4.144 Bürgle

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Bürgle« vom 7. Dezember 1987(GBl. v. 29.01.1988, S. 12).

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz-NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des Ordnungswidrigkeitenrechts vorn 6.Juni 1983 (GBl. S. 199) und von § 22 Abs.2 Landesjagdgesetz in der Fassung vorn 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dein Gebiet der Gemeinde Jungingen, Gemarkung Jungingen, Zollernalbkreis wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Bürgle«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 14,17 ha. Es umfaßt auf Gemarkung Jungingen die Flurstücke Nummer 2816 und 2817 jeweils teilweise, sowie die innerhalb der Abgrenzung liegenden Wege und Wasserläufe.

(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in eitler Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen, Stand 20. Oktober 1987 im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen, beim Landratsamt Zollernalbkreis in Balingen und bei der Stadt Hechingen in Hechingen auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

(3) Die Verordnung mit Karte ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

Schutzzweck ist die Erhaltung, Pflege und Weiterentwicklung einer floristisch hochwertigen, das Landschaftsbild prägenden extensiv genutzten Wacholderheide.

 

§ 4 Verbote

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten. die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen. Sport‑, Spiel‑ oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern

4.            Entwässerungs‑ oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes entgegen dem Schutzzweck verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild‑ oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            aufzuforsten oder auf andere Weise Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut‑, Wohn‑ oder Zufluchtsstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        das Schutzgebiet in der Zeit vorn 1. April bis 31. August außerhalb der Wege zu betreten;

12.        das Schutzgebiet zu befahren oder im Schutzgebiet zu reiten;

13.        Luftfahrzeuge aller Art zu starten oder zu landen;

14.        Feuer zu machen;

15.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

16.        Düngemittel oder Chemikalien einzubringen;

17.        Pferche und Weidezäune zu erstellen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß Futterstellen und Hochsitze nur dort aufgestellt werden, wo sie weder wertvolle Pflanzenstandorte noch das Landschaftsbild beeinträchtigen. Als Hochsitze sind nur einfach Ansitzleitern aus naturbelassenen Hölzern zulässig. Futterstellen sind hinsichtlich Anzahl und Umfang auf das zur Erfüllung der Hegepflicht erforderliche Ausmaß zu begrenzen;

2.            für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß die Schafbeweidung nur in Hutehaltung und nicht vor dem 1. August jeden Jahres erfolgen darf.
§ 4 Abs. 2 Nr. 17 bleibt unberührt;

3.            für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung einschließlich der Holzbringung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

4.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle veranlaßt werden;

6.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und 5 Nr. 2 und 3 verbotenen Handlungen vornimmt.

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 5 Nr. 1 die Jagd ausübt.

 

§ 8 Inkrafttreten

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

(2) Gleichzeitig tritt die Verordnung des Landratsamtes Hechingen über das Landschaftsschutzgebiet »Oberes Starzeltal« und Zollerberg« vom 19. Dezember 1972 (Schwarzwälder Bote vorn 28. Dezember 1972) außer Kraft, soweit sie sich auf den Geltungsbereich dieser Verordnung bezieht.

 

Tübingen, den 7. Dezember 1987

Dr. Gögler