4.176 Booser-Musbacher Ried

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Natur‑ und Landschaftsschutzgebiet »Booser - Musbacher Ried« vom 11. Januar 1991 (GBl. v. 28.02.1991, S. 104).

Auf Grund von §§ 21, 22, 58 Abs.2 und 4 sowie § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz ‑ NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6.Juni 1983 (GBl. S. 199), und von § 22 Abs.2 und § 33 Abs.2 Nr. 4 Landesjagdgesetz in der Fassung vom 20.Dezernher 1978 GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

(1) Die in § 2 Abs. 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Saulgau, Gemarkungen Hochberg und Lampertsweiler, Landkreis Sigmaringen und der Gemeinde Ebersbach-Musbach, Gemarkung Musbach, Fluren Geigelbach und Musbach, Landkreis Ravensburg werden zum Naturschutzgebiet erklärt.

(2) Die in § 2 Abs. 3 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Saulgau, Gemarkungen Hochberg und Lampertsweiler und der Gemeinde Ebersbach-Musbach, Gemarkung Musbach, Fluren Geigelbach und Musbach werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt.

(3) Das Natur- und Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung »Booser-Musbacher Ried«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Natur- und Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von ca. 342,85 ha. Das Naturschutzgebiet ist ca. 96,43 ha und das Landschaftsschutzgebiet ist ca. 246,42 ha groß.

(2) Das Naturschutzgebiet besteht aus folgenden 6 Teilen:

·               a) Teil 1 hat eine Größe von ca. 1,62 ha. Er umfaßt auf Gemarkung Lampertsweiler die Flurstücke (Flst.) Nr. 269/1, 269/2, 270/1-270/3;

·               b) Teil 2 hat eine Größe von ca. 0,18 ha. Er umfaßt Teilflächen der Flst. Nr. 278 und 279 (Toteisloch) auf Gemarkung Lampertsweiler;

·               c) Teil 3 hat eine Größe von ca. 0,26 ha. Er umfaßt eine Teilfläche des Flst. Nr. 278 (Toteisrinne) auf Gemarkung Lampertsweiler;

·               d) Teil 4 hat eine Größe von ca. 31,25 ha. Er umfaßt im wesentlichen folgende Grundstücke, Feldwege (FW) und Gewässer:
aa) auf Gemarkung Lampertsweiler die Flurstücke Nr. 193 tw (Weg), 273, 274/10 tw, 275 (Weg), 275/1, 275/3, 275/5, 275/8-275/17, 275/19-275/22, 275/26-275/28, 275/35-275/39, 275/41-275/43, 275/47, 275/48, 276 (Riedgraben), 346 und 348;
bb) auf Gemarkung Hochberg die Flst. Nr. 174/1 und 174/10;
cc) auf Gemarkung Musbach, Flur Geigelbach die Flurstücke Nr. 87/3, 87/5, 88/1-88/5, 89/1 tw, 89/2-89/6, 91/1-91/7, 92/1-92/5, 93/9-93/11, 93 /17-93/24, 94, Riedgraben (Bach Nr. 2);

·               e) Teil 5 hat eine Größe von ca. 11,25 ha. Er umfaßt im wesentlichen auf Gemarkung Hochberg die Flurstücke Nr. 50 tw (Weg), 175/2, 175/3, 176 tw, 176/1-176/4, 179/3, 179/4, 179/6-8, 182/1-182/5, 196, 197, 213 tw, 213/3 tw, 224, 225, 226 tw, 226/1 tw (Weg), 227-229;

·               f) Teil 6 hat eine Größe von ca. 51,87 ha. Er umfaßt  folgende Grundstücke, FW und Gewässer
aa) auf Gemarkung Musbach, Flur Geigelbach die Flurstücke Nr.60/1 tw, 60/3-60/5 jeweils tw, 60/8 tw, 61 tw, 63 tw, 64, 722, 723, 725/1, 725 / 2, 730/1, 730/2, Bach Nr. 1 (Riedgraben);
bb) auf Gemarkung und Flur Musbach die Flurstücke Nr. 62/7, 62/15, 63/4-63/8, 63/9 (FW), 64, 67/1, 67/2, 68-71, 72/1, 72/2, 75/1-75/4, 76/2, 76/3, 78-81, 82/1, 83/2, 84/1, 87/2, 88/2, 89/2, 98/1-98/5, 98/7,98/8 tw, 98/ 10 tw, 98/13, 98/16-98/36, 108 tw, 109 tw, 138 tw (Seebach), 140-146, 148/1, 148/2 (Booser See), 149-158, 160 und FW Nr. 14;
cc) auf Gemarkung Hochberg die Flurstücke Nr. 141-143 und 138 tw (Seebach).

(3) Das Landschaftsschutzgebiet umfaßt im wesentlichen folgende Grundstücke, Wege und Gewässer:

·               a) auf Gemarkung Hochberg die Flurstücke Nr. 50 tw (FW), 122 tw (Weg), 138 (Seebach), 138/1, 139, 140/1-140/3, 144/1-144/11, 145 (Riedgraben), 145/1-145/12, 146/1-146/3, 146/5, 150, 15111-15115, 152, 160/1-160/3, 161-163, 165-171, 172/1-172/3, 173/1-173/3, 173/5-173/7, 174/2-174/5, 174/7174/9, 174/11, 175/1, 175/4, 175/6, 176 tw (Weg), 177, 178, 179/1, 179/2, 179/5, 179/9, 180/1-180/3, 181,182 (Weg), 183, 184/1, 184/2,185 (FW), 185/1185/3, 186, 187/1-187/4, 190 mit Gebäude 43, 192, 193/1-193/6, 194/1, 194/2, 198-212, 213 tw, 213/1, 213/2, 213/3 tw, 214-223, 226 tw, 226/1 tw (Weg), 230-233;

·               b) auf Gemarkung Lampertsweiler die Flurstücke Nr. 193 tw, 247 (Weg), 251 tw, 253-255, 267-269, 271, 272/1-272/2, 274, 274/1, 274/3, 274/4-274/9. 274/10 tw, 275/1, 275/2, 275/4, 275/6, 275/23-275/25, 275/29-275/34, 275/40, 275/44-275/46, 276 (Riedgraben), 276/1-276/3, 277, 278 tw, 279 tw, 280, 305-307, 310-313, 316, 317, 319/1-319/4, 320 tw, FW 26, 321/1, 321/2, 321/4, 334/1 (Weg) tw, 335-337, 339, 340, 342-345, 347 und den Seebach (tw);

·               c) auf Gemarkung Musbach, Flur Geigelbach die Flur stücke FW 4, FW 5, Bach Nr. 2 (tw), Bach Nr. 1 (Seebach) tw, Riedgraben tw, 60/1 tw, 60/2, 60/3-60/5 tw, 60/8 tw, 61 tw, 63 tw, 65/1, 65/2, 67-71, 73, 75, 76, 78, 80, 81/1, 81/2, 82, 83/1, 83/2, 84/1, 84/2, 85, 87/1, 87/2, 87/4, 87/6-87/10, 89/1 tw, 90/1, 90/2, 93/1-93/8, 93/12-93/15, 95/1-95/7, 96, 721, 731 und 733;

·               d) auf Gemarkung Musbach, Flur Musbach die Flurstücke Nr. 62/2, 62/4, 62/6, 62/8-62/10, 62/12, 62/13, 62/16-62/19, 63/1, 63/3, 76/1, 77/1, 77/2, 82/2-82/6, 83/1, 84/1 tw, 84/2-87/1, 88/1, 89/1, 90, 91/1-92, 93/7, 94, 97/1-97/6, 98/6, 98/8 tw, 98/9, 98/10 tw, 98/11, 98/14, 98/15, 99, 100/1-100/6, 105/1, 105/2, 106-110/1, 111, 114/6, 115 und die Feldwege 2 tw, 3 tw, 13 sowie den Seebach tw (Bach Nr. 1).

 (4) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer topographischen Karte (Nr. 8023 Aulendorf) i. M. 1:25000 kombiniert mit einer Flurkarte i. M. 1:5000 des Regierungspräsidiums Tübingen vom 1. Dezember 1989 gekennzeichnet. Die Grenzen der Naturschutzgebietsteile sind rot und die des Landschaftsschutzgebietes grün angelegt. Im Falle eines Widerspruchs zwischen den in der Karte eingetragenen Grundstücksflächen des Natur- und Landschaftsschutzgebiets mit der textlichen Beschreibung gelten die in der Karte getroffenen Festlegungen. Die Karte ist Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen, beim Landratsamt Ravensburg in Ravensburg und beim Landratsamt Sigmaringen in Sigmaringen, auf die Dauer von drei Wochen beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 (5) Die Verordnung mit Karte ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 4 Satz 5 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

(1) Das Naturschutzgebiet dient der Erhaltung des vielfältigen, durch verschiedenste Vegetationstypen gekennzeichneten Riedes als Lebensraum und Rückzugsgebiet für zahlreiche gefährdete oder vom Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenarten.

Wesentlicher Schutzzweck ist

1.            die Erhaltung besonders schützenswerter Vegetationstypen wie
- Sukzessionswälder (stufige Waldbestände mit hohem Laubholzanteil, entstanden aus natürlicher Sukzession nach Torfstich oder auf ehemaligen Streuwiesen),
- Feuchtgebüsche auf dauernassen Standorten,
- Torfstiche und offenen Wasserflächen sowie deren Verlandungszonen,
- Seggenrieder, Röhrichtgesellschaften, Hochstaudenfluren, Naßwiesen, mit ihren typischen und zunehmend gefährdeten Tier- und Pflanzenarten;

2.            die Sicherung des Booser Sees sowie der ehemaligen Lehmgrube Rieden. Deren offene Wasserflächen und Verlandungsgesellschaften sind Rückzugsgebiete für gefährdete Vogel- (Brutvögel, Durchzügler) und Amphibienarten;

3.            die Erhaltung der Toteisrinne und des Toteisloches (Naturschutzgebietsteile Nr. 2 und 3) als erdgeschichtliche Dokumente mit wissenschaftlicher Bedeutung;

4.            die Erhaltung und teilweise Extensivierung von Feuchtwiesen als Pufferzone (Pufferzone 1) für den Schutz botanisch und zoologisch wertvoller Bereiche;

5.            die Verbesserung der ökologischen Situation des Schutzgebietes durch geeignete Pflegemaßnahmen.

(2) Das Landschaftsschutzgebiet dient

1.            der Erhaltung des mit dem Naturschutzgebiet naturräumlich zusammenhängenden Grünlandgürtels auf moorigem oder anmoorigem Boden als Brut-, Rast- und Nahrungsbiotop für auf feuchte Wiesen angewiesene Vogelarten sowie als Pufferzone um das eigentliche Kerngebiet (Pufferzone 2);

2.            der Vermeidung nachteiliger Einflüsse auf das Naturschutzgebiet durch störende oder den Naturhaushalt beeinträchtigende Veränderungen der Umgebung;

3.            der Erhaltung der Schönheit und Eigenart der Landschaft geprägt durch den Wechsel von offenen Wiesenflächen, Wäldern, Feuchtgebüschen und markanten Einzelbäumen sowie der Sicherung der Erholungsfunktion.

 

§ 4 Verbote im Naturschutzgebiet

(1) Im Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

(2) Im Naturschutzgebiet ist insbesondere verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            fließende oder stehende Gewässer zu schaffen, zu beseitigen, zu verändern sowie Entwässerungs- und sonstige Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            Sport-, Spiel- oder Erholungseinrichtungen zu schaffen;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- Rast-, Nahrungs- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.        zu zelten, zu lagern oder Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        Feuer zu entzünden oder zu unterhalten sowie zu grillen;

12.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.        Hunde am Booser See und in der Lehmgrube Rieden (Naturschutzgebiet Teil 1) frei laufen zu lassen;

14.        das Schutzgebiet außerhalb der Wege zu betreten oder zu befahren;

15.        Wiesen-, Brach-, Ried- und Röhrichtflächen umzubrechen;

16.        Neuaufforstungen vorzunehmen, Umwandlung von Laub- in Nadelbestände, Schmuckreisigkulturen oder Vorratspflanzungen von Bäumen oder Sträuchern anzulegen oder sonstige Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

17.        Luftfahrzeuge aller Art zu starten oder zu landen sowie Modellboote zu betreiben;

18.        Pflanzenbehandlungsmittel einzusetzen;

19.        Feuchtgebiete im Sinne des § 16 NatSchG zu düngen;

20.        Gehölze, Hecken und Gebüsch zu roden.

 

§ 5 Zulässige Handlungen im Naturschutzgebiet

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß
a) der Schutzzweck durch die Ausübung der Jagd gefördert wird,
b) ein Ankirren von Wasserwild nicht zulässig ist und
c) Hochsitze nur als einfache Ansitzleitern aus natur belassenen Rundhölzern neu hergestellt werden;

2.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei mit der Maßgabe, daß durch die Ausübung der Fischerei der Schutzzweck gefördert wird, insbesondere ein Besatz entsprechend der Produktionsfähigkeit der Gewässer nur mit standortgemäßen, einheimischen Fischarten zulässig ist. Auf die im Uferbereich lebenden Tierarten ist während der Brut- und Aufzuchtzeit besonders Rücksicht zu nehmen;

3.            für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Grünlandnutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) landeseigene Wirtschaftswiesen nur als extensives Grünland ohne Düngung bewirtschaftet werden,
b) Streuwiesen nicht vor dem 1. September gemäht und nicht gedüngt werden dürfen,
§ 4 Abs. 2 Nummern 3, 4, 9, 15, 19 und 20 bleibt unberührt;

4.            für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) die durch femelschlagartige Bewirtschaftung und natürliche Sukzession entstandene Waldstruktur und die noch vorhandenen Reste natürlicher Laubholzbestockung erhalten und durch entsprechende Nutzungs- und Pflegeeingriffe gefördert werden,
b) in den durch hohen Laubholzanteil geprägten Sukzessionswäldern und Feuchtgebüschen kein Nadelholz gepflanzt und der durch Naturverjüngung entstandene Nadelholzanteil nicht einseitig gefördert wird,
§ 4 Abs. 2 Nummern 4 und 16 bleibt unberührt;

5.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

6.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen einschließlich Grabenübergänge und Grundstückszufahrten in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

7.            für die ordnungsgemäße Unterhaltung der Gewässer (Vorfluter) sowie für die Unterhaltung der vorhandenen Entwässerungsgräben und Drainageleitungen auf landwirtschaftlich oder forstwirtschaftlich genutzten Flächen. Sie umfaßt insbesondere:
a) die rücksichtsvolle Pflege der Ufervegetation außerhalb der Zeit zwischen dem 1. März und dem 30. September mit der Maßgabe, daß Gehölze nur jeweils an einer Uferseite auf den Stock gesetzt werden dürfen,
b) die jährliche Pflege, Unterhaltung und gründliche Reinigung der Vorfluter,
c) die Unterhaltung, die Instandsetzung und die Erneuerung von bestehenden Drainageleitungen. Bei der Erneuerung dürfen die Drainagerohre nicht tiefergelegt und die Vorfluterverhältnisse nicht verändert werden,
d) das Ausräumen und Wiederherstellen von Entwässerungsgräben.

 

§ 6 Verbote im Landschaftsschutzgebiet

In dem Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere wenn dadurch

1.            der Naturhaushalt geschädigt,

2.            die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,

3.            eine geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert,

4.            das Landschaftsbild nachteilig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt oder

5.            der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.

 

§ 7 Erlaubnisvorbehalte für das Landschaftsschutzgebiet

(1) Im Landschaftsschutzgebiet bedürfen Handlungen, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können, der schriftlichen Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

(2) Der Erlaubnis bedürfen insbesondere folgende Handlungen:

1.            Errichtung von baulichen Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung oder der Errichtung gleichgestellter Maßnahmen;

2.            Errichtung von Einfriedigungen, ausgenommen bleiben Wildschutz- und Weidezäune;

3.            Verlegen oder Ändern von ober- oder unterirdischen Leitungen aller Art;

4.            Abbau, Entnahme oder Einbringen von Steinen, Kies, Sand, Lehm oder anderen Bodenbestandteilen oder die Veränderung der Bodengestalt auf andere Weise;

5.            Lagern von Gegenständen, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstücks erforderlich sind;

6.            Anlage oder Veränderung von Stätten für Sport, Spiel und Erholung einschließlich Motorsportanlagen;

7.            Luftfahrzeuge aller Art zu starten oder zu landen;

8.            Betrieb von Motorsport sowie von motorgetriebenen Schlitten;

9.            Aufstellen von Wohnwagen oder Verkaufsständen außerhalb der zugelassenen Plätze oder das mehrtägige Zelten oder Aufstellen von Kraftfahrzeugen;

10.        fließende oder stehende Gewässer zu schaffen, zu verändern, zu beseitigen sowie Entwässerungs- und sonstige Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

11.        Aufstellen oder Anbringen von Plakaten, Bild- oder Schrifttafeln;

12.        Dauergrünland (Grünland nach mindestens vierjähriger Nutzung) auf moorigen Böden in Äcker oder zur Neueinsaat umzubrechen;

13.        Neuaufforstungen, Umwandlung von Wald, Anlage von Schmuckreisigkulturen oder Vorratspflanzungen von Bäumen oder Sträuchern sowie von Kleingärten oder die wesentliche Änderung der Bodennutzung auf andere Weise;

14.        Beseitigen oder Ändern von wesentlichen Landschaftsbestandteilen wie Bäumen, Hecken, Gebüsch, Feldgehölzen und Hochstammobstbäumen;

15.        Kahlschlag von Wald auf einer Fläche von mehr als 4 ha;

16.        Entwässerungsgräben neu anzulegen oder die erstmalige Drainage von Grundstücken.

(3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 6 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Nebenbestimmungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, unter Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, daß die Wirkungen der Handlungen dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen.

(4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der unteren Naturschutzbehörde ergangen ist.

(5) Bei Handlungen des Bundes und des Landes, die nach anderen Vorschriften keiner Gestattung bedürfen, wird die Erlaubnis durch das Einvernehmen mit der unteren Naturschutzbehörde ersetzt, soweit Bundesrecht nicht entgegensteht. Das gleiche gilt für Handlungen, die unter Leitung oder Betreuung staatlicher Behörden durchgeführt werden.

 

§ 8 Zulässige Handlungen im Landschaftsschutzgebiet

Die §§ 6 und 7 gelten nicht:

1.            für die Nutzung im Rahmen einer ordnungsgemäßen Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Grundstücke. § 7 Nummern 11, 13, 14, 15 und 17 bleibt unberührt;

2.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd und der Fischerei;

3.            für die Nutzung im Rahmen einer ordnungsgemäßen Bewirtschaftung forstwirtschaftlicher Grundstücke. § 7 Abs. 2 Nummern 11, 14 und 17 bleibt unberührt;

4.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

5.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen insbesondere Gräbenübergänge, Grundstückszufahrten und Leitungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

6.            für die ordnungsgemäße Unterhaltung der Gewässer (Vorfluter) sowie für die Unterhaltung der Entwässerungsgräben und -leitungen auf landwirtschaftlich oder forstwirtschaftlich genutzten Flächen. Sie umfaßt insbesondere
a) die rücksichtsvolle Pflege der Ufervegetation außerhalb der Zeit zwischen dem 1. März und dem 30.September mit der Maßgabe, daß die Gehölze nur jeweils an einer Uferseite auf den Stock gesetzt werden dürfen;
b) die jährliche Pflege, Unterhaltung und gründliche Reinigung der Vorfluter;
c) die Unterhaltung, die Instandsetzung und die Erneuerung von bestehenden Drainageleitungen. Bei der Erneuerung dürfen die Drainageleitungen nicht tiefergelegt und die Vorflutverhältnisse nicht geändert werden;
d) das Ausräumen und Wiederherstellen von Entwässerungsgräben;

7.            für Schutzzäune an Verkehrswegen.

 

§ 9 Schutz- und Pflegemaßnahmen

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden durch die höhere Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnungen festgelegt. Bei Maßnahmen im Wald erfolgt dies im Einvernehmen mit der staatlichen Forstverwaltung.

 

§ 10 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG vom Regierungspräsidium Befreiung erteilt werden.

 

§ 11 Ordnungswidrigkeiten

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in den Naturschutzgebieten vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Nummern 2 bis 7 verbotenen Handlungen vornimmt.

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs.2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 und § 5 Nr. 1 die Jagd ausübt.

(3) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Landschaftsschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig

1.            entgegen § 22 Abs. 3 NatSchG in Verbindung mit § 6 dieser Verordnung Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen;

2.            entgegen § 7 und § 8 dieser Verordnung ohne vorherige schriftliche Erlaubnis Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können.

 

§ 12 Inkrafttreten

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

(2) Gleichzeitig tritt die Verordnung zum Schutze von Landschaftsbestandteilen und Landschaftsteilen im Kreis Saulgau vom 25. September 1940 (veröffentlicht in der Saulgauer Zeitung vom 30. September 1940), soweit sie sich auf die Landschaftsbestandteile »Booser Ried«, » Musbacher Ried «, »Torfstich bei Rieden« und »Weiher am Härtle« bezieht, außer Kraft.

 

TÜBINGEN, den 11. Januar 1991

DR. GÖGLER