4.183 Krottental - Karbach

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Krottental‑Karbach« vom 6. Februar 1991 (GBl. v. 17.04.1991, S. 188).

Auf Grund von §§ 21,58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr.2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz ‑NatSchG.) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden-württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBl. S. 199), und von § 22 Abs.2 und § 33 Abs.2 Nr. 4 Landesjagdgesetz in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung Zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Amtzell und der Großen Kreisstadt Wangen im Allgäu, Landkreis Ravensburg, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Krottental‑Karbach«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca. 16 ha. Es umfaßt folgende Grundstücke, Wege und Gewässer auf

·               a) Gemarkung Amtzell, Gemeinde Amtzell, die Flurstücke Nr. 2115 teilweise (tw), 2118, 2119, 2122 (Gemeindeverbindungsstraße) tw, 2237 tw, 2243/1 tw, 2244/1 tw, 2245/1 tw, 2332 (Karbach) tw, 2332/2 tw, 2340/1 tw, 2348 tw, 2350/2,2351,2352 tw, 2363 (Karbach) tw, 2363/2, 2363/3 tw, 2365 tw und 2366 tw,

·               b) Gemarkung Leupolz, Stadt Wangen im Allgäu, die Flurstücke Nr. 448/2, 455/2 tw und 534/2 (Karbach) tw.

(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 16. Oktober 1990 im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Im Falle des Widerspruchs zwischen der textlichen Beschreibung des Naturschutzgebiets mit den zeichnerischen Festlegungen gelten die in der Karte getroffenen Festlegungen. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen, beim Landratsamt Ravensburg in Ravensburg und beim Bürgermeisteramt Wangen in Wangen im Allgäu auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

(3) Die Verordnung mit Karte ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 4 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung ‑ und in Teilen die Wiederherstellung ‑ einer naturnahen, von extensiver Wiesennutzung geprägten voralpinen Talaue, deren hoher ökologischer Wert im Verbund unterschiedlicher Feuchtbiotope liegt, die Lebensraum einer artenreichen, charakteristischen Tier‑ und Pflanzenwelt sind. Der Schutzzweck umfaßt darüber hinaus beispielhaft den Schutz eines Gewässers in seiner Talaue, dessen Grenze vom eindeutigen Verlauf des Niedergestades (rezente Talaue) bestimmt wird.

Als typisches Landschaftselement in der Kulturlandschaft Oberschwabens und als Nahrungsbiotop für Brut- und Rastvögel bildet es einen wichtigen Teil im Verbund der Oberschwäbischen Gewässer und Feuchtgebiete.

 

§ 4 Verbote

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einen nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, Sport‑, Spiel‑ oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen abzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets entgegen dem Schutzzweck verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild‑ oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            neu aufzuforsten oder auf andere Weise Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, Zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut‑, Wohn‑ oder Zufluchtstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.        zu zelten, zu grillen, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        das Schutzgebiet außerhalb der Wege zu betreten oder zu befahren;

12.        Feuer zu machen;

13.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

14.        Düngemittel oder Chemikalien einzubringen;

15.        Wiesen oder Brachflächen in Acker oder zur Neueinsaat umzubrechen;

16.        wasserbauliche Maßnahmen durchzuführen, die den Charakter des Karbaches entgegen dem Schutzzweck beeinträchtigen oder ändern.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß durch die Ausübung der Jagd der Schutzzweck gefördert wird und Hochsitze nur als einfache Ansitzleitern aus naturbelassenen Rundhölzern neu errichtet werden dürfen;

2.            für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung mit der Maßgabe, daß die naturnahen Ufergehölze des Karbaches erhalten und nur einzelstammweise genutzt werden;

3.            für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Grünlandnutzung mit der Maßgabe, daß
a) der nördliche Teil des Flurstückes Nr. 2340/1 und der nördliche Teil des Flurstückes Nr. 2363/2 der Gemarkung Amtzell sowie der westliche Teil des Flurstückes Nr. 448/2 der Gemarkung‑ Leupolz in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang als Wirtschaftsgrünland genutzt werden können. Ein 10 m breiter Uferstreifen entlang des Karbaches darf nicht gedüngt werden;
b) die in der Schutzgebietskarte mit einer Längsschraffur dargestellten Flächen als zweimähdige Wiesen ohne Düngung bewirtschaftet werden können. Der erste Schnitt darf nicht vor dem 15.Juni erfolgen und
c) die übrigen Grünlandflächen und landeseigene Grundstücke streuwiesenartig (keine Düngung und keine Mahd vor dem 1.September) genutzt werden können;

4.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei mit der Maßgabe, daß
a) ein Besatz nur entsprechend der Produktionsfähigkeit des Karbaches mit standortgemäßen, einheimischen Fischarten erfolgt. Hierzu zählen nicht die Regenbogenforelle und der Bachsaibling;
b) auf die im Uferbereich lebenden Tierarten, insbesondere während der Brut‑ und Aufzuchtzeit besonders Rücksicht genommen wird;

5.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke und des Karbaches sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung. Entwässerungsgräben sollen nur zwischen dem 15. September und dem 15. November maschinell geräumt werden. § 4 Abs. 2 Nr. 16 bleibt unberührt;

6.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle ‑im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen staatlichen Forstamt- veranlaßt werden;

7.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Nr. 2‑7 verbotenen Handlungen vornimmt.

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr.4 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 und § 5 Nr. 1 die Jagd
ausübt.

 

§ 8 Inkrafttreten

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

(2) Gleichzeitig tritt die Verordnung des Landratsamts Ravensburg über das Landschaftsschutzgebiet »Karbachtal« vom 9. April 1990, soweit sie sich auf den Geltungsbereich dieser Verordnung bezieht, außer Kraft.

 

TÜBINGEN, den 6. Februar 1991

DR. GÖGLER