4.223 Ölkofer Ried

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Natur- und Landschaftsschutzgebiet »Ölkofer Ried« vom 28. April 1993 (GBl. v. 12.07.1993, S. 372), VO 26.10.1999 (Änd.; GBl. v. 30.11.1999, S. 515).

Auf Grund von §§ 21, 22, 58 Abs. 2 sowie § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), zuletzt geändert durch das Biotopschutzgesetz vorn 19. November 1991 (GBI. S. 701), und von § 22 Abs. 2 und § 33 Abs. 2 Nr. 4 Landesjagdgesetz in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBI. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

(1) Die in § 2 Abs. 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Hohentengen, Gemarkungen Ölkofen und Hohentengen sowie der Gemeinde Herbertingen, Gemarkung Herbertingen, Landkreis Sigmaringen werden zum Naturschutzgebiet erklärt.

(2) Die in § 2 Abs.3 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Hohentengen, Gemarkungen Hohentengen und Ölkofen sowie der Gemeinde Herbertingen, Gemarkung Herbertingen werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt.

(3) Das Natur- und Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung »Ölkofer Ried«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Natur- und Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von 531,05 ha.

(2) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von 382,61 ha. Es umfaßt im wesentlichen folgende Grundstücke, Wege und Gewässer:

·               a) auf Gemarkung Ölkofen die Flurstücke Nr. 350, 411, 412, 413/1-413/2, 413/5, 413/8, 413/14 tw, 414/1-414/6, 415, 416, 416/1, 416/2, 419, 419/1-419/11, 420/1, 420/3, 420/4, 421-424, 426/4, 426/5, 426/9-426/13, 426/21-426/23, 427-431, 438, 440-442, 443/1-443/2 (Weg), 446-447/4, 449-450, 452-454/1, 456, 459/1-460, 462-463, 465-490, 492-494/3, 495, 496, 497/1-501/1, 501/3-505/4, 506/1-513/2, 514/2-524, 525/2-530/3, 530/5-559, 561/1-561/2, 561/4-561/8, 561/10, 562-575, 577-583/2, 584/3, 585, 586/3, 586/4, 590 (Wassergraben), 590/1, 590/2, 591-592, 594/1-596, 598-601, 603-608/3, 608/5, 608/7-612, 614, 616/1-616/3, 617-619, 645-657, 660-665, 667-686, 688, 825-834, 836-840, 842-843, 846-847, 850-851, 856, 858, 860-862, 865, 871-873, 875-876, 878, 881, 883, 887, 889-891, 894, 896, 897, 900-901, 903-908, 910, 911, 913-916, 918-919, 921-924, 927-931, 934, 938-940, 944-951, 953-966, 970, 972, 974-976, 978-979 , 981, 984, 986-987, 989, 992, 994, 996-1000, 1002, 1004-1005, 1007, 1010, 1012 und 1014 sowie den Feldweg 11, den Rötenbach (Flst. Nr. 419), den Altbach (Flst. Nr. 1254) und den Viehweidgraben (Flst. Nr. 616);

·               b) auf Gemarkung Hohentengen die Flurstücke Nr. 861, 865, 870-872,1199 (Weg) tw, 1202, 1210, 1213, 1216, 1217/2, 1219/2, 1218/4 (Weg), 1219, 1219/1 (Wassergraben), 1220, 1221/1, 1221/2, 1222-1227, 1228/1-1229/5, 1229, 1230/1, 1230/2, 1231, 1232, 1233/1, 1233/2, 1234/1-1234/3, 1235-1237, 1239/1-1239/3, 1240, 1241/1, 1241/2, 1242/1-1242/3, 1243/1-1243/3, 1244/1-1244/4, 1245/1-1245/2, 1246/1-1246/3, 1247/1, 1247/2, 1248/1, 1248/2, 1249/1, 1249/2, 1250 (Weg), 1251 (Weg), 1252/1, 1252/2, 1252/4, 1253, 1255-1257, 1258/1-1258/3, 1259/1-1259/4, 1288/1, 1288/2, 1289/1, 1289/2, 1291, 1292/1, 1314, 1315, 1321-1323, 1325, 1326, 1328, 1331, 1336-1342, 1349-1354, 1356-1363, 1366-1368, 1376-1384, 1385 /1, 1386, 1387, 1390 (Weg) - 1397;

·               c) auf Gemarkung Herbertingen die Flurstücke Nr. 1988/1, 1989/1, 1991/1-1991119,199211-1992/5, 1993/1-1993/3, 1994/1-1994/10, 1995/1-1995/3, 1996, 2000/4, 2000/7-2000/9, 2001 (Weg), 2001/1, 2001/6, 2003, 2008/2, 2009-2011, 2011/1 tw, 2012, 2013/1-2013/12, 2014-2014/4, 2015/1-2015/2, 2016/1-2016/2, 2017-2017/2, 2017/4-2017/8, 2017/10, 2018/1-2018/2, 2019,2020,2021/1,2021/2, 2022/1-2022/2, 2023/1, 202312, 202412 tw, 2036/1, 3655/2, 3656, 3657/1, 3657/2, 3658, 3659, 3660/ 1-3660/2, 3661/1-3661/2, 3662, 3663/1, 3663/2, 3664/1, 3664/2, 3665-3674, 3675/1, 3675/2, 3676/1, 3676/2, 3677/1, 3677/2, 3678-3680, 3681/1, 3681/3, 3682/1-3682/3, 3683, 3684, 3689, 3690/1, 3690/2, 3691-369.3, 369411-.3694/2, 3695, 369611, 369612, 3697/1, 3697/2, 3698-, 3699/1-3699/3, 3700, 3701, 3702/1-3702/2, 3703-3706, 3707/1-3707/3, 3708/ 1-3708/3, 3709/1-3709/3, 3710, 3712-3717, 3718 (Rötenbach), den Bach Nr.1013, einen Wassergraben und den FW 317;

(3) Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von 148,44 ha. Es umfaßt im wesentlichen folgende Grundstücke, Wege und Gewässer:

·               a) auf Gemarkung Ölkofen die Flurstücke Nr.634 tw, 635/1 tw, 635/3 tw, 637 tw, 641 tw, 643/2,643/3,643/ 5 tw, 644, 1020/1-1021, 1023-1045, 1047-1050, 1052, 1053, 1055, 105711-1063, 1065-1079, 1081, 1084/1-1086, 1090-1096, 1100, 1104, 1105, 1107, 1110, 1113-1117, 1120, 1123, 1124, 1127-1130 und 1134-1136;

·               b) auf Gemarkung Hohentengen die Flurstücke Nr.601-606, 608, 611 (Weg), 612 (Weg), 613 tw, 614-618, 621-625 (Weg), 627 (Weg), 661, 662, 666, 667, 671, 677, 679, 680, 689, 691, 700, 704, 708(Weg), 709, 710, 712, 714, 716, 720, 730, 739, 799, 811, 813, 815, 825, 836, 840, 841, 844, 850, 1260, 1261, 1262/1 tw, 1282, 1287, 1290 tw, 1292/2, 1292/3, 1293-1295 , 1299-1313, 1316-1319, 1334, 1369/2, 1369/5, 1372, 1374 mit Gebäude 1 und a, 1398-1403, 1419-1425, 1427, 1456 tw, 1459, 1460 (Wassergraben), 1462, 1463, 1465, 1473 (Weg), 1477, die Ostrach (Flst. Nr. 956) und den Mühlkanal (Flst. Nr. 785);

·               c) auf Gemarkung Herbertingen die Flurstücke Nr. 1911, 1915, 1916, 1990, 2024/2 tw, 2024/29 tw, 2024/32 tw (Weg), Wassergraben und den Bach Nr. 10/2.

(4) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Flurkarte im Maßstab 1:5000 kombiniert mit einer topographischen Karte (Nr.7922) im Maßstab 1:25000 des Regierungspräsidiums vom 1. Dezember 1992 gekennzeichnet. Die Grenzen des Naturschutzgebiets sind rot und die des Landschaftsschutzgebietes grün angelegt Die Karte ist Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen und beim Landratsamt Sigmaringen in Sigmaringen auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

(5) Im Falle eines Widerspruchs zwischen den in der Karte eingetragenen Grundstücksflächen des Natur- und Landschaftsschutzgebiets mit der textlichen Beschreibung gelten die in der Karte getroffenen Festlegungen.

(6) Die Verordnung mit Karte ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 4 Satz 4 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

(1) Wesentlicher Schutzzweck des Naturschutzgebietes ist

1.            die Erhaltung und Förderung der durch Grünland geprägten gehölzfreien Kulturlandschaft als Brut-, Nahrungs- und Rastbiotop für die an solche Wiesenlandschaften gebundene Vogelwelt, insbesondere des vom Aussterben bedrohten Großen Brachvogels;

2.            die Erhaltung und Förderung einer artenreichen, von unterschiedlichen Feuchtstufen bestimmten Wiesenvegetation;

3.            die Erhaltung und Förderung von Röhrichten, Hochstaudengesellschaften sowie Laubholzbeständen, sofern dies den Zielsetzungen des Brachvogelschutzes nicht entgegensteht;

4.            die Erhaltung von Stillgewässern und deren Verlandungsgesellschaften als Lebensraum für Amphibien und Wasserinsekten;

5.            die Erhaltung und Förderung von Streuwiesen und anderen Formen der extensiven Wiesennutzung;

6.            Pflege- und Gestaltungsmaßnahmen, die zu einer ökologischen Aufwertung des Gebietes führen.

(2) Das Landschaftsschutzgebiet dient der Vermeidung nachteiliger Einflüsse auf das Naturschutzgebiet durch störende oder den Naturhaushalt beeinträchtigende Veränderungen der Umgebung.

 

§ 4 Verbote im Naturschutzgebiet

(1) Im Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

(2) Im Naturschutzgebiet ist insbesondere verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            fließende oder stehende Gewässer zu schaffen, zu beseitigen, zu verändern sowie Entwässerungs- und sonstige Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            Sport-, Spiel- oder Erholungseinrichtungen zu schaffen;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn-, Rast-, Nahrungs- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.        zu zelten, zu lagern oder Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        Feuer zu entzünden oder zu unterhalten sowie zu grillen;

12.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.        Hunde in der Zeit zwischen dem 15. März und dem 30. Juni frei laufen zu lassen;

14.        das Schutzgebiet in der Zeit zwischen dem 15. März und dem 30. Juni außerhalb zugelassener Wege zu betreten und das Schutzgebiet außer zur Bewirtschaftung mit Kraftzeugen zu befahren;

15.        Wiesen-, Brach- oder Riedflächen umzubrechen;

16.        Neuaufforstungen vorzunehmen, Schmuckreisigkulturen oder Vorratspflanzungen von Bäumen oder Sträuchern anzulegen oder sonstige Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

17.        Luftfahrzeuge aller Art einschließlich Modellflugzeuge zu starten und zu landen;

18.        Pflanzenbehandlungsmittel einzusetzen;

19.        Streuwiesen zu düngen und vor dem 1. September zu mähen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen im Naturschutzgebiet

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß bei der Jagd der Schutzzweck beachtet und gefördert und insbesondere während der Brutzeit auf den Großen Brachvogel Rücksicht genommen wird. Hochsitze dürfen grundsätzlich nur als einfache Ansitzleitern aus naturbelassenen Rundhölzern neu hergestellt werden. Ausnahmsweise können im Wald und am Waldrand einfache Kanzeln aus naturbelassenen Rundhölzern als Ersatz für abgehende Kanzeln errichtet werden;

2.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei. Ein Besatz ist entsprechend der Produktionsfähigkeit der Gewässer nur mit standortgemäßen, einheimischen Fischarten zulässig; hierzu zählen nicht Bachsaibling und Regenbogenforelle. Insbesondere während der Brutzeit ist auf den Großen Brachvogel Rücksicht zu nehmen;

3.            für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) Grünland auf moorigen und anmoorigen Böden nicht zu Ackerland umgebrochen werden darf; das Umbruchverbot gilt nicht für mineralische Böden,
b) keine Veränderung des Bodenreliefs erfolgt,
c) im Umkreis von 50 in (Radius) von festgestellten Gelegen des Großen Brachvogels keine Bewirtschaftung der Flächen vor dem 30. Juni erfolgen darf. In diesen Fällen ist auch das Betreten, Befahren, Beweiden sowie das Ausbringen von Düngemitteln und Pestiziden innerhalb dieses Radius nicht zulässig,
d) landeseigene Flächen nur als extensives Grünland genutzt werden dürfen. Die Mäh- und Beweidungszeitpunkte werden von der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Tübingen festgelegt. Die Ausbringung von Pestiziden ist nicht zulässig,
e) die Wiesen nördlich der in die Flurkarte im Maßstab 1: 5000 des Regierungspräsidiums vom 1. Dezember 1992 eingetragenen Linie nicht vor dem1. Juli beweidet werden dürfen.
§ 4 der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung in der jeweils geltenden Fassung und § 4 Abs. 2 Nr. 3, 4, 9 und 19 bleiben unberührt;

4.            für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß in den Waldteilen, die durch einen hohen Laubholzanteil geprägt sind, kein Nadelholz gepflanzt wird. Der Weg Flst.416/1 darf zur Holzabfuhr befestigt werden; eine Versiegelung ist nicht zulässig. Im Bereich der Flurstücke 501/1, 49711, 497/2 und 496 darf ein Rückweg angelegt werden. § 4 Abs. 2 Nr. 4 und 16 bleibt unberührt;

5.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

6.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

7.            für die ordnungsgemäße Unterhaltung der Gewässer (Vorfluter) sowie der Unterhaltung von vorhandenen Entwässerungsgräben und Drainageleitungen auf landwirtschaftlich oder forstwirtschaftlich genutzten Flächen. Die Maßnahmen dürfen sich nicht großflächig auf den Wasserhaushalt des Gebietes auswirken.
Sie umfaßt insbesondere:
a) die jährliche Pflege, Unterhaltung und gründliche Reinigung der Vorfluter,
b) die Unterhaltung, die Instandsetzung und die Erneuerung von bestehenden Drainageleitungen.
Bei der Erneuerung dürfen die Drainagerohre nicht tiefergelegt und die Vorfluterverhältnisse nicht verändert werden,
c) das Ausräumen und Wiederherstellen von Entwässerungsgräben bei maschineller Räumung nur in der Zeit zwischen dem 15.Septernber und dem 15. November;

8.            a) für Handlungen, die für die Aufrechterhaltung der Sicherheit des Flugbetriebs nach den jeweils gültigen Flugplatzrichtlinien auf dem Verkehrslandeplatz Mengen-Hohentengen erforderlich sind, nach vorheriger Unterrichtung der höheren Naturschutzbehörde,
b) für den Bestandschutz sichernde Handlungen im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde.

 

§ 6 Verbote im Landschaftsschutzgebiet

(1) In dem Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder dein besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere, wenn dadurch

1.            der Naturhaushalt geschädigt,

2.            die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,

3.            eine geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert,

4.            das Landschaftsbild nachteilig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt oder

5.            der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            neu aufzuforsten;

2.            Dauergrünland (Grünland nach mindestens vierjähriger Nutzung) auf Moorboden umzubrechen.

 

§ 7 Erlaubnisvorbehalte für das Landschaftsschutzgebiet

(1) Im Landschaftsschutzgebiet bedürfen Handlungen, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können, der schriftlichen Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

(2) Der Erlaubnis bedürfen insbesondere folgende Handlungen:

1.            Errichtung von baulichen Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen;

2.            Errichtung von Einfriedigungen;

3.            Verlegen oder Ändern von ober- oder unterirdischen Leitungen aller Art;

4.            Abbau, Entnahme oder Einbringen von Steinen, Kies, Sand, Lehm oder anderen Bodenbestandteilen oder die Veränderung der Bodengestalt auf andere Weise;

5.            Lagern von Gegenständen, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstücks erforderlich sind;

6.            Anlage oder Veränderung von Stätten für Sport, Spiel und Erholung einschließlich Motorsportanlagen;

7.            Luftfahrzeuge aller Art einschließlich Modellflugzeuge zu starten und zu landen;

8.            Betrieb von Motorsport sowie von motorgetriebenen Schlitten;

9.            Aufstellen von Wohnwagen oder Verkaufsständen außerhalb der zugelassenen Plätze oder das mehrtägige Zeiten oder das Abstellen von Kraftfahrzeugen;

10.        fließende oder stehende Gewässer zu schaffen, zu verändern, zu beseitigen sowie Entwässerungs- und Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

11.        Aufstellen oder Anbringen von Plakaten, Bild‑ oder Schrifttafeln;

12.        Anlage von Schmuckreisigkulturen oder Baumschulen von Bäumen oder Sträuchern sowie von Kleingärten oder die wesentliche Änderung der Bodennutzung auf andere Weise;

13.        Entwässerungsgräben neu anzulegen oder die erstmalige Drainage von Grundstücken.

(3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 6 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Nebenbestimmungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, unter Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, daß die Wirkungen der Handlungen dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen.

(4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der unteren Naturschutzbehörde ergangen ist.

(5) Bei Handlungen des Bundes und des Landes, die nach anderen Vorschriften keiner Gestattung bedürfen, wird die Erlaubnis durch das Einvernehmen mit der unteren Naturschutzbehörde ersetzt, soweit Bundesrecht nicht entgegensteht. Das gleiche gilt für Handlungen, die unter Leitung oder Betreuung staatlicher Behörden durchgeführt werden.

 

§ 8 Zulässige Handlungen im Landschaftsschutzgebiet

Die §§ 6 und 7gelten nicht:

1.            für die Nutzung im Rahmen einer ordnungsgemäßen Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Grundstücke. § 6 Abs. 2 und § 7 Nr. 12 und 13 bleiben unberührt;

2.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd und der Fischerei;

3.            für die Nutzung im Rahmen einer ordnungsgemäßen Bewirtschaftung forstwirtschaftlicher Grundstücke. § 6 Abs. 2 und § 7 Abs. 2 Nr. 12 bleiben unberührt;

4.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

5.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen einschließlich Leitungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

6.            für die ordnungsgemäße Unterhaltung der Gewässer (Vorfluter) sowie der Entwässerungsgräben und ‑leitungen auf landwirtschaftlich oder forstwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen. Die Maßnahmen dürfen sich nicht großflächig auf den Wasserhaushalt des Gebietes auswirken.
Sie umfaßt insbesondere:
a) die jährliche Pflege, Unterhaltung und gründliche Reinigung der Vorfluter,
b) die Unterhaltung, die Instandsetzung und die Erneuerung von bestehenden Drainageleitungen. Eine Tieferlegung der Drainageleitungen und der Vorfluter ist nicht zulässig,
c) das Ausräumen und Wiederherstellen von Entwässerungsgräben ‑ bei maschineller Räumung nur in der Zeit zwischen dem 15.September und dem 15. November;

7.            für Schutzzäune an Verkehrswegen;

8.            a) für Handlungen, die für die Aufrechterhaltung der Sicherheit des Flugbetriebes nach den jeweils gültigen Flugplatzrichtlinien auf dem Verkehrslandeplatz Mengen‑Hohentengen erforderlich sind, nach vorheriger Unterrichtung der höheren Naturschutzbehörde;

b) für den Bestandsschutz sichernde Handlungen im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde.

 

§ 9

Schutz‑, Pflegemaßnahmen und Entschädigung

Schutz‑ und Pflegemaßnahmen werden durch die höhere Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnungen festgelegt. Bei Maßnahmen im Wald erfolgt dies im Einvernehmen mit der staatlichen Forstverwaltung. Den Bewirtschaftern landwirtschaftlicher Grundstücke sollen zur freiwilligen Extensivierung der Grundstücke Bewirtschaftungsverträge und zur Pflege von Streuwiesen Pflegeverträge nach den Landschaftspflegerichtlinien angeboten werden. Sofern durch die Regelung des § 5 Ziff.3c erhebliche wirtschaftliche Nachteile entstehen, werden diese durch das Land ausgeglichen.

 

§ 10 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 11 Ordnungswidrigkeiten

(1) Ordnungswidrig im Sinne des §64 Abs.1 Nr.2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Nr. 2‑8 verbotenen Handlungen vornimmt.

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs.2 Nr.4 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 und § 5 Nr. 1 die Jagd ausübt.

(3) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs.1 Nr.2 NatSchG handelt, wer in dem Landschaftsschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig

1.            entgegen § 22 Abs. 3 NatSchG in Verbindung mit § 6 dieser Verordnung Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen;

2.            entgegen §§ 7 und 8 dieser Verordnung ohne vorherige schriftliche Erlaubnis Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können.

 

§ 12 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

TÜBINGEN, den 28. April 1993

Dr. GÖGLER

 

 

Änderungsverordnung

Änderungsverordnung des Regierungspräsidiums Tübingen zur Verordnung über das Natur‑ und Landschaftsschutzgebiet »Olkofer Ried« vom 26. Oktober 1999.

 

Auf Grund der §§ 21 und 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes in der Fassung vom 29. März 1995 (GBl. S. 385) wird verordnet:

 

§ 1

Die Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen vom 1. Dezember 1992 über das Natur‑ und Landschaftsschutzgebiet »Ölkofer Ried« in Hohentengen und Herbertingen, Landkreis Sigmaringen, wird wie folgt geändert:

Das Landschaftsschutzgebiet im Gewann Silberhärte auf Gemarkung Hohentengen wird aufgehoben. Die neue Grenze ist in einer Karte des Regierungspräsidiums vom 7. Januar 1999 eingetragen. Die Karte ist Teil der Verordnung.

 

§ 2

Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen und beim Landratsamt Sigmaringen in Sigmaringen auf die Dauer von zwei Wochen beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt und anschließend bei den genannten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

Die Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

TÜBINGEN, den 26. Oktober 1999

WICKER