4.222 Rotasweiher-Degermoos

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Rotasweiher- Degermoos« vom 23. April 1993 (GBl. v. 12.07.1993, S. 370).

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz ‑NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), zuletzt geändert durch das Biotopschutzgesetz vom 19.November 1991 (GBl. S.701), und von § 22 Abs. 2 und § 33 Abs. 2 Nr. 4 Landesjagdgesetz in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12, ber. S. 116), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Stadt Wangen im Allgäu, Gemarkung Neuravensburg wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Rotasweiher-Degermoos«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca. 68 ha.

·               Es umfaßt auf Gemarkung Neuravensburg die Flurstücke 171/1 teilweise (tw), 190 tw, 191-194, 197, 198, 200, 201/1 tw, 201/2, 210 tw, 212/1, 213 tw, 216, 218 tw, 1367, 1368/1, 1368/2, 1370, 1372/1 tw, 1377/1, 1377/2, 1377/3, 1378/2, 1378/8, 1378/9, 1378/12, 1378/14 tw, 1378/16, 1378/20, 1379/1 tw, 1380/1, 1380/3, 1380/4, 1380/5, 1380/7, 1380/8, 1380/9, 1381/1.

(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vorn 3. August 1992 im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen und beim Landratsamt Ravensburg in Ravensburg und beim Bürgermeisteramt Wangen i. A. auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

(3) Die Verordnung mit Karte ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung, Pflege und teilweise Wiederherstellung eines überaus reich strukturierten Moorkomplexes mit eingestreuten mineralischen Magerrasen als

·               ‑ Lebensraum und Rückzugsgebiet für eine artenreiche und teilweise hochgradig gefährdete Tier‑ und Pflanzenwelt,

·               ‑ wichtiger Bestandteil des Gesamtmoorkomplexes Degermoos, der sich mit seinem Hochmoorkern in benachbartes bayerisches Gebiet weitererstreckt,

·               ‑ wichtiger Bestandteil in dem Lebensraumverbund von Feuchtgebieten des württembergischen Allgäus,

·               ‑ Zeugnis einer seit vielen Jahrhunderten gewachsenen und extensiv genutzten Kulturlandschaft.

 

§ 4 Verbote

(1) In dein Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, Sport‑, Spiel‑ oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs‑ oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets entgegen dem Schutzzweck verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild‑ oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            neu aufzuforsten oder auf andere Weise Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut‑, Wohn‑ oder Zufluchtstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.        zu zelten, zu grillen, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        das Schutzgebiet außerhalb der Wege zu betreten oder zu befahren;

12.        im Schutzgebiet außer auf den in der Schutzgebietskarte gekennzeichneten Wegen zu reiten;

13.        mit Luftfahrzeugen aller Art zu starten oder zu landen;

14.        Feuer zu machen;

15.        in Torfstichen zu baden;

16.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

17.        Düngemittel oder Chemikalien einzubringen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß
a) bei der Jagd der Schutzzweck beachtet und gefördert wird,
b) Hochsitze nur als einfache Ansitzleitern aus naturbelassenen Rundhölzern im unbedingt notwendigen Umfang und unter Beachtung des Land Landschaftsbildes erlaubt sind und
c) jagdliche Einrichtungen (Hochsitze, Fütterungen) nicht in trittempfindlichen Bereichen oder besonders wertvollen Vegetationsbeständen eingerichtet werden dürfen;

2.            für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung mit der Maßgabe, daß im Naturschutzgebiet nur eine plenterartige Moorwaldbewirtschaftung zulässig ist und die Fichtenreinbestände auf den Flurstücken 1377/1, 1380/7 sowie 213 langfristig in einen standortgemäßen Moorwald umgewandelt werden;

3.            für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung mit der Maßgabe, daß
a) die auf der Schutzgebietskarte schraffiert dargestellten Flächen in seitheriger Art und seitherigem Umfang bewirtschaftet werden können,
b) auf der außerhalb des Feuchtgebietes gelegenen, hängigen Teilfläche des Flst. 1378114 flüssiger Wirtschaftsdünger nicht zulässig ist,
c) auf der außerhalb des Feuchtgebietes gelegenen Teilfläche von Flst. 1367 zum Zwecke der Aushagerung bis zum Widerruf durch das Regierungspräsidium nur eine zweimähdige Nutzung ohne Düngung zulässig ist und
d) auf den übrigen Flächen eine Streuwiesennutzung nach dem 1. September oder nach Einzelvorgabe zulässig ist.
§ 4 der Verordnung über Anwendungsverbote für Pflanzenschutzmittel (Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung) vom 27. Juli 1988 (BGBl. 1 S. 1196) in der jeweils geltenden Fassung bleibt unberührt;

4.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtung einschließlich der Drainagen, deren ordnungsgemäßer Ablauf gewährleistet ist, jeweils in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle ‑im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen staatlichen Forstamt‑ veranlaßt werden;

6.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dein Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Nr. 2‑6 verbotenen Handlungen vornimmt.

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs.2 Nr.4 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 und § 5 Nr. 1 die Jagd ausübt.

 

§ 8 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

TÜBINGEN, den 23. April 1993

DR. GÖGLER