4.230 Hohenäcker-Imenberg

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Hohenäcker-Imenberg« vom 2. November 1993 (GBl. v. 21.12.1993, S. 753).

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz ‑NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), zuletzt geändert durch das Biotopschutzgesetz vom 19. November 1991 (GBl. S. 701), und von § 22 Abs. 2 und § 33 Abs. 2 Nr. 4 Landesjagdgesetz in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Lichtenstein, Landkreis Reutlingen, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Hohenäcker‑Imenberg«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von 74,98 ha.

·               Es umfaßt auf Gemarkung Unterhausen die Flurstücke 2177, 2180, 2206, 2207, 2208, 2209, 2210, 2211, 2213, 2214 ganz und von Flurstück 2215 den südöstlichen Teil, ferner die Feldwege 64, 65/1, 65/2, 67 ganz und Teile des Weges 2209/1 (15).

(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 18. September 1992 im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet. Im Falle des Widerspruchs zwischen der textlichen Beschreibung und der zeichnerischen Darstellung gelten die in der Karte getroffenen Festlegungen. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen und beim Landratsamt Reutlingen in Reutlingen auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

(3) Die Verordnung mit Karte ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 4 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

(1) Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung, Pflege und Verbesserung eines Biotopmosaiks aus großflächigen Halbtrockenrasen, Wiesen, Hecken, Gehölzen, Saumbereichen und Waldflächen als Lebensraum zahlreicher, vor allem wärme‑ und trockenheitsliebender Pflanzen‑ und Tierarten, darunter viele seltene, gefährdete und geschützte Arten;

Insbesondere schützenswert sind:

·               Trespen‑Halbtrockenrasen (Mesobrometen) und magere, artenreiche Glatthafer‑Wiesen (Arrhenatherum elatoris) mit verschiedenen Übergangsstadien;

·               Kalk‑Magerwiesen (Mesobromion);

·               Trespen‑Halbtrockenrasen mit beginnender Versaumung;

·               Saumgesellschaften (Trifolio‑Agrimonietum eupatoriae);

·               in die Magerrasen eingestreute wärmeliebende Gebüsche und Hecken (Pruno‑Ligustretum);

·               Waldgesellschaften, z. B. Waldgersten‑Rotbuchenwald, Seggen‑Buchenwald, Waldlabkraut-Traubeneichen-Hainbuchenwald;

·               das artenreiche Pflanzenmosaik als Lebensgrundlage einer reichhaltigen Insektenwelt mit wärmebedürftigen und trockenheitsliebenden Arten, insbesondere die zahlreichen Schmetterlings‑ Heuschrecken‑ und Käferarten;

·               die Strukturvielfalt im Gebiet (offene Bereiche, Gebüsche, Heckenzeilen, Saum‑ und Waldbereiche) und das damit verbundene Brutplatz‑ und Nahrungsangebot für eine artenreiche Vogelwelt.

(2) Schutzzweck ist zudem die Erhaltung und Pflege des reizvollen Landschaftsbildes dieser typischen, ausgeprägten, extensiv genutzten Hangbereiche im Echaztal sowie die Erhaltung, Pflege und Verbesserung des Biotopverbundes zwischen den Halbtrockenrasen im Naturschutzgebiet und den südwestlich gelegenen Halbtrockenrasen im Reißenbachtal.

 

§ 4 Verbote

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, Sport‑, Spiel‑ oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs‑ oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets entgegen dem Schutzzweck verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild‑ oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            neu aufzuforsten;

8.            auf andere Weise Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut‑, Wohn‑ oder Zufluchtstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

10.        die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

11.        zu zelten, zu grillen, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

12.        das Schutzgebiet außerhalb der Wege zu befahren; straßenverkehrsrechtliche Fahrverbote bleiben unberührt;

13.        in dem Schutzgebiet Starts oder Landungen mit Luftfahrzeugen oder Modellflugzeugen durchzuführen oder Sommerski zu fahren;

14.        Feuer zu machen;

15.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

16.        Düngemittel oder Chemikalien einzubringen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß weitere jagdliche Einrichtungen nur in einfacher Form aus naturbelassenen Hölzern und nur dort errichtet werden, wo sie weder das Landschaftsbild noch wertvolle Pflanzenstandorte beeinträchtigen. Futterstellen sind hinsichtlich Anzahl und Umfang auf das zur Erfüllung der Hegepflicht notwendige Maß zu beschränken;

2.            für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und mit der Maßgabe,
a) daß die erste Mahd nach dem 15. Juli erfolgt,
b) daß nur mit Schafen beweidet wird. Die Beweidung erfolgt nach einem mit der Gemeinde abgestimmten Beweidungsplan;

3.            für die ordnungsgemäße Forstwirtschaft in bisheriger Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, langfristig nicht standortgerechte Bestände möglichst in einen standortgemäßen, naturnahen Mischwald zu überführen;

4.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

5.            sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

6.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle ‑im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen staatlichen Forstamt ‑ veranlaßt werden;

7.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Belange des Bundesfernstraßenbaus

Durch diese Verordnung bleibt die gemäß § 16 Bundesfernstraßengesetz zu treffende Linienführung und der Bau der in der Planung befindlichen B 312 (Albaufstieg) unberührt.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Nr. 2 bis 4 verbotenen Handlungen vornimmt.

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 und § 5 Nr. 1 die Jagd ausübt.

 

§ 9 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

TÜBINGEN, den 2. November 1993

DR. GÖGLER