4.141 Kugelberg

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Kugelberg« vorn 12.Oktober 1987 (GBl. v. 08.12.1987, S. 542).

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz –NatSchG-) vom 21.Oktober 1975 (GBI.S.654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden‑württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBl. S. 199) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Stadt Pfullingen, Landkreis Reutlingen, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Kugelberg«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von 26,73 ha. Es umfaßt auf Gemarkung Pfullingen das Flurstück 14554/8 ganz, sowie Teilflächen von Flurstück 14554/1 und von Flurstück 14554/9.

(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 19. Mai 1987 im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 gekennzeichnet und rot angelegt. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen und beim Landratsamt Reutlingen in Reutlingen auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

(3) Die Verordnung mit Karte ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

Schutzzweck ist die Erhaltung eines naturnahen und landschaftlich reizvollen Südwesthangs mit Wiesen, Trockenrasen, Gebüschgruppen,, Hangwasseraustritten mit Tümpeln, naturnahen Waldbereichen, Felsformationen und Geröllhalden als Lebensraum für viele gefährdete und geschützte Pflanzen, insbesondere Orchideen und Tiere.

 

§ 4 Verbote

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, Sport‑, Spiel‑ oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs‑ oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes entgegen dem Schutzzweck verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild‑ oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            neu aufzuforsten oder auf andere Weise Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut‑, Wohn‑ oder Zufluchtsstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksbenutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        das Schutzgebiet außerhalb der Wege zu befahren oder außerhalb des Waldes abseits der Wege in der Zeit vom 1. April bis 15. August zu betreten;

12.        Feuer zu machen;

13.        im Schutzgebiet Starts oder Landungen mit Luftfahrzeugen oder Modellflugzeugen durchzuführen oder Grasski zu fahren;

14.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

15.        Düngemittel oder Chemikalien einzubringen;

16.        das ‑Schutzgebiet zu beweiden.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd;

2.            für die ordnungsgemäße Bewirtschaftung eines naturnahen Wirtschaftswaldes;

3.            für die ordnungsgemäße ländwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Axt und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß die erste Mahd erst nach dem 15.August erfolgt. Eine Beweidung ist nur mit Schafen in Hütehaltung zwischen dem 15.August und Ende Februar zulässig, wobei das Errichten von Pferchen und Koppeln nicht gestattet ist;

4.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren ordnungsgemäße Unterhaltung und Instandsetzung;

5.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle ‑ im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen staatlichen Forstamt ‑ veranlaßt werden;

6.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Nr. 1 bis 4 verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 8 Inkrafttreten

(1) Dies e Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

(2) Gleichzeitig treten folgende Verordnungen des Landratsamtes Reutlingen soweit sie sich auf den Geltungsbereich dieser Verordnung beziehen, außer Kraft:

1.            Verordnung über das Landschaftsschutzgebiet »Reutlinger/Uracher Alb« vom 4.Januar 1974 (Münsinger Kreiszeitung, Alb‑Bote vom 9.Januar 1974);

2.            Verordnung zum Schutz von Naturdenkmalen im Landkreis Reutlingen vom 19.Dezember 1979 (Reutlinger Generalanzeiger, Reutlinger Amtsblatt ‑ Amtsblatt der Stadt Reutlingen und des Landkreises Reutlingen, Reutlinger Nachrichten vom 19.Dezember 1979) bezüglich des Naturdenkmals 415.657 »Kugelberg«.

 

TÜBINGEN, den 12. Oktober 1987 

DR. GÖGLER