4.184 Wolfegger Ach

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Wolfegger Ach« vom 8. Februar 1991 (GBl. v. .13.05.1991, S. 203).

Auf Grund von § § 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz ‑NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden‑württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBl. S. 199), und von § 22 Abs. 2 und § 33 Abs. 2 Nr. 4 Landesjagdgesetz in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinden Vogt und Wolfegg im Allgäu, beide Landkreis Ravensburg, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Wolfegger Ach«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca. 66 ha. Es umfaßt im wesentlichen folgende Grundstücke, Wege und Gewässer auf

·               a) Gemarkung Vogt die Flurstücke Nrn. 106, 107, 108/1, 109 teilweise (tw), 110, 138 tw, 140/1, 140/2, 141, 144 tw, 145 tw, 146 tw, 148, 149, 167 tw, 169‑171, 172/1, 189 tw, 190/1 tw, 190/2, 190/3, 191, 191/1, 193, 194, 196, 197, 198, 199 tw und 200 tw (nördlich des Zuberbaches) sowie die Wolfegger Ach (Nr. 165) tw und den Zuberbach tw;

·               b) Gemarkung Wolfegg, Flur 5 (Oppenreute), die Flst. Nrn. 28, 30/4, 37/1, 37/2, 38, 39 tw, 58/4 tw, 58/5, 58/8, 58/9, 58/13 tw, 59 tw, 59/1 tw (Weg), 61, 64/1 tw, 65, 66 tw, 67, 69 tw, 70, 71/1 und 71/2 sowie die Wolfegger Ach (Nr. 64/6 tw und 67/ 1);

·               c) Gemarkung Wolfegg, Flur 6 (Rötenbach) die Flst. Nrn. 36/3 tw, 37/1 tw, 37/2 tw, 40/1‑40/4, 41/2, 41/3 tw, 41/4, 42, 43/1‑43/5, 44, 45/1, 193 tw, 194, 195, 197 tw und 197/1 sowie die Wolfegger Ach (Nr. 11 tw).

(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 16.Januar 1991 im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Im Falle des Widerspruchs zwischen den in der Karte eingetragenen Grundstücksflächen des Naturschutzgebiets mit der textlichen Beschreibung gelten die in der Karte getroffenen Festlegungen. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen und beim Landratsamt Ravensburg in Ravensburg auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

(3) Die Verordnung mit Karte ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 4 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung ‑ und in Teilen die Wiederherstellung ‑ des Wolfegger Ach-Tales als eines der wenigen, bis heute erhaltenen Beispiele einer naturnahen, von extensiver Wiesennutzung geprägten voralpinen Flußniederung, deren hohe ökologische Wertigkeit als Verbund unterschiedlicher Feuchtbiotope und damit als Lebensraum einer artenreichen, charakteristischen Tier‑ und Pflanzenwelt insbesondere durch den Wasserhaushalt und durch die herkömmliche Nutzungsweise bestimmt wird.

 

§ 4 Verbote

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, Sport‑, Spiel‑ oder Erholungseinrichtungen sowie Stege zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs‑ oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets entgegen dem Schutzzweck verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild‑ oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            neu aufzuforsten, Kleingärten, Baumschulen und Schmuckreisigkulturen anzulegen oder auf andere Weise Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut‑, Wohn‑ oder Zufluchtstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.        zu zelten, zu grillen, Feuer zu machen, zu lagern, Wohnwagen, Wohnmobile, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        das Schutzgebiet außerhalb der Wege zu betreten oder zu befahren;

12.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.        Düngemittel oder Chemikalien einzubringen;

14.        Wiesen und Brachflächen in Äcker oder zur Neueinsaat umzubrechen;

15.        mit Luftfahrzeugen aller Art einschließlich Modellflugzeugen zu starten und zu landen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) durch die Ausübung der Jagd der Schutzzweck gefördert wird und
b) Hochsitze nur als einfache Ansitzleitern aus naturbelassenen Rundhölzern neu errichtet werden dürfen;

2.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei mit der Maßgabe, daß
a) der Schutzzweck durch die Ausübung der Fischerei gefördert wird,
b) ein Besatz entsprechend der Produktionsfähigkeit der Gewässer nur mit standortgemäßen, einheimischen Fischarten erfolgt. Ein Besatz mit Regenbogenforelle, Bachsaibling und Aal ‑ zum Schutze des Edelkrebses ‑ ist nicht zulässig,
c) auf die im Uferbereich lebenden Tierarten, insbesondere während der Brut‑ und Aufzuchtzeit besonders Rücksicht genommen wird;

3.            für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Grünlandnutzung mit der Maßgabe, daß
a) Streuwiesen und Röhrichte nicht gedüngt und nicht vor dem 1. Oktober gemäht werden,
b) die übrigen in kartierten Feuchtgebieten befindlichen Wiesen nur zweimal jährlich gemäht und nicht gedüngt werden,
c) Wirtschaftswiesen, außerhalb von kartierten Feuchtgebieten in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang genutzt werden können. Die Düngung eines 10 m breiten Uferstreifens entlang der Wolfegger Ach und des Zuberbaches ist nicht mehr zulässig.
§ 4 der Pflanzenschutz‑Anwendungsverordnung vom 27. Juli 1988 und § 4 Abs. 2 Nr. 4, 7, 9 und 14 bleiben unberührt;

4.            für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung mit der Maßgabe, den Auwald und die Ufergehölze nur einzelstammweise zu nutzen. Standortfremde Bestände sollen langfristig in Wald mit standorttypischen Baumarten umgebaut werden;

5.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen einschließlich von Entwässerungseinrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung. Die Entwässerungsgräben sollen maschinell nur in der Zeit zwischen dem 15. September und dem 15. November geräumt werden. Das bei der Unterhaltung von Entwässerungsgräben anfallende Räumgut darf nicht in die Feuchtgebiete eingebracht werden;

6.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle ‑im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen staatlichen Forstamt ‑ veranlaßt werden;

7.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Nr. 2‑7 verbotenen Handlungen vornimmt.

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 und § 5 Nr. 1 die Jagd ausübt.

 

§ 8 Inkrafttreten

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

(2) Gleichzeitig tritt die Verordnung des

·               a) Landratsamts Ravensburg zur Ausweisung von drei Feuchtgebieten als flächenhafte Naturdenkmale auf Gemarkung Wolfegg der Gemeinde Wolfegg vom 14. Oktober 1988, soweit sie sich auf das Naturdenkmal Nr.32/2 (Quellmoor westlich Katzental) bezieht, und

·               b) Landratsamts Ravensburg zur Ausweisung von sechs Feuchtgebieten als flächenhafte Naturdenkmale auf Gemeindegebiet Vogt vom 30. November 1988, soweit sie sich auf das Naturdenkmal Nr. 27/24 (Streuwiese nördlich Rohrmoos) bezieht,

außer Kraft.

 

TÜBINGEN, den 8. Februar 1991

Dr. Gögler