4.160 Nähberg

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Nähberg« vom 30.Juni 1989 (GBl. v. 28.08.1989, S. 419).

Auf Grund von § 21, § 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz-NatSchG) vom 21.Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden-württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBl. S. 199), und von § 22 Abs. 2 Landesjagdgesetz in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Stadt Burladingen, Zollernalbkreis, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Nähberg«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 28,9 ha. Es umfaßt auf Gemarkung Killer die Flurstücke 1401, 1403, 1404, 1405, 1406 und 1407 sowie auf Gemarkung Starzeln die Flurstücke 957, 1151, 1153, 1155, den nördlichen Teil von Flurstück 1157 sowie den durch das Schutzgebiet verlaufenden Teil des Feldweges Nr. 1222.

(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen, Stand 29. August 1988, im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen und beim Landratsamt Zollernalbkreis in Balingen auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

(3) Die Verordnung mit Karte ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

Schutzzweck ist die Erhaltung, Pflege und Weiterentwicklung einer für die Landschaft der Schwäbischen Alb typischen Bergkuppe.

Insbesondere geschützt werden sollen die hinsichtlich Tier‑ und Pflanzenwelt hochwertige, das Landschaftsbild prägende Wacholderheide sowie die daran angrenzenden Waldflächen mit ihrer ebenfalls reichhaltigen und zum Teil gefährdeten Pflanzenwelt.

 

§ 4 Verbote

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, Sport‑, Spiel‑ oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs‑ oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes entgegen dem Schutzzweck verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild‑ oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            Neuaufforstungen vorzunehmen oder sonstige Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut‑, Wohn‑ oder Zufluchtsstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        das Schutzgebiet außerhalb der Wege zu betreten;

12.        im Schutzgebiet mit Fahrzeugen jeglicher Art außerhalb von Feldweg Nummer 1222 zu fahren oder zu reiten;

13.        Feuer zu machen;

14.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

15.        Luftfahrzeuge aller Art einschließlich Modellflugzeuge zu starten oder zu landen;

16.        Düngemittel oder Chemikalien einzubringen;

17.        Pferche und Weidezäune zu erstellen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß der Schutzzweck nicht beeinträchtigt wird. Insbesondere sollten jagdliche Einrichtungen nur in einfacher Form aus naturbelassenem Holz und nur dort aufgestellt werden, wo weder wertvolle Pflanzenstandorte noch das Landschaftsbild beeinträchtigt werden;

2.            für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß Schafbeweidung nur in Hütehaltung und nicht vor dem 15. August eines jeden Jahres erfolgen darf;

3.            für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung einschließlich der Holzbringung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

4.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren ordnungsgemäßen Unterhaltung und Instandsetzung;

5.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle ‑im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen staatlichen Forstamt ‑ veranlaßt werden;

6.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Schutz‑ und Pflegemaßnahmen

Schutz‑ und Pflegemaßnahmen im Schutzgebiet können im Rahmen der Verordnung von der höheren Naturschutzbehörde ‑ im Wald im Einvernehmen mit der Forstverwaltung ‑ in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnungen festgelegt werden.

 

§ 7 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann das Regierungspräsidium Tübingen nach § 63 NatSchG Befreiung erteilen.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

1.            Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 Naturschutzgesetz handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Nr. 2 bis 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

2.            Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes handelt, wer im Naturschutzgebiet entgegen § 5 Nr. 1 die Jagd ausübt.

 

§ 9 Inkrafttreten

(1) Die Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

(2) Gleichzeitig tritt die Verordnung des Landratsamts Hechingen über das Landschaftsschutzgebiet »Oberes Starzeltal und Zollerberg« vom 19. Dezember 1972 (Schwarzwälder Bote vom 28. Dezember 1972) außer Kraft, soweit sie sich auf den Geltungsbereich dieser Verordnung bezieht.

 

TÜBINGEN, den 30. Juni 1989

DR. GÖGLER