4.139 Kemmerlanger Moos

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Kemmerlanger Moos « vom 6. Juli 1987 (GBl. v. 31.08.1987, S. 326).

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz ‑NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden‑württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBl. S. 199) und von § 22 Abs. 2 Landesjagdgesetz in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemarkung Eschach, Stadt Ravensburg, Landkreis Ravensburg, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Kemmerlanger Moos«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 21,75 ha. Es umfaßt auf Gemarkung Eschach die Flurstücke 1626 bis 1631, 1632/1, 1632/2, 1633, 1634, 1635/1 teilweise, 1636, den westlichen Teil von Flurstück 1617/3, einen südöstlichen Teil des Flurstücks 1622, den östlichen Teil von Flurstück 1623/1, den nördlichen Teil von Flurstück 1625, einen südöstlichen Teil des Flurstücks 771/2, den südlichen Teil von Flurstück 771/7 (Flappach‑Weiher), den Bach mit der Nummer 1615, die Flappach, den südlichen Teil von Bach Nr. 8/1 sowie Feldweg 96 teilweise.

(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen mit Stand vom 12.Dezember 1986 im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen, beim Landratsamt Ravensburg in Ravensburg und bei der Stadt Ravensburg auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

(3) Die Verordnung mit Karte ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung des natürlichen Feuchtgebietsmosaiks mit Verlandungszone des Flappachweihers, Quellmoor, Bachlauf, Streuwiesen und einer Mineralbodeninsel in enger Verzahnung, als Lebensraum intakter Lebensgemeinschaften mit einer Vielzahl von zum Teil sehr seltenen Pflanzen und Tieren.

 

§ 4 Verbote

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, Sport‑, Spiel‑ oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs‑ oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes entgegen dem Schutzzweck verändern, Quellen zu fassen oder in ihrer natürlichen Ausbildung zu verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild‑ oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            neu aufzuforsten oder auf andere Weise Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut‑, Wohn‑ oder Zufluchtsstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        das Schutzgebiet außerhalb der Wege zu betreten oder zu befahren;

12.        im Schutzgebiet die Wasserflächen mit Fahrzeugen jeglicher Art einschließlich Luftmatratzen oder ähnlichen Gegenständen zu befahren oder zu baden;

13.        das Starten und Landen von Luftfahrzeugen jeder Art, einschließlich Modellflugzeugen;

14.        Feuer zu machen;

15.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

16.        Düngemittel, Pflanzenbehandlungsmittel oder Chemikalien einzubringen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß weitere jagdliche Einrichtungen nur dort eingerichtet werden dürfen, wo wertvolle Pflanzenstandorte und das Landschaftsbild nicht beeinträchtigt werden. Es sind nur einfache jagdliche Einrichtungen aus naturbelassenen Hölzern zulässig;

2.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei mit der Maßgabe, daß die Verlandungszonen des Flappachweihers nicht betreten oder mit Wasserfahrzeugen angefahren werden dürfen;

3.            für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung mit der Maßgabe, daß die bestehende Artenvielfalt im Wald erhalten bleibt;

4.            für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Streuwiesennutzung ab 1. September eines jeden Jahres mit der Maßgabe, daß im Schutzgebiet nicht gedüngt und nicht beweidet wird. Bei Flurstück Nr. 1633 ist im Hangbereich die seitherige mehrmalige Mahd zulässig. Ebenfalls zulässig ist die seitherige Viehweide auf der südlichen Teilfläche von Flurstück Nr.1617/3;

5.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren ordnungsgemäßer Unterhaltung und Instandsetzung;

6.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle im Rahmen eines Pflegeplanes ‑ für den Wald im Einvernehmen mit der Forstverwaltung ‑ veranlaßt werden;

7.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs.1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Nr. 2 bis 4 verbotenen Handlungen vornimmt.

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 5 Nr. 1 die Jagd ausübt.

 

§ 8 Inkrafttreten

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

(2) Gleichzeitig tritt die Verordnung des Landratsamtes Ravensburg über das Landschaftsschutzgebiet » Flattbach « vom 21. März 1974 (verkündet in der Schwäbischen Zeitung vom 27.März 1974), soweit sie sich auf den Geltungsbereich dieser Verordnung bezieht, außer Kraft.

 

TÜBINGEN, den 6. Juli 1987

DR. GÖGLER