4.171 Hengelesweiher

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Hengelesweiher« vom 2.August 1990 (GBl. v. 29.09.1990, S. 290).

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden-württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBI. S. 199), und von § 22 Abs. 2 und § 33 Abs. 2 Nr. 4 Landesjagdgesetz in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBI. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Stadt Isny im Allgäu, Gemarkung Großholzleute, Landkreis Ravensburg, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Hengelesweiher«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca. 54,4 ha. Es umfaßt auf Gemarkung Großholzleute:

·               a) Flur 2 (Burkwang) die Flurstücke Nr. 105 g (teilweise -tw-), 135/2, 136/1, 138/1, 138/2 tw, 142/1, 142/2, 142/3, 143/3, 144 mit Gebäude Nr. 117, 145/ 1, 145/2, 145/3, 145/4, 146, 147, 148, 150, 150/1 (Weg), Feldweg (FW) Nr. 1 tw, FW Nr. 2 tw, FW Nr. 3, FW Nr. 6, FW Nr. 9 tw sowie den Bach Nr. 1 und das Gewässer Nr. 2 tw (Flst. Nr. 97 tw und 97/3 tw);

·               b) Flur 4 (Simmerberg) die Flst. Nr. 4/2, 4/3, 4/4, 4/9, 5, 6/2, 6/3, 6/4 (Weg), 7, 8 und 9/1 tw.

(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 11.Juli 1990 im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen und beim Landratsamt Ravensburg in Ravensburg auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

(3) Die Verordnung mit Karte ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung des Hengelesweihers, seiner charakteristischen Verlandungszonen und der sich anschließenden Riedgebiete als prägende Elemente der Kulturlandschaft im Naturraum und als ökologisch hochwertiges Lebensraummosaik einer artenreichen und zum Teil hochgradig bedrohten Tier- und Pflanzenwelt im Verbund der
oberschwäbischen Feuchtgebiete.

 

§ 4 Verbote

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, Sport-, Spiel- oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets entgegen dem Schutzzweck verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            neu aufzuforsten oder auf andere Weise Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.        zu zelten, zu grillen, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        das Schutzgebiet außerhalb der Wege zu betreten oder zu befahren;

12.        das Baden im Hengelesweiher südlich der in die Schutzgebietskarte eingezeichneten Linie. Das Baden im Hengelesweiher ist nur vom nicht zum Schutzgebiet gehörenden Teil des Flurstücks Nr. 9/1 der Flur 4 (Simmerberg) aus gestattet;

13.        den Hengelesweiher mit Wasserfahrzeugen aller Art zu befahren;

14.        Feuer zu machen;

15.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

16.        Düngemittel oder Chemikalien einzubringen;

17.        mit Luftfahrzeugen aller Art zu starten oder zu landen;

18.        zu reiten.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß
a) der Schutzzweck durch die Ausübung der Jagd gefördert wird,
b) Hochsitze nur als einfache Ansitzleitern aus naturbelassenen Rundhölzern neu errichtet werden,
c) das Ankirren von Wasserwild nicht zulässig ist und
d) die Jagd auf Wasserwild erst nach dem 1. November erfolgt;

2.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) ein Befischen des Hengelesweihers südlich der in  die Schutzgebietskarte eingezeichneten Linie und des Bachs Nr. 1 zwischen dem 1. Januar und dem 30. Juni nicht zulässig ist,
b) höchstens 20 Fischerboote gestattet sind und
c) der Wasserspiegel des Hengelesweihers für die Mahd der Streuwiesen zwischen dem 15. August und dem 30. September abgesenkt werden muß;

3.            für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung einer Teilfläche des Flst.Nr. 105 g der Flur 2 in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

4.            für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Grünlandnutzung mit der Maßgabe, daß
a) im kartierten Feuchtgebiet auf den schraffiert dargestellten Flächen eine zweimahdige Nutzung ohne Einsatz von flüssigem Wirtschaftsdünger (Gülle, Jauche, Schwemmist) und auf den übrigen Feuchtgebietsflächen nur eine Streuwiesennutzung (keine Düngung und die Mahd nicht vor dem 1. September) zulässig ist,
b) auf den außerhalb des Feuchtgebiets schraffiert dargestellten Flächen das Ausbringen von flüssigem Wirtschaftsdünger nicht zulässig ist und
c) die übrigen Grünlandflächen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang bewirtschaftet werden können;

5.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Entwässerungsgräben und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen einschließlich der Bootsanlegestelle für die Fischerboote und der zwei Angelstege in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung. Die Entwässerungsgräben sollen nur zwischen dem 15. September und dem 15. November geräumt werden;

6.            für das Eislaufen im bisherigen Umfang;

7.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle - im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen staatlichen Forstamt - veranlaßt werden;

8.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Nr. 2-8 verbotenen Handlungen vornimmt.

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Ab,-2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 und § 5 Nr. 1 die Jagd ausübt.

 

§ 8 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

TÜBINGEN, den 2. August 1990

DR. GÖGLER