4.179 Ebenweiler See

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Ebenweiler See« vom 22.Januar 1991 (GBl. v. .17.04.1991, S. 179).

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz ‑ NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden‑württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6.Juni 198‑3 (GBl. S. 199), und von § 22 Abs.2 und § 33 Abs.2 Nr. 4 Landesjagdgesetz in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Ebenweiler und der Gemeinde Guggenhausen, Gemarkung Guggenhausen Flur Egg, Landkreis Ravensburg, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Ebenweiler See«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca. 149 ha. Es umfaßt folgende Grundstücke, Wege und Gewässer auf

·               a) Gemarkung Ebenweiler die Flurstücke Nrn. 820/2, 879/1 teilweise (tw) (Weg), 900‑902, 903/1 tw, 913, 919, 920/1, 931/2, 932 tw, 933, 934, 934/1 (Wassergraben), 935/1, 935/2, 936‑945, 946/1‑946/3, 947/1‑947/3, 948‑951, 952/1‑955, 956/1‑956/3, 957, 958, 964, 969/7, 970/1, 970/2, 970/4‑970/8, 971/1, 971/2, 972, 974, 984‑986, 988‑989, 991, 993 und 996 tw;

·               b) Gemarkung Guggenhausen Flur 2 (Egg) die Flurstücke Nrn. 64/3 tw, 64/4, 64/5 (Weg), 65/1‑65/6, 66, 67 (Ach), 67/1‑67/4, 68 (Wassergraben), 68/1, 68/2, 69/1‑69/3, 70/1‑70/4, 71/1, 71/2 (Weg), 73, 74 tw, 75, 77/1, 77/2 und 78.

(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 25. Januar 1990 im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Im Falle des Widerspruches zwischen den in der Karte eingetragenen Grundstücksflächen des Naturschutzgebiets mit der textlichen Beschreibung gelten die in der Karte getroffenen Festlegungen. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen und beim Landratsamt Ravensburg in Ravensburg auf die Dauer von drei Wochen beginnend im achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

(3) Die Verordnung mit Karte ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 4 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung des Ebenweiler Sees, seiner charakteristischen Verlandungszonen sowie der sich daran anschließenden Ried‑ und Grünlandgebiete als Lebensraum einer besonders artenreichen Flora und Fauna, insbesondere jedoch mit einer hochrangigen ornithologischen Bedeutung. Weiterhin umfaßt der Schutzzweck die Erhaltung und Wiederherstellung des Gebiets als typisches Element der oberschwäbischen Kulturlandschaft mit bewirtschaftetem Weiher und herkömmlich extensiv genutzten Streu‑ und Feuchtwiesen.

 

§ 4 Verbote

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alte Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen einschließlich Stege durchzuführen, Sport‑, Spiel‑ oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs‑ oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets entgegen dem Schutzzweck verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild‑ oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            neu aufzuforsten, Kleingärten, Baumschulen oder Koniferenkulturen anzulegen
oder auf andere Weise Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen. zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen. Sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut‑, Wohn‑ oder Zufluchtstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.        zu zelten, zu grillen, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        das Schutzgebiet außerhalb des Schwimmbadbereichs und der Wege zu betreten oder zu befahren;

12.        Feuer zu machen;

13.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

14.        Düngemittel oder Chemikalien einzubringen;

15.        den Ebenweiler See westlich der in der Schutzgebietskarte eingezeichneten, gestrichelten Linie mit Wasserfahrzeugen aller Art zu befahren oder in diesem Teil zu baden;

16.        Grünland oder Brachflächen in Äcker oder zur Neueinsaat umzubrechen;

17.        Teich‑ oder Seerosen zu entfernen oder zu beschädigen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) durch die Ausübung der Jagd der Schutzzweck gefördert wird,
b) jagdliche Einrichtungen nicht in trittempfindlichen Bereichen aufgestellt und Hochsitze nur als einfache Ansitzleitern aus naturbelassenen Rundhölzern neu errichtet werden,
c) die Jagd auf Wasserwild erst nach dem 1. November zulässig ist und
d) ein Ankirren von Wasserwild verboten ist;

2.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei mit der Maßgabe. daß
a) durch die Ausübung der Fischerei der Schutzzweck gefördert wird, insbesondere ein Besatz nur mit standortgerechten, einheimischen Fischarten erfolgt,
b) die Angelfischerei im Ebenweiler See vom Ufer aus nur im Badebereich zulässig ist. Sonst ist das Fischen im Ebenweiler See nur von 5 Booten und der Plattform aus gestattet. In der Zeit vor dem 30.Juni darf in den Buchten und in den Zuläufen zum Ebenweiler See nicht geangelt werden;

3.            für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Grünlandnutzung mit der Maßgabe, daß
a) die in der Schutzgebietskarte schraffiert dargestellten Wiesen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang bewirtschaftet werden dürfen und
b) die übrigen Grünlandflächen sowie landeseigene Wirtschaftswiesen nur streuwiesenartig genutzt, d.h. nicht gedüngt und nicht vor dem 1. September gemäht werden dürfen. § 4 Abs. 2 Nr. 16 bleibt unberührt;

4.            für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

5.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen einschließlich Freibad, Drainagen, Leitungen und Triebwerksanlagen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung. Dies gilt auch für die Unterhaltung der Vorfluter. Entwässerungsgräben sollen maschinell nur in der Zeit zwischen dem 15. September und dem 15. November geräumt werden;

6.            für das Eislaufen im bisherigen Umfang;

7.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle ‑im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen staatlichen Forstamt ‑ veranlaßt werden;

8.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 1 und § 5 Nr. 2‑8 verbotenen Handlungen vornimmt.

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs.2 Nr.4 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 und § 5 Nr. 1 die Jagd ausübt.

 

§ 8 Inkrafttreten

(1) Diese Verordnung tritt am 'rage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

(2) Gleichzeitig treten die Verordnung des Landratsamts Saulgau über das Landschaftsschutzgebiet »Altshausen-Laubbach-Fleischwangen« vom 13. September 1963 (Schwäbische Zeitung –Ausgabe Riedlingen vom 18. September 1963), soweit sie sich auf den Geltungsbereich dieser Verordnung bezieht, und die Verordnung des Landratsamts Ravensburg vom 1. Februar 1990 über das flächenhafte Naturdenkmal  »Quellhang Luegen« (Nr. 56/5) außer Kraft.

 

Tübingen, den 22.Januar 1991

Dr. Gögler