4.221 Lochmoos

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Lochmoos« vom 23. April 1993 (GBl. v. 12.07.1993, S. 368).

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz ‑NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), zuletzt geändert durch das Biotopschutzgesetz vom 19. November 1991 (GBl. S.701), und von § 22 Abs. 2 und § 33 Abs. 2 Nr. 4 Landesjagdgesetz in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Schlier, Gemarkung Schlier, Landkreis Ravensburg, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Lochmoos«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von 54,9 ha. Es umfaßt auf Gemarkung Schlier im wesentlichen die Flurstücke Nrn.185, 186, 188/1 und /2, 189‑193, 194/1‑/5, 195, 196, 196/1, 197/2, 197/3, 197/7, 197/8, 505 (Weiher), 507 teilweise (tw), 5081/‑/5 sowie die Feldwege 66 tw, 70/1, 70/2 und 71 tw.

(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 18.Januar 1993 im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen und beim Landratsamt Ravensburg in Ravensburg auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

(3) Die Verordnung mit Karte ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung und nach Möglichkeit Verbesserung der ökologischen Wertigkeit der Niedermoorlandschaft des Lochmooses als

·               wertvolles Element der herkömmlichen Kulturlandschaft

·               Lebensraum und Rückzugsgebiet für eine artenreiche und teilweise hochgradig gefährdete Tier‑ und Pflanzenwelt

·               Quellgebiet und Wasserspeicher für das kulturhistorisch bedeutsame Gewässersystem des »Stillen Baches« und

·               wichtiger Bestandteil im Lebensraumverbund oberschwäbischer Feuchtgebiete.

 

§ 4 Verbote

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, Sport‑, Spiel‑ oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs‑ oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets entgegen dem Schutzzweck verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild‑ oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            neu aufzuforsten oder auf andere Weise Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut‑, Wohn‑ oder Zufluchtstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.        zu zelten, zu grillen, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        das Schutzgebiet außerhalb der Wege zu betreten oder zu befahren;

12.        im Schutzgebiet zu reiten;

13.        Hunde frei laufen zu lassen;

14.        Feuer zu machen;

15.        Loipen oder Skiwanderwege anzulegen;

16.        Luftfahrzeuge aller Art zu starten oder landen;

17.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

18.        Düngemittel oder Chemikalien einzubringen;

19.        Grünland oder Brachflächen in Ackerland oder zur Neueinsaat umzubrechen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß
a) durch die Ausübung der Jagd der Schutzzweck gefördert wird;
b) das Gebiet zur Ausübung der Jagd außerhalb von Wegen nicht mit Kraftfahrzeugen befahren werden darf;
c) jagdliche Einrichtungen nicht auf trittempfindlichen Standorten, Futterstellen und Wildäcker nicht, sowie Hochsitze nur als einfache Ansitzleitern aus naturbelassenen Rundhölzern neu errichtet werden dürfen;

2.            für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung mit der Maßgabe, daß
a) standortgerechter Laub‑ und Mischwald dauerwaldartig genutzt wird;
b) der im Landeseigentum befindliche Bruchwald nicht bewirtschaftet wird;
c) Fichtenreinbestände (Erstaufforstungen) auf Moorboden langfristig in einem naturnah aufgebauten, gestuften Wald mit standorttypischen Bäumen und Sträuchern umzuwandeln sind. Zu diesem Zweck ist auch der einmalige flächige Abhieb zulässig;

3.            für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung mit der Maßgabe, daß
a) die in der Schutzgebietskarte entsprechend markierten Flächen als Zweitschnittwiesen ohne Düngung bewirtschaftet werden;
b) die in der Schutzgebietskarte entsprechend markierten Flächen als Wirtschaftsgrünland in bisheriger Art und in bisherigem Umfang genutzt werden können;
c) entlang des in der Karte eingetragenen zentralen Wassergrabens auf einem 10 m breiten Uferstreifen keine Düngung mit flüssigem Wirtschaftsdünger zulässig ist;
d) die übrigen Flächen als Streuwiesen ohne Düngung mit einem Mahdzeitpunkt nicht vor dem 1.September bewirtschaftet werden;
e) landeseigene Grundstücke grundsätzlich nicht gedüngt werden.
§ 4 Abs. 2 Nr. 4, 7 und 9 dieser Verordnung sowie § 4 der Verordnung über Anwendungsverbote für Pflanzenschutzmittel (Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung) vom 27. Juli 1988 (BGBl. 1 S. 1196) in der jeweils geltenden Fassung bleiben unberührt;

4.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei mit der Maßgabe daß
a) ein Besatz der Fließgewässer nur mit standortgemäßen einheimischen Arten erfolgen darf (Regenbogenforelle und Bachsaibling gehören hier nicht dazu);
b) Brutbachbewirtschaftung mit Elektroabfischgerät nicht zulässig ist;
c) zur Ausübung der Fischerei das Befahren des Schutzgebietes mit Kraftfahrzeugen außerhalb der Wege nicht zulässig ist;
d) der Bannbühlweiher in herkömmlicher Weise als Fischzuchtweiher mit regelmäßigem Ablaßturnus bewirtschaftet wird. Die Wiederbespannung des Weihers soll wegen des Beginns der Amphibienwanderung zum 1. März abgeschlossen sein;

5.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung. Zu der ordnungsgemäßen Unterhaltung der Entwässerungsgräben gehört, daß eine maschinelle Räumung nur in der Zeit zwischen 1. September und 1. November erfolgen darf, eine Ablagerung des Aushubs im Naturschutzgebiet nicht vorgenommen wird und der Einsatz von Grabenfräsen nur mit niedertourigem Betrieb zulässig ist;

6.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle ‑ im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen staatlichen Forstamt ‑ veranlaßt werden;

7.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr.2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Nr. 2 bis 7 verbotenen Handlungen vornimmt.

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs.2 Nr.4 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 und § 5 Nr. 1 die Jagd ausübt.

 

§ 8 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

TÜBINGEN, den 23. April 1993

Dr. GÖGLER