4.146 Espenloch-Hintere Halde

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Espenloch ‑ Hintere Halde« vom 15. Juli 1988 (GBl. v. 24.08.1988, S. 226).

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und 04 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz-NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden-württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBl. S. 199), und von § 22 Abs. 2 Landesjagdgesetz in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Hirrlingen, Landkreis Tübingen, sowie der Gemeinde Rangendingen, Zollernalbkreis, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Espenloch-Hintere Halde«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 22,26 ha. Es umfaßt

·               auf Gemarkung Rangendingen, Gemeinde Rangendingen, Zollernalbkreis, die Flurstücke 6102 teilweise, 6103, 6104, 6106 bis 6116, 6118 bis 6129, 6131, 6132, 6133/1, 6133/2, 6133/3, 6133/5, 6134 bis 6140, 6142, 6143, 6145, 6147, 6149, 6151, 6152, 6155 bis 6157, 6159 bis 6162, 6163/1, 6163/2, 6164, 6166, 6168 bis 6182, 6183/1, 6183/2, 6184, 6185, 6186/1, 6186/2, 6187, 6188, 6317 bis 6321 mit einer Fläche von rund 10 ha,

·               und auf Gemarkung Hirrlingen, Gemeinde Hirrlingen, Landkreis Tübingen, die Flurstücke Feldweg 17 teilweise, Feldweg 18 teilweise, 1783/1 teilweise, 2018, 2019/1, 2019/2, 2020/1, 2020/2, 2021/1, 2021/2, 2022, 2023, 2024/1, 2024/2, 2024/3, 2025/1, 2025/2, 2026/1, 2026/21 2027/1, 2027/2, 2028/1, 2028/2, 2029 bis 2034, 2035/1, 2035/2, 2036, 2037/1, 2037/2, 2038, 2039/1, 2039/2, 2040, 2041/1, 2041/2, 2042/1, 2042/2, 2042/3, 2043/1, 2043/2, 2044/1, 2044/2, 2045 bis 2047, 2048/1, 2048/2, 2049/1, 2049/2, 2050/1, 2050/2, 2051, 2052/1, 2052/2, 2053 bis 2061, 2062/1, 2062/2, 2063, 2064, 2065/1, 2065/2, 2066 bis 2072 mit einer Fläche von rund 12,26 ha.

(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen, Stand 9.Juni 1983, im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen, beim Landratsamt Tübingen in Tübingen, beim Landratsamt Zollernalbkreis in Balingen und bei der Stadt Hechingen in Hechingen auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

(3) Die Verordnung mit Karte ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung, Pflege und Verbesserung der Halbtrockenrasen, Streuobstbestände und Feuchtgebiete als Lebensraum von zahlreichen, zum Teil seltenen und vorn Aussterben bedrohten Tier‑ und Pflanzenarten.

 

§ 4 Verbote

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer; nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, Sport‑, Spiel‑ oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs‑ oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes entgegen dem Schutzzweck verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild‑ oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            neu aufzuforsten oder auf andere Weise Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut‑, Wohn‑, oder Zufluchtsstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        das Schutzgebiet außerhalb der Wege zu befahren;

12.        Feuer zu machen;

13.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

14.        auf den landes- oder gemeindeeigenen Grundstücken Düngemittel oder Chemikalien einzubringen;

15.        die Streuobstbestände zu roden;

16.        die Fläche zu beweiden.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß jagdliche Einrichtungen nur in einfacher Form aus naturbelassenen Hölzern und nur dort errichtet werden dürfen, wo sie weder wertvolle Pflanzenstandorte noch das Landschaftsbild beeinträchtigen;

2.            für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

3.            für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung mit der Maßgabe, daß
a) Wiesen, die nicht der Futtergewinnung dienen, erst ab dem 1. September gemäht werden und das Mähgut von den Grundstücken abgeräumt wird;
b) der vorhandene Obstbaumbestand erhalten bleibt. Neu‑ und Nachpflanzungen sind bei Verwendung von Obsthochstämmen zulässig;
c) die Beweidung nur mit Schafen in Hütehaltung vom 1. August bis Ende Februar zulässig ist;

4.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren ordnungsgemäße Unterhaltung und Instandsetzung;

5.            für Schutz‑ und Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle ‑ im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen staatlichen Forstamt ‑ veranlaßt werden;

6.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Pflegemaßnahmen

Pflege‑ und Entwicklungsmaßnahmen zum Erreichen des Schutzzweckes können von der höheren Naturschutzbehörde ‑ für Waldbereiche im Einvernehmen mit der Forstverwaltung ‑ in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt werden.

 

§ 7 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Nr. 2 bis 4 verbotenen Handlungen vornimmt.

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 und § 5 Nr. 1 die Jagd ausübt.

 

§ 9 Inkrafttreten

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

(2) Gleichzeitig treten die Verordnung des Landratsamtes Hechingen vom 10.Oktober 1963 über das Landschaftsschutzgebiet »Mittlere Starzel« (Hohenzollerische Zeitung vom 16.Oktober 1963) und die Verordnung des Landratsamtes Tübingen vom 1.Oktober 1982 über das Landschaftsschutzgebiet »Rauher Rammert« (Südwestpresse, Schwäbisches Tagblatt, Tübinger Chronik vom 6. Oktober 1982), soweit sie sich auf den Geltungsbereich dieser Verordnung beziehen, außer Kraft.

 

TÜBINGEN, den 15. Juli 1988

DR. GÖGLER