1, 6309/2, 6310 bis 6312, 6313/1, 6313/2, 6314,16315, 6319 bis 6324, 6326 bis 6331, 6335,15337 bis 6344 und 6373

·               und im Gewann Steinbühl die Flurstücke Nummern.
6181 bis 6185, 6186/1, 6186/2, 6187, 6188, 6189/1, 6189/2, 6190 bis 6192, 6193/1, 6193/2, 6194 bis 6200, 6203 bis 6205, 6347, 6348/1, 6348/2, 6349 bis 6352.

 (2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 22.Juni 1984 im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen und beim Landratsamt Zollernalbkreis in Balingen auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 (3) Die Verordnung mit Karte ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

Schutzzweck ist die Erhaltung einer reich strukturierten Heckenlandschaft der Albhochfläche mit der daran gebundenen extensiven landwirtschaftlichen Nutzung als Lebensraum für gefährdete und geschützte Tier- und Pflanzenarten sowie als kulturhistorisches Relikt.

Von besonderer ökologischer und landschaftsästhetischer Bedeutung sind hierbei:

1.            die vorwiegend auf den Grundstücksgrenzen stehenden Heckenzeilen und Steinriegel mit ihren malerisch herausragenden Bäumen und mit ihren Saumgesellschaften als Lebensraum zahlreicher Pflanzen- und Insektenarten;

2.            die artenreichen Magerwiesen mit ihren teilweise besonders geschützten Pflanzenarten;

3.            das gesamte Gebiet in seiner gegenwärtigen Struktur als Nahrungsbiotop für Greifvögel und als Rastbiotop für durchziehende Vogelarten.

 

§ 4 Verbote

 (1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, Sport-, Spiel- oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern, z.B. durch Beschädigen der vorhandenen Steinriegel;

4.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

5.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

6.            Neuaufforstungen vorzunehmen oder auf andere Weise Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

7.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtsstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

9.            zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

10.        das Schutzgebiet außerhalb der Wege mit Fahrzeugen jeglicher Art zu befahren;

11.        außerhalb der festen Wege zu reiten;

12.        Feuer zu machen;

13.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

14.        auf landeseigenen Grundstücken Düngemittel, Pflanzenbehandlungsmittel und Chemikalien einzubringen;

15.        das Landen und Starten von Fluggeräten aller Art;

16.        auf den Wiesen Weidezäune, Koppeln oder Pferche einzurichten;

17.        die Wiesen zu beweiden;

18.        Bäume, Hecken und Sträucher zu beseitigen oder zu zerstören.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß Hochsitze und Futterstellen nur dort aufgestellt werden, wo sie weder wertvolle Pflanzenstandorte noch das Landschaftsbild beeinträchtigen. Es sind nur einfache jagdliche Einrichtungen aus naturbelassenen Hölzern zulässig. Das Verbot in § 4 Abs. 2 Nr. 3 bleibt unberührt;

2.            für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung einschließlich der Holzbringung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

3.            für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) bei Weidebetrieb nur Schafbeweidung in Hütehaltung erfolgt;
b) keine weiteren Wiesen in Ackerland umgewandelt werden. Die Zurückführung von Ackerland in Grünland ist zulässig;
c) Feldgehölze (Hecken, Buschgruppen und Einzelbäume) im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen so gepflegt werden dürfen, daß der Schutzzweck der Verordnung nicht gefährdet wird.
Die Verbote in § 4 Abs. 2 Nr. 3, 4, 8, 14, 16 bleiben unberührt.

4.            sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle ‑ im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen staatlichen Forstamt ‑ veranlaßt werden;

6.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Nr. 2 bis 4 verbotenen Handlungen vornimmt.

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs.2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 und § 5 Nr. 1 die Jagd ausübt.

 

§ 8 Inkrafttreten

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

(2) Gleichzeitig tritt die Verordnung des Landratsamts Zollernalbkreis über das Landschaftsschutzgebiet »Großer Heuberg« vom 27. Juni 1984 (verkündet im Zollernalbkurier vom 30.Juni 1984) außer Kraft, soweit sie sich auf den Geltungsbereich dieser Verordnung bezieht.

 

TÜBINGEN, den 19. März 1987

DR.GÖGLER