4.150 Gutershofer Weiher

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Gutershofer Weiher« vom 3. Februar 1989 (GBl. v. 20.03.1989, S. 91).

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz ‑NatSchG) vorn 21.Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden‑württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6.Juni 1983 (GBl. S. 199) und von § 22 Abs. 2 und § 33 Abs. 2 Nr. 4 Landesjagdgesetz in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Attenweiler, Landkreis Biberach, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Gutershofer Weiher«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca. 7,61 ha. Es umfaßt auf Gemarkung Attenweiler die Flurstücke Nrn. 1331 und 1585 (teilweise).

(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 14. November 1988 im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen und beim Landratsamt Biberach in Biberach auf die Dauer von drei Wochen beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

(3) Die Verordnung mit Karte ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

Der wesentliche Schutzzweck ist die Erhaltung des Weihers und seiner Verlandungszone als Laichgewässer für Amphibien, sowie als Lebensraum für Libellen und die stark bedrohten Fledermäuse. Das Gebiet dient ferner als Brutbiotop, Nahrungsraum und Rastplatz für seltene und geschützte Vogelarten.

 

§ 4 Verbote

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, Sport‑, Spiel‑ oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs‑ oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes entgegen dem Schutzzweck verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild‑ oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            neu aufzuforsten oder auf andere Weise Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut‑, Wohn‑ oder Zufluchtsstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        das Schutzgebiet mit Ausnahme der in der Schutzgebietskarte mit Längsschraffur dargestellten Fläche (Liegewiese und Böschung) zu betreten;

12.        Feuer zu machen;

13.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

14.        Düngemittel oder Chemikalien einzubringen;

15.        im Gutershofer Weiher außerhalb der in der Schutzgebietskarte mit Querschraffur dargestellten Wasserfläche (Badebucht) zu baden, Modellboote zu betreiben oder die Wasserfläche mit kleinen Fahrzeugen ohne eigene Triebkraft einschließlich Luftmatratzen, Schlauchbooten und dergleichen zu befahren;

16.        Wiesen, Röhricht- und Brachflächen umzubrechen;

17.        den Weiher zu verändern;

18.        Boote, Bojen und andere schwimmende Anlagen zu verankern und Stege zu errichten.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß die Jagd auf Federwild erst ab dem 1.November eines jeden Jahres durchgeführt wird, Wasservögel nicht angekirrt werden und die Schilfzone zwischen dem 1.März und dein 31.Juli eines jeden Jahres ‑ außer zur Nachsuche ‑ nicht betreten wird;

2.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei mit der Maßgabe, daß zwischen dem 1.März und dem 31.Juli eines jeden Jahres die Schilfzone nur zur Fischnacheile betreten oder befahren werden darf. Die in der Schutzgebietskarte ohne Schraffur dargestellte Wasserfläche darf mit max. drei Booten befahren werden. Wesentliche Änderungen in der Art und im Umfang der fischereilichen Bewirtschaftung, insbesondere ein Wechsel von der Nutzung als Teichwirtschaft in einen Angelweiher, bedürfen der Zustimmung des Regierungspräsidiums;

3.            für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

4.            für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß der Wald auf Flst.Nr. 1585 als Laubholzbestand erhalten bzw. erneuert wird;

5.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen einschließlich der Anlegestelle für drei Fischerboote in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

6.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle ‑im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen staatlichen Forstamt ‑ veranlaßt werden;

7.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

8.            für die Bejagung des Bisams in der Zeit zwischen dem 1. August und dem 28. Februar.

 

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG und nach jagdrechtlichen Vorschriften Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr.2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der § 4 und § 5 verbotenen Handlungen vornimmt.

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Ahs.2 Nr.4 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dein Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 und § 5 Nr. 1 die Jagd ausübt.

 

§ 8 Inkrafttreten

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

(2) Gleichzeitig tritt die Verordnung des Landratsamts Biberach über das Landschaftsschutzgebiet »Gutershofer Weiher« vom 11. November 1963 außer Kraft.

 

TÜBINGEN, den 3. Februar 1989

DR. GÖGLER