4.228 Zollerhalde

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Zollerhalde« vom 29. August 1993 (GBl. v. 26.10.1993, S. 620).

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz ‑NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), zuletzt geändert durch das Biotopschutzgesetz vom 19. November 1991 (GBl. S. 701), und von § 22 Abs. 2 und § 33 Abs. 2 Nr. 4 Landesjagdgesetz in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Bisingen, Gemarkung Wessingen und Gemarkung Zimmern wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Zollerhalde«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 92,28 ha. Es umfaßt auf Gemarkung

1.            Wessingen:
Flurstücke Nrn. 188 teilweise (tw.), 190/1, 190/2 tw.,

2.            Zimmern:
Flurstücke Nrn.
636, 637, 638, 639, 641, 642, 643, 644, 645, 646, 647, 648, 649, 650, 651, 652, 654, 655, 656, 663, 664, 665, 666, 667, 668, 669, 670 tw., 677, 678 tw., 680, 681, 682, 683, 684, 685, 686, 687, 688, 689, 690, 691, 692, 693, 694, 695, 696, 697, 698, 699, 700, 701, 702, 703, 704, 705, 706, 707, 708, 709, 710, 711, 712, 713, 714, 715, 716, 717, 718, 719, 720, 721, 722, 723, 724, 725, 726, 727, 728, 729, 730, 731, 732, 733, 734, 735, 736, 737, 738, 739, 740,742,743,744,745,746/1,746/2,746/3, 747, 748, 749, 750, 751, 753, 754, 755, 756, 757, 758, 759, 760, 761, 762, 763, 764, 765, 769, 770, 791, 792, 793, 2450 tw., 2451 tw., 2452, 2453, 2454, 2455, 2456, 2457, 2458, 2459 / 2, 2460, 2461, 2464 tw., 2533 (Weg), 2534 (Weg), 2535 (Weg), 2536 (Weg), 2548 (Weg), 2551 (Weg), 2553 (Weg), 2554 tw. (Weg), 2560 (Weg), 2561 (Weg), 2562 (Weg), 2563 (Weg), 2564 (Weg), 2565 (Weg) 2567 (Weg), 2568 (Weg), 2663 tw. (Wassergraben), 2664 (Wassergraben).

(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 18. Mai 1993 im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet. Im Falle des Widerspruchs zwischen der textlichen Beschreibung und der zeichnerischen Darstellung gelten die in der Karte getroffenen Festlegungen. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen und beim Landratsamt Zollernalbkreis in Balingen auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

(3) Die Verordnung mit Karte ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 4 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist:

·               der Schutz eines vielfältig strukturierten Landschaftsteils am Hangfuß des Zollerberges mit der daran gebundenen extensiven land‑ und forstwirtschaftlichen Nutzung als Lebensraum für gefährdete und geschützte Pflanzen‑ und Tierarten;

·               die Erhaltung der landschaftsprägenden Schönheit des Gebietes als kulturhistorisch bedeutsamer Bereich, an dem sich die Nutzungsgeschichte dieser Region nachweisen läßt;

·               die Optimierung und Weiterentwicklung dieses Gebietes.

Insbesondere schützenswert sind:

·               die Halbtrockenrasen an südexponierten Steilhängen und die Salbei-Glatthaferwiesen als Lebensraum für zahlreiche Insektenarten, insbesondere Hautflügler und Schmetterlinge, die zahlreichen Vogelarten als Nahrungsgrundlage dienen;

·               Heckenstrukturen als Lebensraum für bedrohte Vogelarten, insbesondere für den stark gefährdeten Neuntöter;

·               Saumgesellschaften als Habitat für gefährdete Schmetterlingsarten;

·               Streuobstbestände als Element der traditionellen Kulturlandschaft und reich strukturierter Lebensraum für zahlreiche gefährdete Tierarten;

·               Einzelbaumbestände und Baumgruppen, die eine wertvolle Ergänzung zu den anderen Lebensräumen darstellen;

·               Feuchtflächen mit ihrer speziell auf diese Standorte angepaßten Flora sowie Kleingewässer als Lebensraum für viele Insekten, insbesondere Libellen.

 

§ 4 Verbote

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, Sport‑, Spiel‑ oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs‑ oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets entgegen dem Schutzzweck verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild‑ oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            neu aufzuforsten oder auf andere Weise Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut‑, Wohn‑ oder Zufluchtstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.        zu zelten, zu grillen, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        das Schutzgebiet außerhalb der Wege zu befahren;

12.        Feuer zu machen;

13.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

14.        Düngemittel oder Chemikalien einzubringen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) lediglich einfache Ansitzmöglichkeiten aus naturbelassenen Hölzern an den Waldrändern so erstellt werden, daß das Landschaftsbild nicht beeinträchtigt wird;
b) keine Wildfütterungen (Einrichtung von Futterstellen, Kirrungen und Wildäcker) stattfinden;

2.            für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

3.            für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

4.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

5.            für das Ski‑ und Schlittenfahren (ohne Motorkraft) im ortsüblichen Umfang, ausgenommen organisierte Veranstaltungen (z. B. Skirennen);

6.            für den Betrieb von Modellflugzeugen bis zu 5 kg Gesamtgewicht (ohne Motorkraft) im bisherigen Umfang, ausgenommen organisierte Veranstaltungen z.B. Flugwettbewerbe);

7.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;
dies gilt auch für folgende bei Inkrafttreten der Verordnung bereits vorhandene Einrichtungen:
a) Öffentlicher Grillplatz »Große Halde« bestehend aus maximal 1 Feuerstelle, 8 Tischen und 20 Bänken;
b) Öffentlicher Grillplatz »Grund« bestehend aus maximal 1 Feuerstelle, 5 Tischen und 10 Bänken;
c) Öffentliche Bänke und Sitzgruppen am Rande der öffentlichen Wege;

8.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle ‑im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen staatlichen Forstamt ‑ veranlaßt werden;

9.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Nr. 2 und 3 verbotenen Handlungen vornimmt.

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 und § 5 Nr. 1 die Jagd ausübt.

 

§ 8 Inkrafttreten

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 (2) Gleichzeitig tritt die Verordnung des Landratsamts Hechingen über das Landschaftsschutzgebiet »Oberes Starzeltal und Zollerberg« vom 19. Dezember 1972 (Schwarzwälder Bote vom 28. Dezember 1972) außer Kraft, soweit sie sich auf den Geltungsbereich dieser Verordnung bezieht.

 

TÜBINGEN, den 26. August 1993

DR. GÖGLER