4.185 Mönchsteig

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Mönchsteig« vom 20.Februar 1991 (GBl. v. 13.05.1991, S. 205).

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz ‑NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden‑württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBl. S. 199), und von § 22 Abs.2 und § 33 Abs.2 Nr. 4 Landesjagdgesetz in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Nellingen, Gemarkung Aichen, Alb-Donau-Kreis, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Mönchsteig«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca. 49,86 ha. Es umfaßt auf Gemarkung Aichen im wesentlichen die Flurstücke Nr. 91 teilweise (tw), 90, 89, 88/2, 88/1, 87, 85 (tw), 81/1c (tw), 8111 d (tw), 81/1g (tw), 81/11 (tw), 81/lm (tw), 81/10 (tw), 73 (tw), 70, 68/2 (tw), 55/3 und 52/1 (tw) sowie die innerhalb des Naturschutzgebietes verlaufenden Wege.

(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 1. März 1990 im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Im Falle eines Widerspruchs zwischen den in der Karte eingetragenen Grundstücksflächen des Naturschutzgebiets mit der textlichen Beschreibung in Absatz 1 gelten die in der Karte getroffenen Festlegungen. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen und beim Landratsamt Alb-Donau-Kreis in Ulm auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

(3) Die Verordnung mit Karte ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 4 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

Schutzzweck ist die Erhaltung und Pflege einer Heidelandschaft in ihrem typischen Erscheinungsbild mit der daran gebundenen extensiven Landwirtschaft als Schafweide.

Von besonderem ökologischem Wert ist hierbei:

1.            der Lebensraum der Magerwiesen mit ihren vielen geschützten Tier‑ und Pflanzenarten,

2.            der aufgelockerte, gegliederte Waldsaum mit den vielen, auf diese Struktur angepaßten Vogelarten.

 

§ 4 Verbote

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, Sport‑, Spiel‑ oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

5.            Plakate, Bild‑ oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

6.            neu aufzuforsten oder auf andere Weise Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

7.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut‑, Wohn‑ oder Zufluchtstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

9.            zu zelten, zu grillen, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

10.        das Schutzgebiet außerhalb der Wege zu betreten oder zu befahren;

11.        Feuer zu machen;

12.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.        Düngemittel oder Chemikalien einzubringen;

14.        die Feldwege außer mit wassergebundenen Materialien zu befestigen;

15.        mit Luftfahrzeugen aller Art zu starten oder zu landen einschließlich Modellflugzeugen;

16.        Holz auf den Flächen zu lagern.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) jagdliche Einrichtungen nur dort errichtet werden, wo sie weder wertvolle Pflanzenstandorte noch das Landschaftsbild beeinträchtigen;
b) auch weiterhin keine Wildfutterstellen eingerichtet werden und
c) Hochsitze nur als einfache Ansitzleitern aus naturbelassenen Hölzern erstellt werden;

2.            für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß die Holzlagerung nur bis zum 1. Juni eines jeden Jahres erfolgen darf; Ausnahmen hiervon können in besonderen Fällen (z. B. bei Naturkatastrophen wie Steinwurf etc.) von der höheren Naturschutzbehörde zugelassen werden;

3.            für die ordnungsgemäße Schafbeweidung mit der Maßgabe, daß keine Pferche errichtet werden;

4.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung. § 4 Abs. 2 Nr. 14 bleibt unberührt;

5.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle ‑im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen staatlichen Forstamt‑ veranlaßt werden;

6.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Nr. 2‑4 verbotenen Handlungen vornimmt.

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 und § 5 Nr. 1 die Jagd ausübt.

 

§ 8 Inkrafttreten

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

(2) Gleichzeitig tritt die Verordnung des früheren Kultusministeriums Stuttgart zum Schutze von Landschaftsbestandteilen und Landschaftsteilen entlang der Reichsautobahn Stuttgart ‑ München vom 12. August 1940, soweit sie sich auf den Geltungsbereich dieser Verordnung bezieht, außer Kraft.

 

TÜBINGEN, den 20. Februar 1991

In Vertretung

WIDMAIER