4.140 Taubenäcker

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Taubenäcker« vom 12.Oktober 1987 (GBl. v. 24.11.1987, S. 522).

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs.2 und § 64 Abs. 1 Nr.2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz ‑NatSchG‑) vom 21.Oktober 1975 (GBI. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden‑württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBl. S. 199) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Stadt Reutlingen, Gemarkung Gönningen, Landkreis Reutlingen, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Taubenäcker«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 10,17 ha. Es umfaßt auf Gemarkung Gönningen folgende Grundstücke:

·               Flst. Nrn. 4951 bis 4953, 4956, 4997, 5002 bis 5005, 5014, 5015, 5016, 5020, 5022, 5030 bis 5035, 5038 bis 5041, 5064, 5065 teilweise, 5065/4 teilweise, 5245, 5246, die Wiesaz (Bach Nr.2) teilweise sowie den Weg über Flst.Nr. 5002, 5003, 5004 und 5005.

(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 4. August 1986 im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit der Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen und beim Landratsamt Reutlingen in Reutlingen sowie bei der Stadt Reutlingen auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

(3) Die Verordnung mit Karte ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung einer vielfältigen, artenreichen Flußauelandschaft mit Quelltopf, Feuchtbiotopen wie Auewald, Schilfbestände, Quellhorizonte, Naßwiesen, Streuobstwiesen, Ruderalflächen mit zahlreichen seltenen und gefährdeten Pflanzen‑ und Tierarten als Rückzugsareal im Wiesaztal.

 

§ 4 Verbote

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, Sport‑, Spiel‑ oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs‑ oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes entgegen dem Schutzzweck verändern;

5.            Abfälle und sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild‑ oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            neu aufzuforsten oder auf andere Weise Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut‑, Wohn‑ oder Zufluchtsstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die der Art bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        das Schutzgebiet außerhalb der Wege zu betreten oder mit Fahrzeugen jeder Art zu befahren. Dies gilt auch für die Wiesaz und den Quelltopf auf Flst. Nr. 5065;

12.        Feuer zu machen;

13.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

14.        Düngemittel oder Chemikalien einzubringen;

15.        das Starten und Landen von Luftfahrzeugen aller Art einschließlich von Modellflugzeugen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd;

2.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei an der Wiesaz;

3.            für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung, mit der Maßgabe, daß der vorhandene Auewald erhalten bleibt;

4.            für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
1. keine weiteren Grünflächen in Ackerland umgebrochen werden;
2. die Grünlandnutzung extensiv, d.h. ohne Düngung und bei einmaliger Mahd ab Ende Juli erfolgt;
3. die Streuobstwiesen auf Flst. Nrn. 5014, 5015, 5016, 5039, 5064 und 5065 weiterhin extensiv genutzt und im Rahmen des Zumutbaren erhalten werden, Abgängige Obstbäume können durch neue, hochstämmige Obstbäume ersetzt werden. Die Mahd der Streuobstwiesen darf erst im Herbst vor der Obsternte erfolgen;

5.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung. Bei Unterhaltungsmaßnahmen an der Wiesaz ist die Naturschutzverwaltung zu beteiligen;

6.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle ‑ im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen staatlichen Forstamt ‑ veranlaßt werden;

7.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nach zustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtsstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die der Art bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        das Schutzgebiet außerhalb der Wege zu betreten oder mit Fahrzeugen jeder Art zu befahren.
Dies gilt auch für die Wiesaz und den Quelltopf auf Flst. Nr. 5065;

12.        Feuer zu machen;

13.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

14.        Düngemittel oder Chemikalien einzubringen;

15.        das Starten und Landen von Luftfahrzeugen aller Art einschließlich von Modellflugzeugen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd;

2.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei an der Wiesaz;

3.            für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung, mit der Maßgabe, daß der vorhandene Auewald erhalten bleibt;

4.            für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
1. keine weiteren Grünflächen in Ackerland umgebrochen werden;
2. die Grünlandnutzung extensiv, d.h. ohne Düngung und bei einmaliger Mahd ab Ende Juli erfolgt;
3. die Streuobstwiesen auf Flst. Nrn. 5014, 5015, 5016, 5039, 5064 und 5065 weiterhin extensiv genutzt und im Rahmen des Zumutbaren erhalten werden. Abgängige Obstbäume können durch neue, hochstämmige Obstbäume ersetzt werden. Die Mahd der Streuobstwiesen darf erst im Herbst vor der Obsternte erfolgen;

5.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung. Bei Unterhaltungsmaßnahmen an der Wiesaz ist die Naturschutzverwaltung zu beteiligen;

6.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle - im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen staatlichen Forstamt - veranlaßt werden;

7.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Nr. 1 bis Nr. 5 verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 8 Inkrafttreten

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

(2) Gleichzeitig tritt die Verordnung des Landratsamtes Reutlingen zum Schutz von Naturdenkmalen im Landkreis Reutlingen vom 19.Dezember 1979 (verkündet am 2 1. Dezember 1979 im Reutlinger Generalanzeiger, Reutlinger Amtsblatt - Amtsblatt der Stadt Reutlingen und des Landkreises Reutlingen und in den Reutlinger Nachrichten, Kreisausgabe) außer Kraft, soweit sie sich auf das Flächenhafte Naturdenkmal Nr.415.060, Trollblumenwiese (siehe Anlage zu § 1 Abs. 3 Buchstabe a zur Verordnung des Landratsamtes Reutlingen) bezieht.

 

TÜBINGEN, den 12. Oktober 1987

DR. GÖGLER