4.156 Geifitze

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Geifitze« vom 10.April 1989 (GBl. v. 23.05.1989, S. 150; Berichtigung: GBl. v. 28.07.1989).

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz ‑NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden‑württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6.Juni 1983 (GBl. S. 199), und von § 22 Abs.2 Landesjagdgesetz in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dein Gebiet der Stadt Albstadt im Zollernalbkreis wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Geifitze«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 33 ha. Es umfaßt auf Gemarkung Onstmettingen

·               die Flurstücke Nr. 1625 teilweise, 1627 teilweise, 1629 bis 1631, 1634 bis 1636, 1638, 1639, 1641 bis 1646, 1651 bis 1654 je teilweise, 1655 bis 1668, 1670 bis 1675, 1677, 1685 bis 1687, 1691, 1692 (Wassergraben), 1693, 1694,1696 bis 1698, 1700 bis 1702, 1704 bis 1706, 1708 bis 1712, 1714, 1716, 1718 bis 1720, 1722, 1724, 1726 bis 1728, 1730, 1731, 1733 bis 1735, 1737, 1739, 1740, 1742, 1744, 1745, 1747, 1749, 1750, 1752, 1754, 1755, 1758, 1759, 1761, 1762, 1764, 1765, 1767 bis 1771, 1773, 1774, 1776, 1778, 1781,1802, 1803. 1805, 2073 bis 2076, 2078 bis 2080, 2082 bis 2084, 2087 bis 2090, 2092, 2093, 2095 bis 2099, 2108 bis 2110, 2112, 2116, 2118 bis 2120, 2122 bis 2124, 2133 bis 2135, 2138, 2140, 2142 bis 2144, 2166, 2168, 2169, 2171, 2173, 2343, 2344, 2345, 2345/1 (Feldweg), 2346, 2347, 2348, 2348/1 (Wassergraben), 2349, 2358, 2359, 2359/1 (Wassergraben), 2360, 2360/1 (Weg), 2361, 2362/1, 2362/2, 2363 bis 2366, 2366/1 (Weg), 2367 bis 2369, 2369/1 (Weg), 2370, 2371, 2385/1, 2385/2, 2386, 2396 bis 2423, 2439 bis 2443, 2758, 2759, 2769/1, 2769/2, 2770, 2797 bis 2800

·               sowie Bach Nr. 1 (Schmiecha) teilweise,

·               Wassergräben Nr. 4, 5, 6, 8, 10, 15, 16, 17, 18, Wasser 2 teilweise,

·               sowie die Feldwege Nr. 3/1, 3/2 (teilweise), 4 (teilweise), 5 (teilweise), 42 (teilweise), 100/1 (teilweise), 103 (teilweise), 122, 123, 124, 125, 126, 127, 128 (teilweise), 131, 132, 133, 134, 135 (teilweise), 136 (teilweise), 137 (teilweise), 138, 139, 140 (teilweise), 141 (teilweise), 142, 143 (teilweise), 172, 173, 174, 175 (teilweise) und 176.

(2) Die genauen Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen, Stand 15. März 1989, im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen, beim Landratsamt Zollernalbkreis in Balingen und beim Bürgermeisteramt der Stadt Albstadt in Albstadt auf die Dauer von drei Wochen beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

(3) Die Verordnung mit Karte ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

Schutzzweck ist die Erhaltung, Pflege und Verbesserung eines für die durch trockene Standorte geprägte Schwäbische Alb seltenen, vielfältig strukturierten Feuchtgebietskomplexes, als Lebensraum zahlreicher gefährdeter und geschützter Tier‑ und Pflanzenarten.

Von besonderer ökologischer Bedeutung sind hierbei:

1.            der noch weitgehend naturnah verbliebene Oberlauf der Schmiecha und deren Nebenbäche;

2.            die zwischen den Bachläufen und den Talhängen gelegenen, dem jeweiligen Wasserstand angepaßten Großseggengesellschaften;

3.            die in Sukzession befindlichen Weidengebüsche;

4.            die vorhandenen Flachmoore und die daran gebundenen Schmetterlingsarten;

5.            der gesamte Landschaftsraum als Brut-, Nahrungs- und Durchzugsgebiet gefährdeter und vom Aussterben bedrohter Vogelarten.

 

§ 4 Verbote

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, Sport‑, Spiel‑ oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs‑ oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes entgegen dem Schutzzweck verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild‑ oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            neu aufzuforsten oder auf' andere Weise Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut‑, Wohn‑ oder Zufluchtstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        das Schutzgebiet außerhalb der Wege zu befahren;

12.        Feuer zu machen;

13.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

14.        auf den landeseigenen und gemeindeeigenen Flurstücken Düngemittel oder Chemikalien einzubringen;

15.        Weidezäune, Koppeln oder Pferche zu errichten;

16.        das Schutzgebiet zu beweiden;

17.        Wiese in Ackerland umzuwandeln;

18.        das Landen und Starten von Fluggeräten aller Art.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß jagdliche Einrichtungen nur dort aufgestellt werden, wo sie weder Feuchtgebietsflächen noch das Landschaftsbild beeinträchtigen. Als jagdliche Einrichtungen sind nur einfache Hochsitze aus naturbelassenen Hölzern zulässig;

2.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

3.            für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Grünlandnutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß das anfallende Mähgut abgeräumt wird. Die Herbstweide mit Schafen in Hütehaltung ist zulässig. § 4 Abs. 2 Nr. 14, 15 und 17 bleiben unberührt;

4.            sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren ordnungsgemäße Unterhaltung und Instandsetzung;

5.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle veranlaßt werden;

6.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Schutz‑ und Pflegemaßnahmen

Schutz‑ und Pflegemaßnahmen im Rahmen der Naturschutzgebietsverordnung, können von der höheren Naturschutzbehörde auf Grund eines im Einvernehmen mit der Landwirtschaftsverwaltung erstellten Pflegeplans angeordnet werden.

 

§ 7 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs.1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Nr. 2 bis 4 verbotenen Handlungen vornimmt.

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs.2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 5 Nr. 1 die Jagd ausübt.

 

§ 9 Inkrafttreten

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

(2) Gleichzeitig tritt die Verordnung des Landratsamtes Zollernalbkreis über das Landschaftsschutzgebiet »Albstadt‑Bitz« (verkündet im Amtsblatt des Zollernalbkreises vom 10.September1983) außer Kraft, soweit sie sich auf den Geltungsbereich dieser Verordnung bezieht.

 

TÜBINGEN, den 10. April 1989

DR. GÖGLER

 

Berichtigung

Berichtigung der Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Geifitze« vom 10.April 1989 (GBl. v. 28.07.1989, S. 339).

In § 2 Abs. 1 Satz 2 muß die Aufzählung der Flurstücksnummern richtig lauten: »1708 bis 1712«.