4.143 Schafberg - Lochenstein

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Schafberg-Lochenstein« vom 20.November 1987 (GBl. v. 29.01.1988, S. 10), VO 04.04.1996 (Änd.; GBl. v. 07.06.1996, S. 386).

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz-NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden-württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBl. S. 199) und von § 22 Abs. 2 Landesjagdgesetz in der Fassung vorn 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet und auf Gemarkung der Gemeinde Hausen am Tann und der Stadt Balingen, Gemarkung Weilstetten, Zollernalbkreis, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Schafberg-Lochenstein«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Naturschutzgebiet hat, eine Größe von rund 102 ha. Es umfaßt auf Gemarkung Hausen am Tann die Flurstücke 1247/1, 1247/2 teilweise, 1248 und 1253 teilweise; auf Gemarkung Weilstetten, Stadt Balingen, die Flurstücke 3151 teilweise und 3253/2.

(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen, Stand 29. April 1985, im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen, beim Landratsamt Zollernalbkreis in Balingen und bei der Stadt Balingen auf die Dauer von drei Wochen, beginnend im achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

(3) Die Verordnung mit Karte ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

Der wesentliche Schutzzweck ist, den Lochenstein, Schafberg und den Wenzelstein in ihrem naturnahen Zustand zu erhalten und zu pflegen.

Hier werden in seltener Art auf engem Raum die Zusammenhänge zwischen geologischem Untergrund, geomorphologischen Vorgängen, Klima, Bodenbildung, Vegetation, Landeskultur und Landschaftsbild deutlich. Die extremen Relief‑, Klima‑ und Bodenbedingungen führen zu einer äußerst feingliedrigen Struktur von Lebensräumen für zahlreiche gefährdete, geschützte und seltene Pflanzen‑ und Tierarten.

Im wesentlichen sind folgende Lebensräume zu nennen:

1.            die über das gesamte Gebiet verteilten Felspartien;

2.            die Wacholderheide am Vorderen Schalberg;

3.            die Fichtenblock‑ und die Lunaria‑Bergahorn‑Wälder an der Nord‑ und Westseite des Schafbergs.

 

§ 4 Verbote

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, Sport‑, Spiel‑ oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs‑ oder andere Maßnahmen ‑ z. B. Quellen fassen ‑ vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes entgegen dem Schutzzweck verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild‑ oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            Neuaufforstungen vorzunehmen, oder auf andere Weise Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut‑, Wohn‑ oder Zufluchtsstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            Gesteinsteile zu entnehmen;

10.        die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

11.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

12.        außerhalb der fest eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen Feuer zu machen;

13.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

14.        durch Beschilderung oder andere Hindernisse, wie z. B. Abschrankungen, gesperrte Bereiche außerhalb der gekennzeichneten Wege und Pfade zu betreten;

15.        das Befahren des Schutzgebietes mit Fahrzeugen aller Art, einschließlich Motorschlitten, mit Skiern, Rodelschlitten oder sonstigen, zum Rodeln geeigneten Geräten;

16.        an den Felsen zu klettern;

17.        Düngemittel oder Chemikalien einzubringen;

18.        mit Luftfahrzeugen aller Art, einschließlich Modellflugzeugen, zu starten oder zu landen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

(1) § 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß Jagdeinrichtungen nur dort aufgestellt werden, wo sie weder wertvolle Pflanzenstandorte noch das Landschaftsbild beeinträchtigen. Außerhalb des Waldes sind nur einfache Hochsitze aus naturbelassenen Hölzern zulässig. Futterstellen sind hinsichtlich Anzahl und Umfang auf das zur Erfüllung der Hegepflicht erforderliche Ausmaß zu begrenzen;

2.            für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung mit der Maßgabe, daß die Bestimmungen der Schonwalderklärung der Forstdirektion Tübingen vom 9. November 1987 eingehalten werden;

3.            für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß keine Weidezäune errichtet werden dürfen;

4.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren ordnungsgemäße Unterhaltung und Instandsetzung;

5.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle im Rahmen eines Pflegeplanes ‑ für den Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen staatlichen Forstamt ‑veranlaßt werden;

6.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

(2)

1.            § 4 Abs. 2 Nr. 15 gilt nicht für das nicht organisierte Skiwandern auf den bestehenden Wegen;

2.            § 4 Abs. 2 Nr. 16 gilt nicht für das Klettern auf den bestehenden Routen am Lochenfelsen unter größtmöglicher Rücksichtnahme auf die vorhandene Felsvegetation und die Tierwelt.

 

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Abs. 1 Nr. 2 bis 4 und Abs. 2 Nr. 1 und 2 verbotenen Handlungen vornimmt.

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs.2 Nr.4 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 5 Nr. 1 die Jagd ausübt.

 

§ 8 Inkrafttreten

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

(2) Gleichzeitig tritt die Verordnung des Landratsamtes Zollernalbkreis über das Landschaftsschutzgebiet ”Großer Heuberg” vom 27.Juni 1984 (verkündet im Zollernalbkurier vom 30.Juni 1984) außer Kraft, soweit sie sich auf den Geltungsbereich dieser Verordnung bezieht.

 

Tübingen den 20. November 1987

Dr. Gögler

 

Änderungsverordnung

Änderungsverordnung des Regierungspräsidiums Tübingen zur Verordnung vom 20. November 1987 über das Naturschutzgebiet » Schafberg‑Lochenstein « vom 4. April 1996 (GBl. v. 07.06.1996, S. 386).

Auf Grund von §§ 21 und 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBl. S. 385) wird verordnet:

 

§ 1

§ 5 Abs. 2 Nr. 2 der Verordnung über das Naturschutzgebiet »Schafberg‑Lochenstein«, Gemarkung und Gemeinde Hausen am Tann und Gemarkung Weilstetten, Stadt Balingen, Zollernalbkreis wird folgendermaßen neu gefaßt:

Das Kletterverbot gilt nicht für das Klettern auf den bestehenden Routen am Hauptfelsen des Lochensteins in der Zeit vom 1. August bis 31. Dezember jeden Jahres unter größtmöglicher Rücksichtnahme auf die vorhandene Felsvegetation und die Tierwelt.

 

§ 2

Die Verordnung wird beim Regierungspräsidium Tübingen, beim Landratsamt Zollernalbkreis in Balingen und bei der Stadt Balingen auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt und anschließend bei den genannten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

Die Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

TÜBINGEN, den 4. April 1996

DR. GÖGLER